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'Meine eigene Musik bedeutet mir sehr viel. Sie ist sehr melodisch mit einigen Twists und Überraschungen'

Iris Ornig

 

 

Foto: privat

 

Bassist & Composer Iris Ornig is one of the most original female voices on today's New York jazz scene. Since her arrival in New York City in 2003 from Germany, she has played with an impressive roster of some of the most influential contemporary jazz musicians in New York.


Ornig is a gifted instrumentalist, a talented composer, arranger and a charismatic performer.

Her compositions are swinging, stormy, melodic, sensitive, playful, angular and straight-ahead with plenty of twists and surprises. She has performed at jazz clubs and festivals all over the United States, Europe and East Africa.



Im Gespräch mit Iris Ornig

Marion Graeber

27. Mai 2016





Du bist in Süddeutschland, in Konstanz am Bodensee, geboren.

Was bedeutet dir diese Region?

 

Der Bodensee ist auf alle Fälle meine Heimat und ich freue mich jedesmal an den See zurück zu kommen und Familie und Freunde zu treffen.

 

Wie bist du aufgewachsen?

 

Ich bin in einer klein bürgerlichen Familie aufgewachsen. Meine Eltern waren Flüchtlinge aus Slowenien.

 

Spielte die Musik in deinem Elternhaus eine übergeordnete Rolle?

 

Nein!

 

Was hast du als Teenager gehört?

 

Nena, Michael Jackson, Prince, Miles Davis, Jaco Pastorius, John Coltrane.

 

Wie bist du zur Musik gekommen? Wie zu deinem Musikinstrument - dem Bass?

 

Mein Freund hat mich gefragt, ob ich in einer Rock Band den Bass spielen möchte.




Foto: privat




Seit wann spielst du Bass?

 

Ich habe im Alter von 16 Jahren angefangen!

 

Beschreibe deine Liebe zu deinem Musikinstrument. Was macht es aus?

 

Dankbarkeit!

 

War es immer schon dein Wunsch  Musikerin zu sein?

 

Nein! Ich habe Volkswirtschaft studiert bis zum Vordiplom und dann habe ich mich entschlossen Musik zu studieren.

 

Du hast in St. Gallen/Schweiz und London/GB studiert - zog es dich immer schon ins Ausland? Hinaus in die Welt?

 

Mmh... Nach meinen Abschluss in St. Gallen bin ich für ein Jahr an die Guildhall School in London, um dort zu studieren. Danach bin ich wieder nach Konstanz zurück.

 

Du lebst seit 2003 in New York City. Machst dort Musik. Warum diese Stadt? Was bedeutet sie dir als Mensch/Frau/Musikerin?

 

Ich lebe seit einigen Jahren in Westvillage und verdiene meinen Unterhalt mit Musik. Ich leite jeden Montagabend eine Jamsession im Club Jazz at Kitano. Ebenso spiele ich in verschiedenen Formationen – Glamour Tango / eine Frauenband mit Tänzerinnen geleitet von Polly Ferman. Ich bin die Bassistin bei Lady Leah und anderen Sängerinnen. Ich habe meine eigenen Formationen - Iris Ornig ‘The IO-5’ ( Abkürzung für meine Initialen und fünf Musiker). Iris Ornig - Re-imagines Michael Jackson und zwei neue Projekte in der Bearbeitung: Iris Ornig with String Quartet. ... Und ich rearrangiere gerade Prince Songs.

 

Wie kann man sich das Musikgeschäft in New York vorstellen? Was sind die Vorteile? Welches die Nachteile?

 

Das Tolle ist, wenn Du deine eigene Auftritt hast kannst Du sehr gute Musiker anrufen und fragen, ob sie Zeit und Lust haben in deinem Projekt zu spielen. Die Vielzahl an sehr guten Musikern ist immense.

 

Das weniger Tolle ist, es hat so viele Musiker in New York, dass die Auftrittsmöglichkeiten limitiert sind.



 

 

 

 

Foto: privat




Sicher hast du viele interessante Begegnungen mit anderen Musikern. Mit wem hast du gespielt? 

 

Gespielt habe ich mit Gretchen Parlato, Nir Felder, Helen Sung, Kurt Rosenwinkel, Joel Frahm, Marcus Gilmore, Rebecca Martin, Fabian Almazan und vielen anderen!

 

Hast du musikalische Vorbilder? Lieblingsmusiker?

 

Auf alle Fälle und viel zu viele. Hier ein paar Namen:  Charlie Haden, John Coltrane, Miles Davis, Marie Schneider, Herbie Hancock, Brian Blade, Billy Childs

 

Einen Lieblingssong?

Zu viele!

 

Du komponierst selbst. Was bedeutet es dir deine eigene Musik zu machen? Wie klingt sie - deine Musik?

 

Meine eigene Musik bedeutet mir sehr viel! Meine Musik ist sehr melodisch mit einigen Twists und Überraschungen.

 

Wo/wie bekommst du deine Inspiration?

 

Musik, Bilder, Farben, Erlebnisse!

 

Wie und wo tauchst du am liebsten ab?

 

Beim Komponieren!

 

Wo ist dein 'favorite place' in New York?

 

Jeder Jazz Club und jede Konzerthalle!

 

Was bedeutet dir der Jazz? Wie siehst du die Rolle des Jazz in den USA und in Europa?

 

Jazz ist heute sehr offen und weiträumig. Jazz ist nicht mehr speziell!

Was ich ganz gut finde. Norah Jones hat einen Grammy gewonnen mit der Aussage Jazz-Artist  Ist es Jazz? Esperanda Spalding hat ebenso einen Grammy gewonnen – Jazz Bassistin. Mit diesen zwei Künstlern möchte ich einfach zeigen, dass der Jazz nich nur bebop oder swing ist.. Jazz ist viel komplexer und gleichzeitig sehr einfach!

 

 

Hast du manchmal Sehnsucht nach deiner alten Heimat?

 

Ja und nein. Ich bin ganz glücklich hier in NYC!

 

Was sind deine Ziele?

 

Für Orchester zu komponieren und Filmmusik zu schreiben!

 

 

Erzähle von deinen Projekten ..

 

Meine zwei neuesten Projekte:

 

Prince aus einer anderen Sicht: Besetzung: 2 Gitarren, Saxophon, Bass und Schlagzeug!

Eine Band mit Streichquartett

 

Wo, in welchen NYC Clubs bist du anzutreffen? Wo ist der Jazz?

 

Jazz at Kitano, Jazz Standard, 55 Bar, Smalls, Jazz Gallery

 

 

Hast du ein Lebensmotto?

 

Ich beklage mich nicht und ich möchte immer dazu lernen!

 

Verfolgst du ein soziales Engagement?

 

Nein in Bezug auf das grosse Umfeld. Aber, ja im kleinen Umfeld. Ich helfe alten Menschen bei Computerproblemen, bei kleinen Haushaltsarbeiten. Ich helfe bei Alltagsorganisationen, oder ich trage einfach mal die Einkaufstasche vom Laden zur Haustüre. 

 

Was wünschst du dir ... Für dich? Dein Umfeld? Für die Musik? Den Jazz? Für die Welt?

 

Glück, Segen, Frieden und Freude








Lieben Dank Iris. Alles Liebe!

 

 


'Ohne Freundschaft wäre Musik auf dieser offenen Ebene nicht möglich'

Sabeth Pérez


 

Foto: Marion Graeber


Vor kurzem gründete Sabeth Pérez mit Kommilitonen aus Köln ihr eigenes Quartett, mit neuen Stücken, zugeschnitten auf die drei Mit-Künstler. Felix Hauptmann - Piano, Alexander Dawo - Bass und Leif Berger - Drums. Für den Herbst 2016 ist eine CD- Produktion vorgesehen.


Das Sabeth Pérez Quartett erzählt durch modernen, lyrischen und instrumentalistisch geprägten Jazz mit Anteilen freier Improvisation die Geschichte eines wachsenden Puzzles von Erfahrungen.


2014 nimmt sie das Album "Guaraní" auf, mit klassischem Orchester plus Big Band, feat. Chris Potter, und ist nun seit zwei Jahren verstärkt auch mit kleineren Ensembles unterwegs. Seit einiger Zeit singt sie überwiegend eigene Kompositionen.



Im Gespräch mit Sabeth Pérez

Marion Graeber

12. Mai 2016




Was bedeutet Ihnen Musik?


Meine eigene Art der Freiheit, alles mehr oder weniger ungefiltert und ehrlich auszudrücken, was sich auf verschiedenen Ebenen in mir abspielt. Deshalb auch der Jazz, der in meiner Definition genau dadurch in allen Variationen lebt und so persönlich sein kann.
 

Wo würden Sie Ihre Musik einordnen?


Ich würde unsere Musik mit unter den "Modernen Jazz" fassen.

Wann haben Sie Ihre Stimme als Ihr Instrument entdeckt?


Bei der Stimme ist das selten genau zu sagen, da man als Sänger das Instrument jeden Tag auch anderweitig benutzt. Da sind die Übergänge oft fließend! Mein Vater ist Komponist und Saxofonist und so bin ich in einem sehr musikgeprägten Umfeld aufgewachsen und habe sehr früh spielerisch mein Interesse gefunden und vertieft. Den traditionellen Jazz habe ich erst etwas später entdeckt, und dann mit den Anfängen meines Studiums wirklich aufgenommen.

Wo sind Sie geboren? Wann?


Ich bin in Heidelberg geboren.  11.4.1992



Foto: Marion Graeber




Wo sind Sie aufgewachsen?


Köln, eine der, so sagt man, Musikhochburg Deutschlands mit viel Zugriff auf Konzerte und andere kulturelle Einflüsse jeglicher Art.

Sie haben lateinamerikanische Wurzeln (Argentinien). Haben Sie Verwandte dort? Besuchen das Land?


Mein Vater ist Argentinier aus einer großen Familie, und ich wuchs zweisprachig auf.
Seine Musik ist stark folkloristisch beeinflusst und da ich früh auch seine Musik sang (vornehmlich in Bigbands, u.a. WDR Bigband, Bigband des Hessischen Rundfunks, Cologne Contemporary Jazz Orchestra), übernahm ich sicher etwas seiner Melodieauffassung und harmonischen Ästhetik. Ich wäre jedoch gern häufiger in Argentinien.



Foto: Marion Graeber



Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino? Tanzen Sie?


Leider nein. Ich muss dazu sagen, dass der Tango Argentino vor allem in Buenos Aires getanzt wird, auch wenn er sich ausgebreitet hat. Auf dem Land, wo meine Wurzeln liegen, sind andere Rhythmen und Tanzstile häufiger anzutreffen. So ist viel Volksmusik im Norden Argentiniens vor allem von indigenen Völkern geprägt, die dort wohnten, bevor die Spanier kamen... (bedeutungsvolles schweigen)

Mögen Sie Astor Piazzolla?


Ja! Sehr schöne Musik!! Höre ich gern!

Wann haben Sie das Sabeth Pérez Quartett gegründet? Wer spielt mit? Wie haben Sie sich kennen gelernt?


Ich gründete das Quartett, als ich das Schreiben eines Programms eigener Stücke für ein Quartett angefangen hatte und suchte das Ensemble bei Konzerten und Proben danach aus, was ich am meisten als ähnlichen Charakter empfand. Eigene Musik, und vor allem solche mit viel freien, improvisierten Anteilen, braucht Menschen, die, ohne ihre eigene Spielweise zu vernachlässigen, die Stücke des Komponisten erkennen und in die Richtung weiter wachsen lassen, die durch Noten und Akkorde auf dem Papier angedeutet wurde. Diese Menschen fand ich in Köln und Berlin.

Sie sind gemeinsam auf Tour. Wie ist das Verhältnis, die Freundschaft untereinander?

Wunderbar! Ohne Freundschaft wäre Musik auf dieser offenen Ebene nicht möglich! Wir albern herum, was das Zeug hält, trinken zusammen ein Weinchen, sind offen und ehrlich, und besuchen gegenseitig unsere Konzerte.

Schreiben und arrangieren Sie Texte, Musik selbst?


Ja, fast ausschließlich. Es gibt immer wieder wunderschöne Stücke, die schon gespielt wurden, zu denen man eine so persönliche Bindung aufbaut, dass man sie noch einmal neu interpretieren kann, aber das ist nicht immer gegeben... Als müsste ein Maler immer dasselbe Motiv malen, wie sein Kollege. - er kann nur, wenn er selbst angeregt ist, andere Farben verwenden, oder durch andere Techniken neue Strukturen einbringen. Sonst wird das Bild nie leben und berühren. Und das ist doch das größte Geschenk!

Was sind Ihre momentanen/zukünftigen Projekte?


Neben zwei weiteren Ensembles mit denen ich viel unterwegs bin und für die ich mit Kollegen schreibe, und manchmal anderen Nebenprojekten, möchte ich vor allem für das Quartett viel Zeit haben. Nächstes Jahr ist eine CD- Aufnahme geplant, Stücke werden sowieso immer geschrieben, wenn ein neues Motiv daherkommt, von dem ich erzählen möchte.



 

 

 

 

Foto: Marion Graeber



Was sind Ihre Ziele?


Mit hauptsächlich meiner eigenen Musik meinen Lebensunterhalt verdienen zu können, weiterhin immer mehr zu lernen und in der Musik dem Moment zuhören zu können. Durchlässig zu bleiben für alles, was daherkommt.

Haben Sie musikalische Vorbilder?


Einige... Aus aller Herren Länder und Musikstile. Ich höre alles, was gut ist und mich berührt. 


Was wünschen Sie sich ...


Beruflich und musikalisch gesehen vor allem mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung des Jazz




Vielen Dank für das Interview. Alles Gute!
  









'Ich war aktiver Jazzer'

Dieter Scholl

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

 

Dieter Scholl stammt aus einer Musikerfamilie. Bereits mit fünf Jahren begann er mit dem Klavierunterricht. Als Jugendlicher brachte er sich autodidaktisch Gitarre bei. Auf dem Gymnasium spielte er mit einer eigenen Schülerband vorwiegend Jazz, Dixie und Blues, nebenbei musizierte er als Geiger im Schulorchester. Was lag da näher, als an der Musikhochschule in München Klavier und Gitarre (bei Siegfried Behrend) zu studieren.


Besonders beeindruckend war für ihn eine persönliche und musikalische Begegnung mit Andrés Ségovia. Hier begann auch Dieter Scholls große Jazz-Epoche. In der ungewöhnlichen Trio-Besetzung Konzertgitarre, Bass und Klavier wurde Latin-Jazz gespielt. Seine "Dieter Scholl Big Band" setzte sich aus Musikstudenten und internationalen Profis zusammen. Gastsolisten waren beispielsweise der Drummer Charly Antolini und der Jazzsaxophonist Stan Getz. Zweimal pro Woche trat die Band im Münchner Jazz-Club "Käfig" auf. 1962 bis 1964 gewann er als Gitarrist das Deutsche Jazzfestival. Er gehörte zu den berühmtesten Gitarristen in den 60er Jahren.

     

Mit dem Dieter Scholl Sextett, das aus lauter Musikstudenten bestand, tourte er swingend durch Europa. Es folgten Schallplattenproduktionen und Rundfunkaufnahmen. Er ging sechs Wochen lang auf USA-Tournee, spielte in Offizier-Clubs und sogar als Vorgruppe von Bill Haley.



Im Gespräch mit Dieter Scholl

Marion Graeber

24. April 2016



Was bedeutet Ihnen Musik?


Alles. Das ist mein Beruf. Meine Berufung.


Haben Sie ein Lieblingsinstrument?


Mein Lieblingsinstrument ist der Taktstock. Dann schwank ich zwischen Gitarre und Klavier.


In welchem Genre fühlen Sie sich besonders wohl? Sie sind auch ein grosser Jazzer ..


Ich war aktiver Jazzer. War mit Bands unterwegs. In Europa und Übersee. Wir haben eine Jazzgruppe gebildet und sind von da aus engagiert worden. Wir haben unser Studium unterbrochen und später nachgeholt.


Sie haben mit Stan Getz gespielt?


Ja, das stimmt. Und mit vielen anderen Größen.


Mögen Sie Astor Piazzolla?


Ja, haben wir auch im Programm. Lächelt.


Ihre liebste musikalische Erinnerung?


Im Jazzbereich hab ich in einmal auf Astrud Gilberto getroffen. Die berühmte Bossa Nova Sängerin. Das war ein Highlight.



Foto: Marion Graeber



Lieben Dank Herr Scholl. Alles Gute.



 

 

 

  'Wir leben in Hamburg. Das ist für uns mit den vielen Theatern zur Zeit die richtige Stadt'

Ania 

 

Foto: Tanja Hall

 

 

 

 

 

 

Interview mit Matthias und Ania  

Von Marion Graeber

8. März 2015

 

 

 

Sie sind ein Paar? Seit wann kennen Sie sich?

 

Matthias: Wir haben uns Ende 2004 im Musical Theater Bremen kennengelernt.

 

Haben Sie sich über die Musik kennen gelernt?

 

Ania: Ja, dort wurde damals Evita gespielt. Ich war mit einem Orchester aus Polen zu Gast und Matthias Gitarrist der deutschen Band.

Matthias: Ania war ab der ersten Probe Gesprächsthema der Band. Typische Herrenrunde eben.

Ania: Nur Matthias war nicht so ein typischer Teil davon. Das fand ich sympathisch. Sprachlich gab es zu Anfang aber einige Probleme.

Matthias: Ich habe dann erst einmal zwei kleine Wörterbücher gekauft.

 

Wie lange musizieren Sie schon zusammen?

 

Ania: Wir hatten, nachdem ich nach Deutschland gezogen war, immer wieder verschiedene Engagements zusammen. Am Anfang habe ich beispielsweise beim Musical “Mamma Mia” mitgespielt, damals noch am Keyboard, später  “König der Löwen”, viele gemeinsame Musicalsommer in Tecklenburg und auch Sänger aus dem Pop-Bereich haben wir zu zweit begleitet.

Matthias: Aber unser Gitarre & Cello Duo haben wir, mit etwas Vorlauf für Kompositionen und Arrangements, erst 2012 gestartet. Da kein Material vorhanden war. Wir mussten uns auch erst einmal an eigenes Material herantasten.

 

Wie kam es zu dem Entschluss, gemeinsam Musik zu machen?

 

Matthias: Unser Musiker Kollege Olaf Satzer hatte seinen ersten Roman veröffentlicht und wollte zu einer Lesung auch Musik. Dafür hatten wir etwas arrangiert und wurden direkt danach auf ein eigenes Programm angesprochen. Das war der Initialzünder.

Ania: Wir hatten vorher schon darüber gesprochen aber es fehlte noch der letzte kleine Anstoss.

Matthias: So etwas auf die Beine zu stellen ist sehr viel Arbeit und wenn man viele Engagements hat muss man sich auch die Zeit für eigene Musik sehr bewusst freihalten.

 

Wie sind Sie aufgewachsen?

 

Matthias: Ich bin in Lüneburg geboren, mit drei Jahren nach Regensburg gezogen und mit sieben wieder in den Norden nach Bremerhaven. Als meine Eltern sich getrennt haben, haben mein Vater und ich ein kleines Häuschen am Stadtrand bezogen, oder wie ein Schulfreund damals sagte: “Du wohnst doch mit deinem Vater in einer  WG”. Tolle Zeit. Ich hatte viel Freiheit, war aber auch für vieles selbst verantwortlich. Mein Vater war Schauspieler und sehr liberal.

Ania: Ich bin in Polen in Breslau (Wroclaw) geboren und aufgewachsen. Später sind wir nach Czestochowa umgezogen. Bei uns war die Familie sehr wichtig und meine Mutter hat sich unglaublich für meinen Bruder und mich eingesetzt. Eine richtige Glucke. Sie wollte, dass ihre Kinder es mal besser haben.

 

Spielte Musik immer schon eine übergeordnete Rolle in der Familie?

 

Matthias: Nein, nicht wirklich. In meiner Familie gibt es eigentlich nur passive Musikhörer und die hatten auch mit meinen Vorlieben für Rockmusik nichts am Hut. Ich war damit eher Aussenseiter. Da ich Anfangs auch nicht genug geübt habe waren meine Gitarrenstunden relativ schnell beendet und später habe ich dann meine Ausbildung praktisch selber in die Hand genommen.

Ania: Bei mir gibt es zwar auch keine Musiker, aber meine Mutter hat Musik geliebt. Und ausserdem musste sie ihr ganzes Leben früh aufstehen und hat es gehasst.  Als man bei mir früh Talent festgestellt hatte, dachte sie sich: “Musiker ist für meine Kinder der bessere Job”. So habe ich mit fünf Klavier und später Cello Unterricht bekommen. Das war alles sehr gut organisiert. Und ich bin ihr bis heute dankbar, nicht jeden Tag früh aufstehen zu müssen.

 

 

 

Foto: Tanja Hall

 

 

 

Wo wohnen Sie und wie sieht Ihr Alltag aus?

 

Ania: Wir leben in Hamburg. Das ist für uns mit den vielen Theatern zur Zeit die richtige Stadt. Unser Alltag sieht, wenn wir nicht mit Konzerten unterwegs sind, meist so aus, dass wir tagsüber Zeit haben für uns zu üben, spielen, unterrichten, vorbereiten, proben, organisieren und natürlich Alltag leben: einkaufen, kochen, Freizeit ..... Ab 18 Uhr geht es dann meist in ein Theater. Am Wochenende, wenn zwei Shows gespielt werden, dann gegen 13 Uhr. Als freier Tag bleibt oft nur der Montag. Aber auch der ist schnell mal verplant. Da muss man aufpassen auch noch freie Zeit neben der Musik zu haben. Die Grenzen lassen sich nicht so klar abstecken. Das geht den meisten Musikern so.

Matthias: Es gibt Phasen da ist es etwas ruhiger und ich versuche immer tagsüber etwas für unser Duo zu machen. Mal organisatorisch, mal mehr musikalisch.

Ania: Und ich passe auf, dass er auch noch Zeit für uns übrig lässt. Das vergisst er sonst gerne…..

Matthias: Stimmt schon, aber wenn neue Produktionen anstehen muss man die natürlich vorbereiten. Das können sehr intensive Phasen werden und es bleibt kaum Zeit. Oder man muss sehr früh los weil um 10 Uhr in Flensburg oder Bremen eine Probe ansteht um 18 Uhr eine Zweite und dann können Tage schon schnell mal 12 Stunden oder länger werden.

 

Wie beschreiben Sie selbst Ihre Musik?

 

Ania : Bildhaft, illustrativ, von meditativ über romantisch bis kraftvoll & dramatisch. Es sind viele verschiedene Emotionen dabei.

 

Was bedeutet Ihnen Musik?

 

Matthias: Musik ist einfach ein selbsverständlicher Teil unseres Lebens. Ich könnte mir schlecht vorstellen ohne Musik zu leben.

Ania:Deshalb fährt er noch nicht einmal ohne Gitarre in den Urlaub.

Matthias:Daran kann Ania sich nur schwer gewöhnen. Sie will dann ganz abschalten. Ichspiele dann zwar nur wenig, aber ich fühle mich irgendwie wohler wenn eine Gitarre in der Nähe ist. Vielleicht ist das auch einfach Sucht ?

 

Welche Sinne möchten Sie gerne mit Ihrer Musik ansprechen, berühren?

 

Matthias: Mir gefällt es die “Seele” der Zuhörer zu berühren, mehr als den Intellekt oder nur die interessierten Instrumentalisten. Wenn das gelingt habe ich mein Ziel als Instrumentalist, Komponist oder Arrangeur erreicht.

Ania: Kürzlich ist auf einem Konzert jemand von sehr weit angereist, weil er uns unbedingt live hören wollte. Er erzählte mir, dass ihn unsere erste CD durch schlechte Zeiten geholfen hat. Da war ich schon sehr bewegt.

 

Kopffilmmusik nennen Sie gerne Ihre Musik - spielen Sie Musik, die Zuhörer auf eine spezielle Weise erreicht?

 

Ania: Instrumentale Musik, lässt ja immer viel Platz für Assoziationen und Fantasie. Ich kann mich schon mal darin verlieren und dann läuft eben ein Kopfkino. Viele dieser  Bilder finden sich in den Titeln wieder. Bei unseren Konzerten sehe ich immer wieder Zuhörer mit geschlossenen Augen sitzen.

Ich hoffe also, die sehen dann auch etwas Schönes.

 

Seit wann spielen Sie Ihre Instrumente?

 

Ania: Ich habe mit fünf zuerst am Klavier begonnen und später kam das Cello dazu. Das war ein langer, sehr intensiver Weg durch die klassische Musik.

Matthias: Ich habe mit zehn meine erste Konzertgitarre bekommen, obwohl ich lieber E-Gitarre spielen wollte. Den Unterricht mochte ich nicht und daher habe ich kaum geübt und mein Weg war etwas holpriger. Es gab viele Unterbrechungen, bis ich mit 15 in die Schulband einsteigen konnte. Da ging es für mich richtig los und seitdem hat mich die Gitarre nicht mehr losgelassen.

 

Was macht Ihr Instrument zu Ihrem Instrument? Welches sind die Besonderheiten?

 

Matthias: Ich denke, wenn es um Musik geht hat jeder Mensch seine eigenen “Resonanzen” auf denen er klingt. Bestimmte Klänge berühren einen einfach und bei anderen passiert nichts. Bei mir waren das die ryhtmische Seite, die Sounds und viele Musikstile die mit der Gitarre verbunden sind. Ich mag auch die vielen klanglichen und spielerischen Möglichkeiten, die mit diesem Instrument verbunden sind. Das gilt für akustische und elektrische Gitarren.

Ania: Für mich ist die rhytmische Seite in der Musik nicht ganz so wichtig. Ich mag meditative und lyrische Klänge. Und eben den Tonumfang und Sound des Cellos.

 

Wie beschreiben Sie die Interaktion zwischen Gitarre & Cello? Den Klang, die Gemeinsamkeit ...

 

Matthias: Wir versuchen beide Instrumente auf eine “Ebene” zu bringen. Also nicht Gitarre begleitet Solo-Cello oder Solo-Gitarre wird mit Cello untermalt.

Es geht um musikalischen Dialog und einen starken gemeinsamen Sound.

Das versuchen wir schon in den Stücken so anzulegen.

Ania :Natürlich ergibt sich eine gewisse Verteilung, weil die Gitarre eher perkussiv klingt und Akkorde spielen kann, während das Cello oft gesanglicher angelegt ist.

 

 

 

 

Foto: Tanja Hall

 

 

 

 

Klangliche Möglichkeiten der Instrumente ausloten - wie gestaltet sich Ihre gemeinsame Musikalität?

 

Matthias: Das ausloten betrifft vor allem unseren Duo Sound, das heißt, wir nutzen bekannte Klänge und Techniken unserer Instrumente und kombinieren sie. So  beispielsweise atmosphärisch bluesige Slide Gitarre & Cello in “Mondnacht” etwas für uns neues, oder die orientalischen Ansätzein “Fliegender Teppich. Auch 12 saitige Gitarre und Cello klingt super. Haben wir schon bei “Reise nach Norden” unserer ersten CD gemacht und jetzt bei “Zakopane” oder “Toss the feathers”. Wir versuchen in jedem Stück immer etwas für uns Neues zu finden.

 

Welche Stimmung erzielen Sie mit Ihrem Spiel - für sich selbst?

 

Ania: Hmm.. Stimmungen sind ja schnell von der Tagesform bedingt. Aber ich fühle mich in unserer Musik sehr sicher, geborgen und vor allem frei. Durch die eigene kreative Gestaltung verspüre ich nicht den Erwartungsdruck den ich beispielsweise aus der Klassik kenne. Da sich in diesem Bereich alle mehr oder weniger durch das gleiche Repertoire arbeiten steht man vielen festgelegten Erwartungen gegenüber. Das fängt schon bei der Kleidung und dem äusseren Auftreten an. Bei uns können wir das selbst bestimmen.

Matthias: Ja, es ist toller Ausgleich für all unsere anderen Tätigkeiten, wenn man seine eigenen Regeln machen kann. Und ich liebe es beim Komponieren, Arrangieren oder Improvisieren richtig in der Musik “abzutauchen”. Das wirkt dann wie für Ania ihre Meditation.

 

Ihre Musik beinhaltet auch orientalische Klänge. Welche Einflüsse sind noch zu hören?

 

Matthias: Folk (rock), nordische & irische Musik, Weltmusik, etwas Jazz, ein wenig Klassik.

 

 

Sind Sie vielleicht auch durch den Tango Argentino berührt?

 

Ania: Nein eher nicht, aber wer weiß, vielleicht kommt das noch. Wir hatten schon mal eine Anregung in diese Richtung. Die Kostüme und auch die Tänzer gefallen mir auf jeden Fall.

 

Sie lieben Jazz?

 

Matthias: Lieben wäre sehr übertrieben, aber es gibt natürlich Jazz den ich gerne höre. Bei mir ist es eher die groovigere Jazzrock Seite, aber auch traditionelle Musiker wie Wes Montgomery. Ania mag den polnischen Pianisten Leszek Mozdzer, daher haben wir auch “Easy Money” & “Suffering” von seinem Trio arrangiert.

 

Von welcher Musik, welchen Musikern sind Sie beeinflusst?

 

Ania: Die klassische Musik hat bei mir natürlich lange regiert, aber einzelne Musiker waren nicht wirklich dabei. Aber ich bewundere beispielsweise Leszek Mozdzer und den Bluesgitarristen Stevie Ray Vaughan.

Matthias:Bei mir sind es glaube ich zu viele Einflüsse. Es gibt so viel tolle Musik und grossartige Musiker. Das reicht von Barock bis Hardrock. Und auch meine Kollegen aus dem Theater oder Studenten an der Hochschule haben Einfluss genommen.

 

Haben Sie Vorbilder?

 

Ania: Drei starke Frauen: Madonna (geht dabei nicht um ihre Musik), Maria Moneta Malewska und meine Mutter.

Matthias:Früher ja, doch ich habe im Laufe der Jahre festgestellt, dass die meisten Vorbilder nur unter bestimmten Aspekten vorbildlich sind. Aber ich lerne gerne von anderen.

 

Schreiben Sie alle Songs selbst, oder arrangieren Sie auch bekannte Songs neu?

 

Matthias: Ungefähr 2/3 unseres Programms sind eigene Kompositionen, 1/3 Arrangements anderer Stücke. Aber Bekanntheit spielt für uns dabei kaum eine Rolle. Nur ob wir Lust haben diese Musik zu spielen.

 

Welche Projekte verfolgen Sie derzeit?

 

Ania: Das Duo hat natürlich Priorität, ist aber noch nicht so weit um ausschließlich davon zu leben. Also spielen wir dazu vor allem in Theater-Produktionen wie “König der Löwen”, “Cats”, “Rocky” oder begleiten Künstler.

Ich spiele Konzerte mit Carolin Fortenbacher, die vor allem durch Mamma Mia bekannt wurde oder wir arbeiten mit Radio Bremen Moderator und Schauspieler Dirk Böhling.

 

Ihr Lieblingssong ...

 

Ania: Habe ich nicht

Matthias: Ich auch nicht, aber im Moment habe ich wieder eine 70er Rockphase und mit Stücken im 6/8 Takt bekommt man mich meistens.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Ania: Was mich nicht umbringt macht mich stärker

Matthias: Respektiere deine Mitmenschen

 

Ein Wunsch, Ihr Wunsch für die Zukunft...

 

Matthias: an erster Stelle Gesundheit, eine glückliche Familie und natürlich, dass wir mit unserer Musik noch viele Menschen erreichen…

Ania: Liebe, Liebe & Liebe

 

 

 

 

Lieben Dank und alles Gute! 

 

 

 

 

'Musik war bisher immer ein wichtiger Begleiter meines Lebens'

Lenny

 

Foto: Marion Graeber

 

 

'Ich habe viele Genres ausprobiert'

Dule 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

 

Funk Kartell, das ist eine achtköpfige Band aus dem Großraum Stuttgart. Infiziert durch die einzigartige Soul Musik der 60er und 70er Jahre bringt die Band diesen Sound in eigenem Stil zurück in die heutige Zeit. Dabei setzen sie auf den charakteristischen Soulgesang, Bläsersätze und lebendige Grooves. „Soul“ und „Funk“ stehen dabei nicht allein für die Musik, sondern auch für ein Lebensgefühl, das geteilt werden will. 

 

 

Interview mit Lenny und Dule von Funk Kartell 

Von Marion Graeber

17. Oktober 2014 

 

 

Wie seid ihr zur Musik gekommen?
Lenny: Meine Eltern brachten mich zur Musik und wie fast bei jedem Kind fing es auch bei mir mit der Blockflöte an.

 

Dule: Zunächst bewunderte ich als Kind die Strassenmusiker! Da ich ja zu dem Zeitpunkt sehr jung war, kann ich mich an viele Ereignisse nicht mal mehr erinnern, .... als ich die Strassenmusiker jedes Mal im Urlaub genötigt habe für mich zu spielen während ich gesungen habe… Da war ich, denke ich mal drei Jahre alt! Dann nahm alles seinen Lauf

Seid ihr mit Musik aufgewachsen?
Lenny: Ja, Musik war bisher immer ein wichtiger Begleiter meines Lebens. Abgesehen vom Spielen diverser klassischer Instrumente, hörte ich viel Musik meiner Eltern.

 

Dule: Klar! Wenn man auf dem Balkan aufwächst wird man von Musik überschüttet! In Deutschland war es eher der Schlager der mich umgehauen hat und mir dazu verholfen hat nach anderer Musik zu suchen! 

Wo seid ihr aufgewachsen, wo lebt ihr?
Lenny: Ich habe meinen Standort bis vor zwei Jahren nie gewechselt. Rutesheim ist mein Heimatort und vor zwei Jahren zog ich zwecks Studium nach Mannheim.
 

 

Dule: Ich wurde in Belgrad geboren und kam mit 13 Jahren nach Deutschland. Seitdem hatte ich verschiedene Wohnsitze, die sich aber immer um Rutesheim, Ditzingen und Stuttgart bewegten. Jetzt lebe ich momentan im schönsten Dorf der Welt….Oh Heimerdingen mein Lieblingsort!

 

 

 

 

Mit welcher Musik seid ihr aufgewachsen?
Lenny: Das Spektrum an musikalischen Einflüssen war sehr groß. Klassische Musik, Soul, Pop der 90er und später dann viel Rock und Heavy Metal, gefolgt von Funk und Jazz.
 

 

Dule: Ich habe viele Genres ausprobiert… Ich denke dass dies auch mit dem Alter etwas zu tun hatte… Jedoch fand ich für mich irgendwann meine persönliche musikalische Qualität: Zunächst war es qualitativer Hip - Hop dann Jazz, später Soul & Funk 


Hat euch die Musik eurer Eltern geprägt?
Lenny: Ja, insbesondere die Musik meines Vaters. Er spielte früher E-Bass in einer Band und ich hörte dadurch viel Beat, Soul und Rockmusik der 60er und 70er Jahre.

 

Dule: Nein, definitiv nicht… Mein Vater hat selbst mal in einer Band gespielt, aber mein Elternhaus war absolut nicht musikalisch. 

Welche Musikinstrumente spielt ihr?
Lenny: Es begann mit Flöte, gefolgt von Altsaxophon, E-Bass, E-Gitarre, Schlagzeug und Klavier. Meine Hauptinstrumente sind Gitarre, Bass und Gesang.
 

 

Dule: Hauptsächlich Gesang und mittlerweile auch Piano 

 

 

 

Seit wann?
Lenny: Mit 13 Jahren fing ich an Gitarre und Bass zu spielen.
 

 

Dule: Das ist schwer zu sagen, beziehungsweise so richtig seit 2005

Wie ist eure musikalische Ausbildung?
Lenny: Meine Hauptinstrumente erlernte ich größtenteils autodidaktisch. Während meiner Schulzeit sammelte ich Erfahrungen in verschiedenen Bands und nach der Schule fing ich mein Musikstudium an der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim an.

 

Dule: Seit 2005 habe ich über mehrere Jahre Gesangsunterricht gehabt. Hauptsächlich im Jazz Bereich. Seit ungefähr zwei Jahren bringe ich mir autodidaktisch Piano bei.

 
Wie wichtig ist euch euer Instrument 'Stimme'?
Lenny:  Stimmen sind wichtig im musikalischen Kontext. In den letzten Jahren habe ich den Nutzen und den Wert von Gesang mehr schätzen gelernt. Wer singen kann ist auch als Instrumentalist klar im Vorteil.
 

 

Dule: Man sagt ja gewöhnlich, dass die Stimme an sich das Sprechrohr der Band ist! Oft sind Sänger einfach schwierigen Aufgaben ausgesetzt. Neben dem Gesang selbst, muss man sehr spontan sein und auf die Umgebung, in der man sich gerade befinden, auch reagieren. Daher ist die Stimme sehr wichtig.  


Funk Kartell - welche Musiker gehören dazu?

Unsere Formation hat sich in den letzten Jahren auf acht Personen maximiert. Die Band besteht aus Vocals (Dule), Gitarre (Lenny), Bass (Johann), Drums (Nils), Alt- und Tenorsaxophone (Kasten, Daniel), Keyboard (Heiko) und Posaune (Friedemann).

 

Ihr geht auch in kleineren Formationen zu Konzerten?

Ja, dabei sind wir zwischen zwei und vier Personen als „Funk Kartell Unplugged“ unterwegs.

   

 

 

 

 

Welche Projekte verfolgt ihr ausserhalb von Funk Kartell? 

Lenny: Meine anderen Projekte heißen „Maxim Noise“, „Pleasant Pages“ und „AQSTICS“. Mal spiele ich Bass, mal Gitarre. 

 

Dule: Aus privaten Gründen ist es mir zeitlich nicht gegeben andere Projekte zu verfolgen. Daher kann ich mich voll und ganz auf die eine Band konzentrieren. 

Wo seid ihr zu sehen? Wo spielt ihr?

Lennart:  In kleiner Formation stehen dieses Jahr noch Termine in der Region an. Mit „Funk Kartell“ sind wir nächstes Jahr wieder in ganz Deutschland unterwegs.

 

Dule: Momentan aber nur im Studio! Da haben wir alle noch viel zu tun! OK…vor allem ich! 

Was für Musik macht ihr?

Lennart: Außerhalb von Funk & Soul, spiele ich Pop & Hip Hop.

 

Dule: Das ist sehr interessant! Wir haben eigentlich Funk & Soul Einflüsse aus den 60ern und 70ern, jedoch klingen wir irgendwie auch modern. Aber irgendwie klingen wir auch sehr eigen…was nicht blöd ist.  

Euer nächster Auftritt…

 

Lennart: Am 26. November spielen wir als große Band im Restaurant 87, Bad Cannstatt. Eine Vorband wird auch dabei sein. 

 

Dule: Es lohnt sich vorbeizukommen.

Euer nächstes Projekt?
Unser Album kommt diesen Winter raus! Endlich!
 

 

Was bedeutet euch Musik?
Lennart: Musik ist der Ausgleich zu all den unschönen Dingen im Leben. Deswegen liebe ich Musik.
Dule: Naja, ohne Musik würde ein Teil von mir fehlen. Das kann man auch bei allen Bandkollegen spüren. 

Habt ihr ein Lebensmotto?

Lennart: Es ist besser, für den gehasst zu werden der man ist, als für die Person geliebt zu werden, die man nicht ist.  

 

Dule: Ich glaube nicht an Schicksal! Die Sterne lassen sich immer in neue Konstellationen bringen!

Ein Wunsch ...
Lennart: Wir hoffen, dass wir mit unserer Musik noch mehr Leute erreichen werden. Wie gesagt, wird bald neues Material erscheinen. Darauf freuen wir uns besonders.
 

 

Dule: Dass man keine Wünsche mehr braucht!  

 

 

 

Vielen Dank für das Interview. Viel Erfolg 

 

 

THE JAZZ&MORE COLLECTIVE  

 

Pressefoto

 

 

 

 

 

Der Name dieses Künstlerkollektivs ist zugleich das Motto eines seit vielen Jahren regelmäßig an der Landesakademie in Ochsenhausen stattfindenden

Musikworkshops, bei dem die acht Mitglieder des Ensembles auch das Dozententeam bilden.

Die renommierten Musikerinnen und Musiker, darunter vier Jazzprofessoren und vier Landesjazzpreisträger (BW), sind nun – unterstützt durch die Baden-Württemberg Stiftung und die Bauder Stiftung – gemeinsam auf Tournee, um Kindern und Jugendlichen die Freude an zeitgemäß improvisierter Musik

näherzubringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Jazz in Heidenheim

 

Todd Gordon - Pressefoto

 

 

 

Todd Gordon hörte mit elf Jahren seine erste Sinatra-LP und war, obwohl begeisterter Beatles-Fan, hin und weg von dem lyrischen Groove, dem Swing und der beeindruckenden Stimmbeherrschung dieses amerikanischen Sängers. In den 1970ern erlebte er die Duke Ellington Band und Ella Fitzgerald mit Count Basie bei Konzerten in seiner Heimat Schottland. Vor allem die Begegnung mit Ella wurde wegweisend für seine Entwicklung.

 

In wenigen Jahren schaffte es Todd, sich einen Namen als hervorragender Jazzsänger zu machen, der in der Tradition des „American Songbook“ Konzertsäle und Clubs eroberte. Sein warmer Bariton, sein swingendes Timbre und die genialen Arrangements seines Pianisten, David Patrick werden von der Fachpresse gelobt und vom Publikum gefeiert.

 

Er trat beim London Jazz Festival auf, in der Royal Opera, in Hotels in NY zusammen mit dem Schauspieler Christopher Walken, Todd konzertiert in Europa, USA und Asien.  

 

 

Interview mit Todd Gordon

Von Marion Graeber

31. März 2014 

 

 

Wann haben Sie erkannt, dass der Jazz Teil Ihres Lebens ist?

 

Das habe ich schon sehr früh erkannt. Ich war so vier Jahre alt. In diesem zarten Alter hörte ich schon, für ein Kind, außergewöhnliche Musik. Eine Platte meiner Eltern lief unaufhörlich. ‚Milord‘ von Edith Piaf. Ein begeisterter ‚The Beatles‘ Fan wurde ich dann schon mit sechs.

 

Der Jazz hat so viele Gesichter – welchen Style lieben Sie?

 

Ich habe mit der Zeit gelernt wirklich viele Künstler und viele Genres zu lieben. Insbesondere Jazzsänger und Jazzsängerinnen. Carmen McRae, Ella Fitzgerald, Peggy Lee und natürlich Frank Sinatra. Ich mag aber auch Helen Humes, Big Joe Turner, Irene Kral, Jimmy Rushing, Billie Holiday, Tony Bennett, Harry Connick Jr. and so on…. Duke Ellington, Count Basie, Erroll Garner… es sind einfach zu viele um sie alle zu nennen.

 

Wie würden Sie Ihr Gefühl beschreiben, wenn Sie sich der Jazzmusik hingeben? Während Sie die Musik einfach nur hören oder auch singen….

 

Manchmal wähle ich ein Album ganz nach meiner Stimmungslage aus. Doch es kommt noch häufiger vor, dass ich mich von der Musik treiben lasse. Sie bringt mich dann zur Glückseligkeit und manchmal schmerzt sie auch. Musik kann den Geist beflügeln, kann ein wohliges Gefühl auslösen, Gedanken anregen.


Wenn ich auftrete sehe ich mich selbst als eine Verbindung zwischen der Musik und den Zuhörern. Mein Ziel ist es, die Musik und die darin enthaltene Message des Songwriters rüber zu bringen.

 

Frank Sinatra, Ella Fitzgerald – wenn Sie diese Namen hören, was denken und was fühlen Sie?

 

Meine Mutter hatte zwei Sinatra Alben. Auf diese Weise entdeckte ich im Alter von elf Jahren ‚Ol‘ Blue Eyes‘. Meine Mutter hörte ‚Song for Swinging‘ Lovers‘ … das hörte ich mir mit einem gewissen Protest mit an. …Und ich dachte bei mir ‚wann holt er eigentlich Luft?‘. Dann wurde ich auf Nelson Riddle aufmerksam. .. Das war schon alles sehr ungewöhnlich für einen Jungen in meinem Alter. In der Schule nannten mich alle nur noch ‘Bing’.

 

Ihr erstes Jazzkonzert als Besucher….

 

Ich hab gleich mit dem besten Konzert begonnen. Ella Fitzgerald im Apollo Theatre in Glasgow, Schottland, am 11. April 1974. Sie trat mit dem Tommy Flanagan Trio und Special Guests (Roy Eldridge und Eddie Lockjaw Davis) auf.

 

Sie haben Ella Fitzgerald auch tatsächlich kennen gelernt. Erzählen Sie ein bisschen….

 

Nachdem ich Ella 1974 im Konzert erleben durfte, war ihr nächster Auftritt in Schottland bereits im November 1975. Mit Count Basie und seinem Orchestra. Ich hoffte auf ein Autogramm und stand mit ein paar Blumen am Rande der Bühne. Ich wartete, aber sie kam nicht. Ich traf ihren Fahrer, der mir erzählte, dass Ella in einem nahe gelegenen Hotel noch etwas essen würde. Ich lief durch den Regen zum Hotel und sah sie durch eines der Fenster. Sie sah mich ebenfalls und bat mich ins Restaurant, wo die gesamte Basie Band saß. Sie bot mir ihr Album an und fragte mich, ob ich in der Pause der Show Backstage kommen könnte. Nach dem ersten Set bedankte sie sich bei dem Count Basie Orchester und dem Tommy Flanagan Trio. Dann sagte sie, sie würde sich auch gerne bei einem jungen Fan bedanken, der ihr Blumen gebracht habe. Ich saß auf einem der billigsten Plätze. Plötzlich blendete mich ein kräftiger Scheinwerfer. Ella lud mich ein zu ihr zu kommen. Ich stand auf und meine Beine zitterten während 2.000 Zuschauer auf mich blickten. Ella sang ‚You are the sunshine of my life‘. Das war ein Moment, der mein Leben veränderte. Als ich zu meinem Platz zurückkehrte, lächelte Ella und meinte: "Ist das nicht süß? Er kam zu mir, wo er doch auch zu Elton John hätte gehen können. With fans like that, I could go on forever!“.

 

Ella Fitzgerald sagte auch zu Ihnen, ‚wenn du eine Stimme hast, dann musst du singen‘. Wann haben Sie erkannt, dass der Weg des Jazzsängers Ihr Weg sein würde?

 

Das war Backstage. Ich dachte bei mir, es müsse einfach wundervoll sein, ein solch großes Publikum mit Freude zu erfüllen.

Bereits als Kind war ich begeisterter Musikliebhaber. Ich spielte Schlagzeug und ich sang. Doch nur zu Haus, wenn ich alleine war.

 

Wie sah Ihr Leben als Kind aus?

 

Das war nicht die beste Zeit meines Lebens. Meine Eltern ließen sich scheiden, da war ich gerade zehn.

 

Hat Ihnen der Jazz durch schwere Zeiten geholfen?

 

Sehr! Die Musik wurde mein emotionaler Fluchtweg. Es hört sich klischeehaft an, doch die Musik half mir durch so manche schwere Lebensphase.

 

Wenn Sie vor Publikum singen – was möchten Sie Ihren Zuhörern mitgeben?

 

Kurz nachdem ich meine Gesangskarriere startete (2003), sagte mir ein Konzertveranstalter: „Mit deiner Performance ist das so – das Publikum verlässt das Konzert am Ende glücklicher“.

 

Jazz heute und damals…..

 

Die meisten der Künstler, die ich hörte, von denen ich lernte und die mich inspirierten, sind nicht mehr unter uns.

Doch auch heute gibt es noch einige großartige Künstler: Harry Connick Jr. (speziell seine Fähigkeiten als Arrangeur)… und, wenn auch nicht klassisch Jazz, Randy Newman, Joni Mitchell…… Es gibt einige britische Sänger, die ich wirklich bewundere und mit denen ich auch schon zusammen arbeiten durfte, wie beispielsweise Jacqui Dankworth, Claire Martin und Barb Jungr.

 

Jazz heute – wie sehen Sie die Jazzszene in Deutschland?

 

Wenn ich an den Jazz in Deutschland denke, sehe ich die zeitgenössische Musik. Aber ich habe auch größten Respekt vor den großen Big Bands in Deutschland. Ich freue mich auch unheimlich, dass ich mit Martin Zenker aus Hamburg zusammen arbeiten konnte. Wir waren zusammen in Süd-Korea, Italien, Großbritannien und weiteren großartigen Ländern. Zenker ist nicht nur ein unglaublicher Musiker, er ist auch sehr großzügig mit seiner Energie und seinen Kontakten.

Die Jazzqualität in Deutschland ist weltbekannt und ich freue mich bei zwei deutschen Record Labels unter Vertrag zu sein: Big Band Records and STEM. Mein Big Band Album ‚Evergreen‘ ist gerade erschienen. Ein weiteres heißt ‚Love dot com‘.

 

Ihr erstes Konzert als Jazzsänger….

 

Im Januar 2001, in Henry’s Jazz Keller (Scotland’s best jazz venue).

 

Einige Stationen Ihrer Karriere….

 

Ich wurd gebucht für's Opening der Dionne Warwick Show in Großbritannien 2003. Ich war damals der erste männliche, schottische Sänger, der für das London Jazz Festival gebucht wurde. Danach konnte ich mit vielen hervorragende Sänger gemeinsam auftreten: Jacqui Dankworth, Claire Martin, Barbara Morrison, Clare Teal, Carol Kidd, Barb Jungr, Clairdee, Ian Shaw, Elaine Delmar, Anita Wardell, Juliet Roberts ….. Ich hatte immer das Privileg mit den besten Musikern von Großbritannien, einigen aus den USA, Europa und Süd-Korea arbeiten zu dürfen.

 

Einige Jazzgrößen, die Sie kennen gelernt haben….

 

Ella Fitzgerald, natürlich! Bing Crosby, Rosemary Clooney, Woody Herman, George Shearing, Tony Bennett, Count Basie, Jamie Cullum … um nur einige zu nennen.

 

Ihr Lieblings-Jazz-Song….

 

Das wechselt von Tag zu Tag. Monat zu Monat. Im Moment ist es ein Song von Jerry Leiber und Mike Stoller “A Little White Ship”. Ich spiele den Song als Intro für meine wöchentliche Radioshow „Todd’s Turntable“ (Adore Jazzon 1.FMM, Pure Jazz Radio (USA) und Europe Jazz Radio).

 

Ein Wunsch….

 

Mein Wunsch ist es auf weiteren Jazzfestivals weltweit auftreten zu können. Meine Reise um die halbe Welt zum ausverkauften Kuala Lumpur Jazz Festival war ganz besonders. Die Standing Ovations beeindruckend. Als ich als Teenager in Schottland in meinem Kinderzimmer Sinatra Songs sang – da hätte ich damals nie gedacht, dass mein Weg ein so großartiger werden würde. 

 

 

Herzlichen Dank und alles Liebe! 

 

 

 

 

'Für die Jazzszene wünsche ich mir, dass mehr junge Leute zu dieser phantastischen Musik finden'

 

Prof. Dr. Rolf Martin  

 

 

 

Mit dem Konzert der Pforzheimer Penthouse Jazzband konnten die Besucher im Schloss Köngen einen heiteren Januarabend bei stimmungsvoller und abwechslungsreicher Jazz-Musik verbringen. So startete der Abend mit traditionellem Dixiland Jazz. Im zweiten Set konnten sich die Jazzfreunde an Blues und karibischen Klängen erfreuen um sich im dritten Set den sogenannten 'Schmankerln' hinzugeben. Die Penthouse Jazzband besteht zum größten Teil aus Hobbymusikern, die ihre Leidenschaft für den Jazz über verschiedene Instrumente zum Ausdruck bringen. Seit vielen Jahren fröhnen sie Ihrer Passion und sind gern gesehene Gäste auf den Bühnen der Region.

 

Foto: Marion Graeber - Prof. Dr. Dr. Rolf Martin

Seit dem Jahre 2006 ist auch Prof. Dr. Rolf Martin bei der Penthouse Jazzband mit von der Partie. Martin selbst gehört zu den Gründungsmitgliedern des Jazzclub Schloss Köngen. Gemeinsam mit dem ersten Vorsitzenden, Gerhard Götz gestaltet er das abwechslungsreiche Jazz- und Clubprogramm. "Wir bekommen sehr viele Bewerbungen von Bands und versuchen ein Programm  zu machen, das die verschiedenen Stile des Jazz berücksichtigt", so Martin.

 Doch stehen die Gründungsmitglieder des Jazzclub Schloss Köngen auch gern selbst auf der Bühne. Ob mit ihrer eigenen Band oder als Gastgeber - durch die Verbindung zum Penthouse Jazzband Mitglied, Rolf Martin kribbelte es auch Jazzerkollege, Gerhard Götz in den Musikerfingern. So war es nicht verwunderlich, auch ihn bei einigen Stücken mit auf der heimischen Bühne zu sehen. Und auch bei diesem Konzert lässt sich eine Verbindung zwischen dem Jazz und dem Tango nicht leugnen. Denn mit dem St. Louis Blues durchströmten auch wohlige Tangoklänge die alten Gemäuser des Köngener Schlosses.    

 

 

Interview mit Prof. Dr. Rolf Martin

Von Marion Graeber

31. Januar 2014 

 

 

Wie beschreiben Sie selbst Ihre Leidenschaft für den Jazz?
Etwas blumenreich ausgedrückt: Der Jazz ist mein Leben. Aber es gibt noch andere Dinge, die mir wichtig sind: Meine Familie, meine Freunde, mein Beruf... 

Welche Stilrichtung des Jazz mögen Sie besonders?
Ich habe als 18-jähriger als Banjospieler in einer Dixieland-Band angefangen, später kamen modernere Strömungen. In den 1970er Jahren machte ich Free Jazz mit einer Gruppe, die sich "Jazz Condensation" nannte, dann kam ich wieder zurück zum klassischen Jazz. Heute würde ich sagen: Hauptsache, es swingt. Sehr engagiert bin ich in der Köngener "Muppets Big Band", die Swing und Rockmusik pflegt.

 

 

Foto: Marion Graeber

Hören Sie auch andere Musikrichtungen - Klassik, Pop, Tango?
Ja, ich höre auch Klassik, aber längst nicht in dem Maße wie Jazz. Ich spielte jahrzehntelang Trompete im Posaunenchor und singe im Kirchenchor.
 

 

 

Welche Instrumente spielen Sie? Seit wann?
Es ging los mit Gitarre (ca. 1957), die ich auch heute noch spiele. In den 1960ern kam die Klarinette und Trompete dazu, in den 1970ern der Bass.

Warum fiel Ihre Wahl auf diese Instrumente?
Oh, das war mehr oder weniger Zufall.
 
Erzählen Sie etwas über den Jazzclub Schloss Köngen. Was erwartet die Konzertbesucher? 

 

Wir bieten ein buntes Programm mit vorwiegend traditionellem Jazz. Gelegentlich Ausflüge in sehr moderne Stile kamen bei unserem Stammpublikum nicht sehr gut an. Trotzdem versuchen wir immer wieder die große Bandbreite des Jazz darzustellen. Die Besucher erwartet neben der Musik ein tolles Ambiente im Köngener Schloss.
 

Sie sind seit dem Jahr 2006 Mitglied der Penthouse Jazzband Pforzheim. Wie kam es dazu?


Mit Penthouse-Gitarrist, Peter Maisenbacher spiele ich seit 1999 in der "Lerchenheide Swing Five". Er holte mich gelegentlich als Aushilfe-Bassist nach Pforzheim. Als 2006 der Bassist der Penthouse aus der Band ausschied, wurde ich gefragt, ob ich mitspielen wolle. 

 

 

Einige Stationen der Penthouse Jazzband....

 

Foto: Marion Graeber

 

Die Band spielt meist in der Pforzheimer Gegend. In Pforzheim gibt es viele kulturelle Veranstaltungen der Stadt. Wir spielen einmal im Jahr im Jazzkeller "Bottich". Gelegentlich in der Kirche, im Kulturzentrum Osterfeld ... und so weiter
 

 

 

Sie führen mit vielen Informationen rund um den Jazz durch das Programm. Woher haben Sie Ihr Wissen?


Ich spiele seit 52 Jahren Jazz, da lernt man im Laufe der Zeit etwas. Ich habe einige Bücher über die Musik und die Stücke. Eine tolle Quelle ist heute natürlich das Internet. Da findet man beinahe zu jedem Stück und Musiker Informationen.

Welche Jazzstile hat die Penthouse Jazzband im Repertoire?


Wir spielen im Wesentlichen traditionellen Jazz, das heißt Dixieland, Swing, Latin.
 
Sie schließen Ihre Konzerte immer mit dem gleichen Song? 

 

Ja, traditionell beenden wir unsere Gigs mit dem St. Louis Blues.

Ihre Ziele und Wünsche für den Jazz, die Jazzszene, den Jazz in Köngen und die Penthouse Jazzband... 

 

Für die Szene allgemein und für Köngen im Besonderen wünsche ich, dass mehr junge Leute zu dieser phantastischen Musik finden, so dass sie nicht mit uns Alten zu Grabe getragen wird. Noch ist der Andrang in Köngen groß, aber unser Publikum und viele Musiker sind doch schon in fortgeschrittenem Alter.
Der Penthouse Jazzband wünsche ich viele schöne Gigs, damit wir noch lange miteinander musizieren können. 

 

 

 

 Lieben Dank für das Interview und alles Gute 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 'Das Saxophon ist eine Erweiterung der Stimme und ein, zumindest für mich, sehr körperliches Instrument'

 

Heinrich Fries 

 

 

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Seit dem Jahr 2010 besteht nun das Fries-Nuss-Quartett um den Kölner Saxophonisten, Heinrich Fries und den Ausnahmepianisten, Benyamin Nuss. Ebenfalls mit von der Partie - Bassist, Robert Schulenburg und Drummer, Simon Busch. Alle vier Musiker sind Absolventen der Musikhochschulen Köln, Essen und Maastricht.

 

Die Konzerte der Band sind eigenwillig und vielseitig. Einflüsse aus Klassik, Pop, Live-Techno und freier Musik sind immer auch ein bisschen jazzig. So sind die Musiker stets der Jazztradition verbunden. Die Konzerte sind sympathisch, frisch, jung, überraschend und professionell.  

 

 

 

Interview mit Heinrich Fries

Von Marion Graeber

22. Januar 2013 

 

 

 

Seit wann spielst du Saxophon? 

 

Seid meinem 14ten Lebensjahr (1998) 

 

Warum dieses Instrument?            

 

Ich habe als Kind die Crossover (HipHop/Rock/Funk) Band "Dog eat Dog" auf einem Snowboardfestival gesehen und der Saxophonist hat mich überzeugt. Ich fand den Klang und die Expressivität super. Das wollte ich auch.
             

Wie würdest du dein Saxophonspiel beschreiben? Wie würdest du dich beschreiben? 

 

Mein Saxophonspiel würde ich als impulsiv und energiegeladen beschreiben. Das sind auch zwei Eigenschaften, die mich als Mensch ganz gut beschreiben.           
             

Was liebst du am Saxophon besonders? 

 

Das Saxophon ist quasi eine Erweiterung der Stimme und ein, zumindest für mich, sehr körperliches Instrument. Jedes Gefühl oder jede musikalische Idee, die aus einer bestimmten Emotion erwächst , lässt sich ganz natürlich und unmittelbar ausdrücken.           
Der Variantenreichtum der Tongestaltung ist am Saxophon sehr umfangreich. Saxophon spielen ist dem Singen sehr ähnlich, daher spricht man auch oft vom Saxophon als Verlängerung der Seele. Das fasziniert mich nach wie vor.  Außerdem klingt es einfach geil.


              

Foto: Marion Graeber

 

 

 

Hast du Vorbilder? 

 

Natürlich, wobei ich mich schwer tue zu sagen der/die ist mein Vorbild dem ich nacheifere. Es gibt so unfassbar viele Musiker und unglaublich viel großartige Musik, egal welcher Stilistik. Um mein 20stes Lebensjahr war ich im HipHop-Berreich als MC aktiv und bin heute noch fasziniert von Künstlern, wie Torch, KRS One, Aphroe etc.           
Das Album "Kind of Blue" von Miles Davis ist mir als 16jähriger in die Hände gefallen und hat mich restlos gefesselt.           
Ähnlich begeistert sitze ich heute in der Kölner Philharmonie und höre mir z.B. das Gürzenich Orchester an, das Bartoks "Der Tanz des Mandarin" aufführt aber ich kann gut gemachter Rockmusik wie z.B. Biffy Clyro ebenfalls sehr viel abgewinnen.           
Zeitgenössische Saxophonisten die mich begeistern sind beispielsweise, Dave Liebman, Will Vinson, Chris Potter, Donny Mc Caslin. Die Giganten der Tradition (Coltrane, Rollins, Brecker) sind sowieso für immer faszinierend und eine ständige Inspirationsquelle.           
             

Was bedeutet dir Musik?            

 

Sehr, sehr viel           
             

Mit welcher Musik bist du aufgewachsen? Dein familiärer Hintergrund… 

 

Mein Vater ist klassischer Klavierlehrer/Pianist und spielt außerdem beachtlich Flamenco-Gitarre. Die Musik von Paco de Lucia, Chopin, Debussy, Bach, Beethoven oder Scriabin haben mich als Kind begleitet und waren sozusagen der Soundtrack zum Mittagessen, bevor mein Vater schließlich aus dem Haus ging um zu unterrichten. Meine Mutter ist Malerin und ließ sich durch Musik, z.B. Vivaldis "Vier Jahreszeiten" zu verschiedenen Werken inspirieren. In unserer Drei-Zimmer Hochhauswohnung herrschte ein kulturell ziemlich anregendes Klima.
             

Welche Musikrichtung ist dir die liebste? 

 

Gute Musik

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 


             

Improvisation – wie wichtig ist dir das freie Spiel? 

 

Für mich ist Improvisation die faszinierenste Art zu musizieren und auch der Schwerpunkt unserer Musik. Alles entsteht im Moment, man muss sich komplett auf den Moment einlassen um wirklich etwas zu erschaffen, vor allem als Band. Letztlich muss man seiner Intuition folgen und teilweise führt einen diese an völlig unbekannte Orte und löst zumindest in mir Zustände von Lebendigkeit und, pathetisch gesprochen, Wahrheit aus, die ich im alltäglichen Leben so nicht erlebe. Ein bisschen fühlt es sich an, als würde man sich, grade auch als Band, irgendwo einklinken und über eine Metaebene kommunizieren. Teilweise passieren beim Spielen miteinander völlig selbstverständlich Dinge, die wie tagelang geprobt klingen. Auf eine bizarre Art "weiß" einfach jeder in diesem Moment genau was der andere als nächstes vor hat und alle folgen einer unausgesprochenen, sehr abstrakten und trotzdem intuitiv fühlbaren Idee.           
Das finde ich absolut faszinierend.
             

Du kommst aus der Kölner Musikszene – wie beschreibst du diese? 

 

Die Kölner Musikszene ist ein riesiger Schmelztiegel für Musiker aus der ganzen Republik. Die Musikhochschule als Gravitationszentrum bringt jedes Jahr auf's neue Musiker hervor, die die Szene unaufhörlich beleben und die Musik nach vorne bringen.           
Hier ist immer was los und wenn man will hat man jeden Abend im Jahr Livemusik.           
Die Leute hier sind auch absolut locker drauf und fast jeder, den man anruft hat Lust zu jammen. Super!
             

Möchtest du mit deiner Musik den Jazz auch einem jüngeren Publikum näher bringen? 

 

Das Thema Leben und Tod, welchem sich Benny in seinem aktuellen Kompositionszyklus gewidmet hat, spricht naturgemäß eher ein älteres Publikum an. Ich versuche im Moment in meine neuen Kompositionen Einflüsse aus dem Rockbereich mit einzuweben, nicht um speziell ein junges Publikum zu erreichen, sondern weil mich die Energie fasziniert. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass sich ein junges Publikum davon eher angesprochen fühlt. Stücke wie "Proggy" weisen da ein bisschen den Weg. 

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 


             

Wo und wie beschreibt sich dein Wirkungskreis? Du begleitest auch Lesungen mit deiner Musik? Erzähle.

 

Lesungen begleite ich derart, dass ich beispielsweise einzelne Textteile aufgreife und musikalisch interpretiere und zwar durch freie Improvisationen. Dies geschieht natürlich in Absprache mit dem Lesenden. Ich spiele also nicht während jemand liest sondern in dafür vorgesehenen Pausen nach den entsprechenden Textstellen. Ausstellungen von Bildhauern und Malern interpretiere ich ebenfalls mit freien Inprovisationen. Als Walking Act schaffe ich für einen kurzen Moment die Symbiose zwischen dem optischen und akkustischen Eindruck. Das ist eine sehr reizvolle und kreative Arbeit.
             

Wie entstehen eigene Kompositionen? 

 

Manchmal kommt die Musik zu mir und ich muss sie nur noch aufschreiben . Häufiger setze ich mich aber an's Klavier, höre in mich hinein, suche nach einer Stimmung, einer Farbe  oder einer bestimmten Beleuchtung. Also einer Art innerem Helligkeits- oder Dunkelheitszustand und versuche dadurch ein musikalisches Motiv zu finden das ich ausarbeiten und dem ich folgen kann. Manchmal inspiriert mich auch einfach nur eine rhythmische Idee, die ich so spannend finde, dass ich mich auf die Suche nach den richtigen Tönen mache.           
Auf jeden Fall muss ich mich richtig reinwühlen in die Musik, damit etwas brauchbares rauskommt. Das ist teilweise anstrengend aber auch total spannend und befriedigend, wenn man denn dann zu einem Ergebnis kommt mit dem man zufrieden ist.
             

Was ist deine persönliche Motivation? 

 

Menschen zu begeistern, die Welt zu sehen, einen Beitrag zum Leben zu leisten, hinter dem ich vom Bauchgefühl 100%ig stehe.           
Ich glaube, dass man nur dann einen positiven Einfluss auf seine Umwelt hat und das möchte ich gerne. Natürlich stehe ich hauptsächlich einfach gerne auf der Bühne und mache Musik. Das befriedigt nebenbei auch ein Stück weit mein Geltungsbedürfnis, vor allem aber macht es einfach tierisch viel Spaß!
             

Einige Projekte...            

 

Fries Solo, FNQ, JHZ, Lendgold unplugged und einige Projekte, die keinen Namen haben.
             

Dein Lieblingssong? 

 

Hab ich nicht
             

Ein Wunsch…            

 

Im Sommer besteige ich mit meinem Bruder den Mont Blanc. Ich hoffe, dass dabei alles gut geht.
           
 

Lieben Dank für das schöne Interview.  

Alles Gute!  


 

 

 

 

 

 

 

 

Seine Liebe zum Jazz ist ehrlich, authentisch und einfach berührend

 

Alexander Katz 

Jazz-Posaunist, Bandleader, Arrangeur   

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

Marion Graeber

11. Januar 2014 

 

 

Alexander Katz zählt bereits seit vielen Jahren zu den bekanntesten und markantesten Musikern in der europäischen Jazzszene. Sein Herz und seine Liebe hängen an der Vielfältigkeit des Jazz. Ob als Duo, Trio, Quartett oder als 14 köpfiges Orchester – Alexander Katz bietet ein unglaublich breites Repertoire. Als Bandleader, Arrangeur und Posaunist gründete Katz Bands, wie beispielsweise ‚Alexanders Swingtime Band‘, ‚European Swing Stars‘, 'Louis Armstrong Revival Band‘, ‚Al Cat & The Roaring Tigers‘, ‚Alexanders Swing Machine‘, 'Alexanders March’n Brass‘, 'The Frisco Kings’, ‘New Orleans Rhythm Kings’ und die ‘Alexanders Banjo Band’.

 

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

   

Weit ist er gereist mit seiner Musik und dem festen Glauben an den Jazz. So wurde ihm im Jahre 1995 auch die Ehrenbürgerwürde der Stadt New Orleans verliehen. Wenn Alexander Katz seine Posaune bläst, treffen die perfekt und gefühlvoll platzierten Töne direkt ins Herz seines Publikums. Es ist nicht verwunderlich, dass viele namhafte Stars und Pioniere des Jazz mit Katz auf Tournee gingen oder Schallplatten einspielten.

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 


So schlug der damals 14jährige, junge Alexander Katz, der das Posaunenspiel auf autodidaktischem Weg erlernte, eine Richtung ein, die sein Leben prägte. Bereits mit 16 Jahren gründete er seine erste Jazzband. Seit dem Jahre 1974 steht er als Vollprofi auf der Bühne. Bis heute ist jedes einzelne seiner Konzerte ein Erlebnis. Denn sein Publikum ist dem Musiker wichtig. Mit Informationen aus der Jazzgeschichte verfügt Katz über ein unfassbares Wissen, welches er gerne mit seinen Zuhörern teilt.

 

Seine Konzerte sind informativ aber vor allem eben herzergreifend. Denn mit jedem Ton spürt man, seine Liebe zum Jazz ist ehrlich, authentisch und einfach berührend.  

 

 

Foto: Marion Graeber - Alexander Katz mit seiner Band Al Cat & The Roaring Tigers, mit Tochter Rebecca-Madeleine im Jazzclub Schloss Köngen

 

 

 

 

 

'What a wonderful world'  

'Ich glaube an das Gute.

Die Version von Louis Armstrong fühle ich immer in meinem Herzen'

 

Dizzy Krisch 

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

Dizzy Krisch ist ein Vibraphonist aus Leidenschaft und seine Konzerte besitzen diesen wohligen Charakter. Sein Vibraphon spielt er mit seinem Herzen und auch die Interaktion mit seinem Publikum ist herzlich und geprägt von einer gewissen Leichtigkeit. Sein Talent, sein Können und seine unverwechselbare Art machen ihn, als Musiker und auch als Mensch, zu einem Sympathieträger.   

 

 

 

Interview mit Dizzy Krisch

Von Marion Graeber

9. Dezember 2013  

 

 

Sie sind 1954 in Schramberg geboren. Wie war Ihre Kindheit, wie sind Sie aufgewachsen?  

Ab wann spielte die Musik eine Rolle in Ihrem Leben? Haben Sie Geschwister? 

 

Hatte eine ausgesprochen schöne Kindheit. Natur und Musik spielten eine große Rolle. Meinen ersten Klavierunterricht hatte ich mit sechs Jahren. Mit neun folgten die ersten Konzerte mit den Brüdern Claus und Thomas  im Krisch Junior Quartett.


Ihr Geburtsname ist Martin – wie kam es zu Dizzy?

 

Scheinbar war das Wort 'Dizzy' eines meiner ersten Laute. Das hat meinen Vater, der auch Musiker und Künstler war, an Dizzy Gillespie erinnert. Seither nennt man mich so. 

 

Seit wann spielen Sie Vibraphon? Warum haben Sie sich für dieses Instrument entschieden?

 

Seit meinem neunten Lebensjahr. Es klingt schön, sieht gut aus und es stand bei uns im Haus, da mein Vater auch ein Jazzquartett mit Vibraphon leitete und die Proben des 'Krisch Senior Quartetts' bei uns stattfanden. 

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

Ihr Vater, Franz Krisch gründete eine Kinderband, als Sie neun Jahre alt waren. Wurden Sie musikalisch stets von Ihren Eltern unterstützt? Wie war Ihr Verhältnis? 

 

Immer.  

Ich hatte ein gutes Verhältnis, besonders als Jüngster in der Familie. 

 

Ab welchem Zeitpunkt wussten Sie, dass die Musik Ihr Leben ist?

 

Spätestens nach dem ersten Konzert.  

 

Wie waren die Anfänge? Welche Bühnen bespielten Sie? 

 

Die ersten Auftritte waren in Schulen, Gemeindezentren und auch kirchlichen Einrichtungen. Später wurden wir als "die jüngste Jazzband der Welt" gefeiert und  spielten auch auf den Festivals in Wien, Zürich und anderen Städten. Fernsehauftritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir waren richtige "Wunderkinder".

   

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

1963 – Sie haben Ihr 50jähriges Bühnenjubiläum – Sind Sie glücklich, dieses musikalische Leben zu führen?

 

Ja, unendlich glücklich. Es ist ein großes Privileg.


Was bedeutet Ihnen die Musik? Was bedeutet Ihnen der Jazz?

 

Verständigungs- und Ausdrucksform, Freiheit, Lebensplattform. Im Jazz kommt noch die momentane Improvisation dazu. 

 

Was ist die Besonderheit am Vibraphon? Welche Möglichkeiten haben Sie, sich mit diesem Instrument auszudrücken?

 

Es ist Melodie-, Harmonie- und Schlaginstrument in einem. Die Möglichkeiten, die ich in den vergangenen 50 Jahren erarbeitet und kultiviert habe. 

 

Beschreiben Sie Ihre Art ‚zu spielen‘ 

 

Ich liebe einen "runden, weichen Ton", aus dem sich dann wohl phrasierte Melodiebögen entwickeln.....sollten. Ansonsten spiele ich dieses Instrument mit ganzem Körpereinsatz für alle erdenklichen Nuancierungen... ich glaube, dass ich eher zu den Vibraphonisten gehöre, die lieber weniger als mehr Töne spielen.... Egal welchen Jazz ich spiele: Es muss immer swingen.

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

Wie entstand Ihre Leidenschaft für die Jazzmusik? 

 

Es war von Anfang an die Musik, die ich am meisten gehört habe. Ich bin mit dem Jazz aufgewachsen.  

 

Nennen Sie ein paar markante, musikalische Stationen Ihres Lebens  

 

Mein erstes Klaviervorspiel mit einem Stück von Kabalewsky mit sechs. Mein erstes Konzert im Wiener Konzerthaus mit elf. Meine erste Plattenaufnahme als 16jähriger (inzwischen sind es um die 30 CDs). Meine erste Auslandstournee (Spanien) als 29jähriger. Mein erstes festes Engagement in einer "Fremd"-Band (Claus Stötters Nevertheless) als ich 31 Jahre alt war. Mein erstes gemeinsames Konzert mit meinem Sohn, Anselm mit 46. Mein erstes Konzert im "Mutterland" des Jazz, unter anderem in Chicago, als 54jähriger. Die drei tägige CD-Einspielung meines Orgelprojekts "Des Menschen Seele gleicht dem Wasser.... Reflexionen an der Donau in der Stiftskirche Tübingen, mit 57.  Davor, dazwischen, danach, jeden Moment - des musikalischen Zusammenspiels - der musikalischen Entdeckung - des Freude schenkens mittels Musik.

 

Lionel Hampton meinte, er habe das Spielen des Vibraphons in 15 Minuten erlernt, was sagen Sie dazu?

 

Ich hab's in zehn Minuten geschafft...:-)


Wer gehörte, Ihrer Meinung nach, zu den ‚großen Vibraphonisten‘?

 

Milt Jackson, Bobby Hutcherson, Walt Dickerson 

 

Nennen Sie mir gerne Ihre musikalischen Weggefährten  

 

Meine Brüder, Elmar Schrepfer (dr), Uwe Heitz (dr), Claus Stötter (trp),Dieter Schumacher (dr), Karoline Höfler (b), Susanne Götz (cem), Charly Antolini (dr), Hugo Strasser (cl), Horst Allgaier (org) und viele viele mehr. 

 

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

Welche Songs liegen Ihnen am Herzen?

 

Ich spiele gerne Blues aus den 1950 bis 1960ger Jahren des Jazz. Dann liebe ich Balladen (Nearness of You, Nature Boy, Georgia und viele mehr). Es gibt so viele wunderbare Stücke aus dem großen amerikanischen Songbook, da fällt eine Auswahl schwer. Die eigenen Stücke haben natürlich einen besonderen Bezug. Aber ich liebe auch Chopin, Bach und Messiaen sowie Ausflüge in die experimentellen, zeitgenössischen Improvisationsformen.

 

Auf welchen Bühnen spielen Sie? Gibt es Clubs in denen Sie besonders gerne spielen?

 

Auf allen, die es wollen. Mit Musikern wie Charly Antolini oder Hugo Strasser spiele ich meistens in großen Konzertsälen. In den Jazzclubs gibt es immer eine besondere Atmosphäre und deshalb spiele ich auch gerne in solchen. Dank meiner langen Kariere kenne ich sehr viele davon. Das Publikum ist in jedem Club interessiert und der Musik zugänglich (sonst würden sie nicht in einen Jazzclub gehen). Ansonsten gibt es auch neue Spielorte, in denen es noch vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen wäre Livejazz zu hören. Auch das finde ich gut. Wenn man in einer Kirche oder in einem großen Konzertsaal wie beispielsweise dem Prinzregenten-Theater in München oder dem Kuppelsaal in Hanover spielt, ist man schon sehr fasziniert von der Architektur der Spielstätten und manchmal beschleicht mich auch ein wenig ein ehrfurchtsvolles Gefühl. Aber ich versuche immer, unabhängig vom Ort, für die Zuhörer zu spielen und alles zu geben - egal ob im Konzertsaal oder im kleinen Jazzclub.

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

Wie sehen Sie die Stuttgarter Jazzszene?

 

Stuttgart kann sich glücklich schätzen. Dozenten und Studierende der Hochschule tragen sehr, sehr viel zu einer neuen Szene bei. Die Diskussion über eine Schließung des Jazzstudienganges ist auch deswegen ein Unding, sowie alle geplanten Kürzungen auf diesem Gebiet, auch in Trossingen und Mannheim. Gleichzeitig erhalten sich auch die traditionellen Clubs in der Stadt und tragen so zur Vielfalt in der Jazzszene bei. Der Jazzclub BIX , die Kiste und die JazzHall stehen für die Hauptlokalitäten Aber die wichtigsten Elemente zur Schaffung und Erhaltung einer Jazzszene sind die Menschen, die bereit sind, sich dafür einzusetzen,  in welcher Form und wo auch immer. Die Zusammenarbeit wie beispielsweise zwischen SWR Bigband und Hochschule finde ich super, genauso wie die unermüdliche Arbeit der IG-jazz und anderer, meist ehrenamtlicher Liebhaber und Organisationen dieser Musikform. Die Szene hat deshalb mehr Achtung verdient. Die Qualität der Szene bestimmen aber nur die Musiker selber. Es gibt so viele großartige Jazz-MusikerInnen in dieser Stadt, die es zu halten gilt.

 

Sie leben in Tübingen? Erzählen Sie mir etwas über Ihr Leben dort  

 

Seit 30 Jahren lebe ich nun schon in Tübingen, zusammen mit meiner Frau, der Künstlerin Susanne Höfler. Sie, Ihre Bilder, meine Musik und unser großer Freundes- und Bekanntenkreis machen mein Leben hier sehr schön und bereichern es jeden Tag. Zudem wohnt auch noch unser Sohn, Anselm in Tübingen, mit dem ich mich - wann immer es die Termine zu lassen - gerne zum gemeinsamen Musizieren treffe. Ich habe hier vor fast 30 Jahren den Jazzclub Tübingen e.V. mitbegründet und war über zwei Jahrzehnte lang erster Vorsitzender des selbigen. Ausserdem habe ich die Jazz- und Klassiktage Tübingen mit ins Leben gerufen und habe somit zu allen Jazzinstitutionen und vielen anderen kulturellen Einrichtungen engen Kontakt. Kurzum: Mit Tübingen bin ich fest verwurzelt. 

 

Wenn man schon so lange ein Musikinstrument spielt – wie oft müssen Sie proben?

 

Ich spiele jeden Tag. Entweder Klavier oder Vibraphon. Ich bereite mich auf jedes Konzert speziell vor, auch wenn ich das Programm schon 100 mal gespielt habe.
 

Wie sieht Ihr Tag aus?

 

Jetzt im November : Grau :-)

 

Wie anstrengend ist so ein Clubkonzert?

 

Etwas, eine kleine Spur anstrengender als früher....

 

Lieben Sie Ihr Vibraphon nach 50 Jahren so wie am ersten Tag?

 

Mehr noch!  Wir haben immerhin schon vieles gemeinsam erlebt! .....in all den Jahren; das verbindet......

   

Welche Wünsche und Träume haben Sie?

 

Ich träume von einem noch lange anhaltenden Leben mit einer gesunden und glücklichen Familie und noch vielen Konzerten mit neuen und den alten Musikerkollegen und wünsche mir, dass diese Träume wahr werden.

 

Am Ende eines jeden Konzerts spielen Sie „What a wonderful world“. Warum?  

 

Weil ich an das Gute glaube und weil ich die Version von Louis Armstrong immer in meinem Herzen fühle.

 

 

 

 

 

Herzlichen Dank und alles Liebe

 

 

 

 

 

Der Blaue Reiter – Das Henning Sieverts Quartett vertont Kunst im Kunstmuseum Ravensburg

 

 

 

21. September 2013 

In Kooperation mit Jazztime Ravensburg e.V. fand im Kunstmuseum Ravensburg am Freitag, 20. September, ein Abend für Liebhaber von Kunst und Jazz statt. Vor 100 Jahren revolutionierte die Künstlergruppe "Der Blaue Reiter" die Malerei. Künstler wie Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter bildeten nicht mehr das ab, was sie sahen, sondern das, was sie empfanden. Auf der Suche nach dem inneren Klang ihrer Motive entstanden blaue Pferde und gelbe Kühe. Der Bassist und Jazzmusiker, Henning Sieverts ließ sich von der expressionistischen Malerei inspirieren. Zusammen mit seinem Quartett hat er dreizehn expressionistische Werke akustisch interpretiert und diese im Obergeschoss des neuen Kunstmuseums präsentiert.

 

Henning Sieverts – bass, cello  

Johannes Enders – tenor saxophone, sopran saxophone, bass clarinet, flute

Hugo Siegmeth – tenor saxophone, soprano saxophone, clarinet, flute

Bastian Jütte – drums

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neben dem Jazz sind hier weitere Musikstile und Musikrichtungen zu finden

 

 

 

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Sonntag, 15. Oktober

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