Kunst und Schauspiel




'Tango tanzen ist sehr hohe Kunst'

Karl Kranzkowski


 

 

 

 

Foto: Marion Graeber



Karl Kranzkowski, deutscher Schauspieler, im Jahre 1953 in Drieberg bei Schwerin geboren. Kranzkowski erhielt eine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Roststock. Danach folgten Theaterengagements an verschiedenen Bühnen. Auch war er Ensemblemitglied des Deutschen Theaters in Berlin. Seinen ersten Filmauftritt hatte Karl Kranzkowski bei "Verbotene Liebe". Daraufhin folgten weitere Auftritte in diversen deutschen Fernseh- und Kinoproduktionen. Seit dem Jahr 2009 hat er eine feste Serienrolle in der Krimiserie "Soko Stuttgart". Seit 2014 ist er in der Krankenhausserie "Dr. Klein", ebenfalls in Stuttgart gedreht, zu sehen.



Im Gespräch mit Karl Kranzkowski - SOKO Stuttgart

von Marion Graeber

Juni 2018



Wie sehen Sie Stuttgart als Drehort im Vergleich zu Berlin, Hamburg, München und Köln?

Fragen Sie das als Stuttgarterin? (Lächelt.)


Ja.

Eine großartige Stadt mit großartigen Menschen. (Lächelt.)

Doch. Immer wenn ich in Stuttgart bin, sehe ich, dass es ganz hübsch ist hier.


Sind Sie für Außendreharbeiten ab und zu in der Stadt unterwegs?

Nein, ich bin selten mit dabei an den Tatorten. Aber in der Fußgängerzone und am Schloss hab ich schon mitgedreht.


Sie haben kurze Zeit in Bad Cannstatt gewohnt. Heute sind Sie in Göppingen zuhause.

Ja, in Bad Cannstatt wohnte ich in der König-Karl-Straße. (Lächelt.) Jetzt bin ich gern in Göppingen. Das Klima ist ein bisschen anders. Es ist luftiger. Ein Grad kälter, manchmal auch zwei.


Sie haben auch schon in Ulm gewohnt?

Das stimmt, ich habe am Theater in Ulm gespielt und dort meine Frau kennengelernt. Als wir dann für SOKO Stuttgart in die Landeshauptstadt gezogen sind, hat sich uns die Frage nach einer Wohnung gestellt. Wir wollten ein Haus haben, auch für die Kinder. Das haben wir in Göppingen gefunden.


Sind Sie nicht ab und zu in Ihrer Freizeit in Stuttgart?

Ich hab gar keine Freizeit. (Lacht.)


Wenn Sie dann doch mal Freizeit haben: Sind Sie mehr Stadt- oder Naturmensch?

Das kann ich gar nicht so genau sagen.


Sie wohnen ja quasi am Fuße der Alb...

Das hab ich noch gar nicht so richtig bemerkt. Ich finde die Berge schön, aber ich bin kein Wandersmann. (Lacht.) Ich bin froh, wenn ich meine Ruhe hab.


Gehört zur Ruhe und zur Entspannung für Sie Musik? Was hören Sie für Musik?

Dire Straits. Die Stones. Musik aus meiner Zeit.


Wie ist es mit der Bewegung zur Musik? Tanzen Sie?

Ich bin ein sehr guter Tänzer. (Lacht.)


Mögen Sie den Tango Argentino?

Ich hatte einen sehr guten Freund, einen Argentinier. Er hat mich mal mitgenommen zu einer Milonga. Er konnte den Tango tanzen, das sah toll aus. Das ist schon sehr erotisch. Ich bewundere das, aber ich glaube, ich könnte das nicht. Das ist sehr hohe Kunst.


Wie wichtig ist es Ihnen, Teil eines Serienformates zu sein?

Sehr wichtig. Gerade in der heutigen Zeit ist es für einen Schauspieler sehr schwer, von seinem Beruf leben zu können. Mit SOKO Stuttgart und Dr. Klein bin ich in zwei Serienformaten. Das ist toll.


Würden Sie junge Menschen darin bestärken, den Traumberuf des Schauspielers zu ergreifen? Die Schauspielerei, das hat mit wollen nichts zu tun. Es kommt darauf an, ob man Talent dazu hat.


War die Schauspielerei immer schon Ihr Wunsch, Ihre Leidenschaft?

Hab ich noch nicht darüber nachgedacht. Ich bin durch Zufall zur Schauspielerei gekommen. Ich war auf der Schauspielschule und hab bis dahin nicht einmal ein Theater gesehen. Mir hat das Studium Spaß gemacht. Hab auch Erfolg gehabt, bei dem was ich tat und tue. Ich war auch ein bisschen ein Faxen-Macher, ein Narr und Clown. Das war in der damaligen DDR ganz gut. Da konnte man sich viele Sachen herausnehmen. Dann hieß es nur: "Ja, der ist halt Schauspieler". (Lächelt.)


Wie beschreiben Sie den Charakter, die Rolle des Michael Kaiser?

Er ist ein sehr loyaler Typ. Stellt sich vor seine Truppe. Er ist auf eine Art und Weise auch angepasst an das System. Er ist gradlinig, scheut sich aber auch nicht davor mal den Mund aufzumachen, wenn ihm etwas nicht passt. Und wenn man es sich mit ihm verdirbt, hat man schlechte Karten.


Verstehen Sie sich alle gut im Film, im Team?

Ja, so ist es geschrieben, so soll es sein und so ist es.


Wie viel Kranzkowski ist in Kaiser?

Es ist alles von mir. Es kommt ja aus mir. Es kommt alles aus dem Schauspieler und ist immer ein Teil von ihm. Man kann als Schauspieler all die Sachen machen, die man im Leben vielleicht nicht unbedingt machen kann. Als Schauspieler kann man viele Bereiche ausleben. Ein sehr privilegierter Beruf.


Wie wichtig ist es Ihnen, offen für andere Charaktere und Filmrollen zu sein? Wieviel Zeit haben Sie für andere Projekte?

Ich hab eigentlich Zeit. Es ist so, dass die Bavaria mir bis jetzt alles möglich gemacht hat. Ich werde, wenn ich andere Projekte annehme, aus den Büchern von SOKO Stuttgart geschrieben. Für einen Kinofilm vor zwei Jahren bin ich direkt aus einem ganzen SOKO-Block geschrieben worden.


Wie wichtig ist es für Sie auch andere Rollen zu spielen? Haben Sie Angst, über ein Serienformat in eine Schublade gesteckt zu werden?

Nein, ich habe nicht die Angst in eine Schublade gesteckt zu werden. Aber ich merke, dass ich sehr wohl weniger angefragt werde, da Produktionen denken, ich habe keine Zeit. Doch das stimmt so nicht. Wenn man gut plant, ist vieles machbar.


Reisen Sie eigentlich gerne?

Inzwischen nicht mehr so sehr. Doch aus diesem eingesperrten Land damals, da wollt ich immer raus. Heute reise ich, wenn ich reise, gern in gemäßigte Zonen. Die Kanarischen Inseln beispielsweise. Da ist es nicht zu heiß und nicht zu kalt. (Lächelt.)


Haben Sie einen Lieblingsort in Stuttgart?

Was ich wirklich schön finde, ist der Kurpark in Bad Cannstatt.


Haben Sie ein Lebensmotto?

Wenn ich ein Lebensmotto wählen würde, wäre das wohl "Leben und leben lassen".




Lieben Dank, Herr Kranzkowski für das wirklich tolle Gespräch. Das war sehr schön. Alles Liebe für Sie.









'Das Glück steckt eigentlich doch in jedem Tag, den wir erleben dürfen'

Andrea Sawatzki


Foto: Frank P. Wartenberg/Glampool




Für Gundula (Andea Sawatzi) und Gerald Bundschuh (Axel Milberg) beginnt ein Chaos Abenteuer als ihr Sohn plötzlich verkündet, er wolle in drei Tagen heiraten. Mit "Ihr seid natürlich eingeladen", kommt bereits die dritte ZDF Romanverfilmung der Familie Bundschuhs in die heimischen Wohnzimmer.

"Tief durchatmen, die Familie kommt" (2015)

"Von Erholung war nie die Rede" (2016)


Im Gespräch mit Andrea Sawatzki

von Marion Graeber

April 2018



Sie haben die Bundschuhs erfunden, ihre Geschichte aufgeschrieben. Was hat Sie dazu inspiriert?


Vor den Bundschuhs habe ich einen Psychothriller geschrieben. Das war harter Tobak. Danach hatte ich Lust eine Schwarze Komödie zu schreiben. Welches Thema eignet sich da besser als jenes, das einem sehr vertraut ist. Das 'Frau Sein' in einem bestimmten Alter … um die Fünfzig. Die Angst vor dem Verlust der Attraktivität, unerfüllte Sehnsüchte, verpasste Gelegenheiten, das Gefühl, nichts hundert Prozent geschafft, sondern alles nur bruchstückhaft angerissen zu haben. Was eben auch an einer Familie liegen kann, dem ständigen Zeitmangel. Obwohl Familie haben ja eigentlich das Tollste ist. Ich begann quasi ein Ego zu mir und anderen Frauen zu entwickeln. Gundula Bundschuh. Drumherum brauchte ich eine große Familie aus sehr speziellen Individuen, die immer auftauchen, wenn es gerade am wenigsten passt. Lacht.


Sie organisiert die Leben ihrer Familie. Ist die Filmreihe deshalb so erfolgreich, weil man sich in den Charakteren der Familienmitgliedern wiederfinden kann oder andere Bekannte in ihnen sieht?


Tatsächlich steckt in fast jeder Familie ein kleiner Bundschuh. Ich merke das beispielsweise bei meinen Lesereisen. Manchmal kommen Leute auf mich zu und fragen „woher kennen Sie meine Familie?“. Lacht. Man kann sich als Zuschauer oder Leser wiederfinden. Dinge sind einem vertraut. Manchmal sieht man sich auch selbst. Mir beispielsweise ist Gundula ähnlich, weil sie mein Alter hat. Sie ist wahnsinnig perfektionistisch, schafft aber alles nur zur Hälfte oder hat zumindest das Gefühl, dass sie nichts fertig bringt. Das kenne ich. Lacht. Gundula steckt jedoch im Gegensatz zu mir in einer Art Lebenskrise. Aber das Gefühl kenne ich natürlich auch. Sie schaut auf ihr Leben zurück und findet, dass sie nicht genug geleistet hat.


Sie greifen in Ihren Filmen aktuelle Themen auf.


Das ist mir wichtig. In diesem Teil werden die weltoffenen, toleranten Bundschuhs mit Ausländern konfrontiert. Die können überhaupt kein Deutsch und die Bundschuhs können nicht mal Englisch. Dumm nur, dass die Fremden Braut und Schwiegereltern des Bundschuh-Sohnes Rolfi sind. Da kann man sich nicht einfach aus der Affäre ziehen und die Tür hinter sich zu machen. Wie reagieren unsere Bundschuhs, wenn sie die Ausländer im Wohnzimmer haben und die Sprache nicht verstehen? Wie verhalten sie sich als sie merken, dass sie gar nicht so tolerant, sondern beinah ein bisschen rassistisch sind? Mir macht das großem Spaß, die Familie Bundschuh in solche Situationen zu setzen, so dass sie sich ein bisschen entblößen müssen, ohne es wirklich zu wollen. Eventuell erkennt sich da der ein oder andere Leser oder Zuschauer wieder. Das wäre schön. Also ich zumindest hatte ein paar Momente, bei dem ein oder anderen Bundschuh, die mir sehr vertraut waren.


Sie schreiben bereits an Ihrem vierten Buch rund um die Bundschuhs. Wie lange dauert es im Schnitt, bis ein Roman fertig ist?


Das ist unterschiedlich. Die schwierigste Phase ist die Zeit bevor ich anfangen kann zu schreiben. Wenn ich den Grundgedanken suche oder den Plot. Das hat jetzt beim vierten Buch sehr lang gedauert, weil ich vergangenes Jahr so viel gedreht habe. So habe ich erst vor Kurzem mit dem Schreiben anfangen können. Wir würden auch sehr gerne weiter drehen und ich bin der Ideenlieferant. Lacht.


Was brauchen Sie während des Schreibens? Ruhe? Musik? Wo und wann schreiben Sie?


Ich brauche Ruhe, die ich aber selten habe. Lächelt. Ich schreibe am liebsten zuhause, aber manchmal auch auf Zugfahrten oder auf dem Flughafen. Ich schreibe grundsätzlich mit Ohrstöpseln, um möglichst wenig von außen mitzubekommen. Lacht.


Hatten Sie bei der Verfilmung Einfluss auf die Besetzung Ihrer geschaffenen Charaktere?


Nein. Ich hab natürlich den ein oder anderen Wunsch geäußert, der sich auch bei dem ein oder anderen Schauspieler zum Glück mit dem Wunsch des ZDF und der Produzentin gedeckt hat. Ich bin mit der Gesamtbesetzung so glücklich. Ich finde jede Figur für sich eigenständig merkwürdig und kompliziert. Ich finde das Cast ganz großartig.


Wie war die Begegnung mit den von Ihnen geschaffenen Charakteren im Film?


Ungeheuer spannend. Aber infolge dessen, dass ich beim Schreiben keine Gesichter vor Augen hatte, also ich wusste, wie die Leute sich anziehen, wie sie sich bewegen, was sie für eine Frisur haben, aber der Feinschnitt des Gesichts, der hat mir gefehlt. Das war fantastisch, die Menschen, die ich erfunden habe so vor mir stehen zu sehen. Das war mystisch.


Ihr Mann im Film ist Gerald. Er ist großer Schlagerfan. Was hören Sie privat für Musik?


Ich bin eher so der Rocker. Ich mag auch gerne Soul. Es gibt aber auch moderne Gruppen, die ich mag. Den ein oder anderen Rapper mag ich inzwischen durch unsere Söhne auch – die bringen mich jetzt auch  der heute aktuellen Musik nahe. Das finde ich  spannend.


Haben Sie schon einmal Tango getanzt?


Ja, ich musste mal als Tatort Kommissarin Tango lernen. Da war ich immer in der Tanzschule von Bad Homburg, bei den Europameistern.


Hat es Spaß gemacht?


Ja, sehr. Ein schöner Tanz, aber für mich auch der schwerste Tanz.


Haben Sie ein Lebensmotto?


Ich sage mir immer „Carpe Diem“, oder manchmal sag ich mir auch „Morgen ist auch noch ein Tag“, wenn mal alles schief ging.


Was ist Glück?


Das Glück steckt eigentlich doch in jedem Tag, den wir erleben dürfen. Es ist ein großes Glück, ein Geschenk, dass man überhaupt hier sein darf. Aber am Wichtigsten für mich ist: Glück lässt sich nicht festhalten, deshalb sollte man schöne Momente in aller Form auskosten. Und, was mich manchmal tröstet .. Glück kann man nur empfinden, wenn man auch die dunklen Seiten des Lebens kennt.  





Vielen Dank liebe Fau Sawatzki für das schöne Gespräch



 

 

 

 

Foto: ZDF Britta Krehl







'Ein großes Ziel ist es möglichst viel von der Welt zu sehen'

Maximilian Grill


Foto: Ian Siepmann Baum



Im Gespräch mit Maximilian Grill

von Marion Graeber

April 2018


Familientherapeutin Julia (Oona Devi Liebich) und Pfarrer Tonio (Maximilian Grill) müssen sich zusammenraufen, wenn sie den Menschen in ihrer Heimatgemeinde helfen wollen. Denn die beiden arbeiten gemeinsam in einer Ehe- und Familienberatungsstelle im bayerischen Alpenvorland. Neben Oona Devi Liebich und Maximilian Grill stehen Charlotte Schwab, Simon Böer, Geraldine Raths, Frederik Götz, Klaus Pohl und viele andere vor der Kamera. Regie führt Kathrin Feistl.



Interview


Haben Sie eine Beziehung zum Tango Argentino? Vielleicht tanzen Sie Tango? Der Tango spielt ja auch eine kleine Rolle im Film "Tonio & Julia".

Nein, ich selber tanze nicht Tango. Ich hab es mal in der Schauspielschule gelernt, aber ich habe es nicht fortgeführt. Wobei ich die Musik sehr gerne mag.


Welches Musik Genre mögen Sie generell?

Bei mir bewegt sich das aufgrund meiner 15jährigen Tochter ein bisschen durch alle Genres. Das Konzert, welches ich als letztes besuchte, war das von Liam Gallagher von Oasis. Ein großes Erlebnis.


Sie spielen den Antonio in „Tonio & Julia“. Sie verkörpern einen katholischen Pfarrer. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

„Tonio & Julia“ ist eine Heimatreihe am Donnerstagabend. Wir haben das vergangene Jahr die beiden Filme gedreht, die jetzt im April zu sehen sein werden. Wir produzieren bereits weiter. Vorbereitet hab ich mich durch Lektüre. Ich habe viel von Rainer Maria Schießler gelesen. Ich hatte auch einen tollen Kontakt zum Pfarrer aus Tölz. Er hat mir seine Türen geöffnet und mich nach besten Kräften unterstützt.


Was bedeutet Ihnen Religion?

Glaube bedeutet mir sehr viel. Religion im institutionellen Sinne ist nicht so mein Ding.  


Was ist Ihre Meinung zum Zölibat?

Das ist natürlich wahnsinnig schwierig, schreckt viele junge Leute ab und verführt ja auch zu einer Doppelmoral, weil es vielerorts ja so auch nicht gelebt wird. Ich finde, wenn sich jemand aus eigenen Überzeugungen für das Zölibat entscheidet ist das in Ordnung. Das zu verordnen ist, glaube ich, eine relativ kurzsichtige Sache.


Wie charakterisieren Sie Tonio?

Tonio ist sehr fest in seinem Glauben und er führt seinen Beruf sehr vorbildlich aus. In gewissen Situationen kommt er aber auch immer wieder unter Druck. Er ist ein sehr gewissenhafter und gläubiger Mann, der seine Aufgabe sehr ernst nimmt und sich um eine Gemeinde kümmert, im Sinne dieses Glaubens.


Sie sind in München geboren, wie lange haben Sie in Bayern gelebt?

Ich bin mit 20 Jahren zum Studium nach Leipzig.


Man hört, jetzt wo wir miteinander sprechen, nicht unbedingt einen bayerischen Dialekt bei Ihnen ..

So wie im Film nicht. Aber ich kann's halt. Lacht. Daheim haben wir eine leichte Münchner Färbung gehabt. Es war leicht, diese zu verstärken.


Sie hatten also keine Schwierigkeiten damit?

Überhaupt nicht. Es war eher eine Frage der Bewegung. Ein Pfarrer redet nicht mit jedem gleich. Im Gottesdienst spricht er anders als mit einem Bauern oder auch mit seinem eigenen Vater. Die Sprache ist das Instrument, welches in jeder Figur wichtig ist. Es hat aber auch besonders Spaß gemacht, mal im Heimatdialekt zu spielen. Das hab ich mir schon so lange gewünscht und ich find es wirklich schön.


Wo genau wurden die Filme gedreht?

In Tölz und Umgebung. Am Walchensee und  teilweise auch in München.


Schöne Landschaften sind zu sehen. Hatten Sie vielleicht auch ein bisschen Heimweh?

Ja, ich hatte schon ein bisschen Heimweh. Ist aber auch witzig, so am Anfang sagt man sich „Oh ja, super mal wieder in München“. Wenn man dann aber eine Zeit da ist, dann merkt man auch warum man weg gegangen ist. Ist ja auch eine spezielle Stadt, die sich sehr verändert hat seit meiner Kindheit. Es war sehr schön, wieder dort gewesen zu sein. Heute lebe ich aber gerne in Berlin.


Reisen Sie gerne?

Wir sind wahnsinnig gerne in Portugal. Dort haben wir auch in Kindheitstagen immer wieder gerne Urlaub gemacht. Das ist so eine feste Reisegröße. Generell schauen wir uns aber gerne viel an. Ein großes Ziel ist es möglichst viel von der Welt zu sehen.


Sind Sie Stadt- oder Naturmensch?

Ich lebe in einer großem Stadt. Im Urlaub bin ich auch gern mal nicht in der Natur. Aber wir machen schon auch gerne Städtetrips.


„Tonio & Julia“ ist eine Liebesgeschichte.

Tonio und Julia kennen sich aus der Jugend. Jeder der sich entscheidet Pfarrer zu werden, der war auch mal Jugendlicher. Es gibt immer Verliebtheiten. Wege entwickeln sich auseinander. Hier führen sie wieder zusammen und zwar auf einer beruflichen Ebene. In meiner Figur hab ich einen extremen Lebensweg eingeschlagen. Auf diesem Lebensweg begegnet Tonio Julia wieder und muss prüfen, ob sein Weg der richtige ist. Ich denke das lässt sich so  auf viele Situationen im Leben übertragen.


Tonio hat die Gemeinde übernommen, in der er selbst aufgewachsen ist?

Ja, er übernimmt seine Heimatgemeinde. Das passiert bei echten Pfarrern eher selten. Die werden viel umher geschickt. Ich denke schon, wenn ein Pfarrer seine Heimatgemeinde übernimmt, da muss er sich mit vielen Dingen auseinandersetzen. Bereiche, die nicht nur mit der Kirche zu tun haben. Das Hauptproblem eines Pfarrers ist auch oftmals nicht so sehr das Zölibat, sondern die Einsamkeit. Und das hat meine Figur zum Glück nicht. Er ist nach wie vor in seiner Umgebung, seinem sozialen Netz eingebunden. Ich hab lange Kriminal- und Krankenhausformate gemacht. Ich finde es schön, dass neue Felder entdeckt werden. Gerade mit Psychologie, Glaube, Konfliktlösung, Mediation und Lebenshilfe. Wirklich sehr wichtige Bereiche. Es geht um den friedlichen Umgang miteinander. Um Vergebung. Wahrheit. Um das miteinander reden – ohne das geht gar nichts. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen und die Konflikte, die sich da auftun. Es gibt in jedem Film kleine Anregungen und im Großen auch die Frage, wie das mit Tonio und Julia läuft.


Entscheidungen kann man also immer überdenken?

Ja, das ist ganz wichtig.  


Wie wichtig ist Ihnen soziales Gefüge?

Total wichtig. Das A und O sind Familie und Freunde.


In „Tonio & Julia“ ist Lebenshilfe großes Thema. Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement? Sehr wichtig.


Engagieren Sie sich auch im wahren Leben?

Ich bin nicht fest eingebunden, nehme aber in Berlin und um mich herum immer wieder soziales Engagement wahr. Bin beispielsweise immer wieder bei der Berliner Bahnhofsmission.


Haben Sie ein Lebensmotto?

Nein, lieber nicht. Ich bleib lieber flexibel. Lacht.





Lieben Dank für das schöne Gespräch, Herr Grill.

Alles Liebe





 

Foto: ZDF Erika Hauri


Foto: ZDF Erika Hauri




 

 

 

 

Foto: ZDF Erika Hauri







'Je mehr du reist, desto größer wird die Welt'

Hannes Jaenicke


Foto: Marion Graeber



Nashörner gehören zu den besonders gefährdeten Tierarten. In Afrika wurden laut der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature - IUCN) im Jahr 2015 mehr als 1300 Tiere von Wilderern getötet. Für die ZDF Doku Reihe "Im Einsatz für ... " macht sich der Schauspieler und Umweltschützer, Hannes Jaenicke vor Ort ein Bild von der für die Tiere bedrohlichen Lage. Hannes ist im März für seinen Film nach Kenia gereist. Hier das Interview zum Film.



Im Gespräch mit Hannes Jaenicke

von Marion Graeber

Dezember 2017


Die Doku wirkt anders als die vorherigen, woran liegt das?

Wir haben sowohl das Konzept, als auch das visuelle Design nochmal völlig neu konzipiert. Wir berichten aus der Perspektive des letzten noch lebenden nördlichen Breitmaul-Nashorns.


Das ist richtig toll geworden

Das find ich auch. Schön, dass du das sagst.

Schön zu hören.


Warst du schon oft in Afrika?

Bestimmt dreißig, vierzig Mal. Ich hab aufgehört zu zählen. Das erste Mal war ich mit 28 Jahren dort, jetzt bin ich 57.  


Reist du auch privat nach Afrika?

Eigentlich nur für Drehs. Aber ich hab oft Zeit dran gehängt, nach den Dreharbeiten.  


Wie siehst du das Land? Den Kontinent?

Es gibt Länder in Afrika, die machen erstaunlich gute Politik, sowohl wirtschaftlich, wie auch im Umweltbereich. Kenia und Botswana beispielsweise machen hervorragende Umweltpolitik, dort sind beispielsweise Grosswildjagd und Plastiktüten streng verboten. Es gibt aber auch Länder, die sind korrupt und heruntergewirtschaftet. Südafrika, Simbabwe, um mal zwei zu nennen. Es hängt auch immer vom Wohlstand der Länder ab – je ärmer das Land, um so korrupter, desto weniger Umweltschutz.  


Das passt für Südafrika nicht.

Nein. Südarfika hat unglaubliches Potential, ist aber ebenfalls hochgradig korrupt und hat mit Umwelt und Tierschutz wenig am Hut.


Wie werden die Nashörner geschützt?

Polizisten, Ranger – Je nach Land bewachen schwerst bewaffnete Männer die letzten Rhinos. Das ist eine Methode, es gibt aber noch viele andere.  Kenia hat einen Wildlife Service – die versuchen mit abgerichteten Hunden, gegen Wilderer vor zu gehen. Mit erstaunlichem Erfolg. In Südarfika gibt es eine Organisation, die mit Drohnen gegen die Wilderei vorgeht. Auch mit Erfolg. Viele Afrikaner geben sich wirklich viel Mühe, um ihre Tiere zu schützen, aber im Moment sind Wilderei und Jagd-Lobby einfach mächtiger. Botswana generiert Milliarden aus nachhaltigem Tourismus. Die Leute dort haben verstanden, dass sie am lebenden Tier mehr verdienen als am toten.   Es gibt aber auch Länder, die halten ein totes Tier für schnelles Geld – womit wir wieder bei der Großwildjagd oder Wilderei wären.  


Tierarten sterben aus ….

Ja, und es interessiert einfach niemanden. Unsere Regierungen machen nichts, die Industrie und Verbaucher auch nicht.


Wie soll das Artensterben so gestoppt werden?  Wie sieht es bei dem Problemthema Plastikmüll aus?

Auch da passiert bei uns viel zu wenig. Einzelne Unternehmen, wie beispielsweise REWE oder DM bemühen sich, aber die Politik bleibt absolut untätig. Deutschland ist mittlerweile Europameister beim Müll produzieren. Tierschutz, Ausbeutung .. es gibt so viele Problembereiche .... Die meisten Leute wissen genau, was Massentierhaltung bedeutet und wie es dort zugeht. Trotzdem wird weiter billiges Fleisch gekauft. Es ist ja auch eine Frage der Prioritäten: Deutschland gibt elf Prozent seines Einkommens für Nahrungsmittel aus. Der Italiener das Doppelte. Der Franzose auch. Die fahren dafür günstigere Autos. Wir kaufen die teuersten Handys, TV-Geräte, Luxusartikel – Deutschland kauft die teuersten Küchen, kocht aber prozentual weniger als die europäischen Nachbarn. Dafür gucken wir dann die unzähligen Kochshows im Fernsehen. Abgesehen davon werden rund 50 Prozent der produzierten  Lebensmittel weggeschmissen. Man könnte ja auch einfach weniger  einkaufen. Die Leute wissen ja auch, wo und wie ihre Klamotten gefertigt werden, und unter welchen Umständen. Trotzdem kaufen alle bei KIK, Primark, H&M, Zara, Mango, Hugo Boss etc. Es ist den meisten egal, wie diese Marken produzieren.


Reist du gerne?

Ich bin sehr gern zuhause. (Lächelt.) Vor allem, weil ich beruflich so viel unterwegs bin.  


Wie läuft in Afrika vor Ort die Recherche ab?

Wir sind nach fast 12 Jahren Doku-Dreh so gut verdrahtet, dass wir schnell die Adressen haben, die wir brauchen. Demnächst drehen wir eine Doku über Geparden und wir wissen ziemlich genau an wen wir uns wenden und wo wir drehen können.


Wie groß ist das Produktionsteam?

Das Kernteam sind vier Leute, beim Drehen sind wir zu fünft.


Zum Schutz der Nashörner gibt es Hunde, die auf Wilderer abgerichtet sind. Du hast dich von einem solchen Hund – im Schutzanzug – angreifen lassen. Was war das für ein Gefühl?

Der hat mich sowas von umgebrettert. (Lacht.) Ich will in Kenia definitiv kein Wilderer sein. Da hast du ohne Schutzanzug keine Chance.  


Keine Angst gehabt?

Ich bin kein ängstlicher Mensch.  


Keinerlei Angst vor Tieren?

Es gibt harmlos aussehende Schlangen in Australien, bei denen ich schnell panisch werde. Ich habe eine zeitlang in Australien gelebt. Wer dort im Outback lebt oder gelebt hat  bekommt schnell Respekt vor sehr kleinen, unscheinbaren Tierchen. Ich geh mal davon aus, dass die Karma Theorie stimmt – Ich will den Tieren ja nichts Böses. Im Gegenteil, ich bin mit Haien geschwommen und wurde nicht gebissen. War mit Eisbären, Löwen und Elefanten unterwegs …. Wenn man sich mit Tieren beschäftigt und respektvoll mit ihnen umgeht, dann tun sie einem nichts.  


Gibt es Länder, in die du gerne reisen möchtest?

Ganz viele. Je mehr du reist, desto größer wird die Welt. Es gibt auch in Europa viele wunderschöne Flecken, die ich noch nicht kenne.  


Bekommst du von Menschen eine Rückmeldung auf die Dokus, oder generell auf dein Engagement?

Seitens der Zuschauer und des Publikums sind die Reaktionen meistens großartig. Seitens der Medien sieht das manchmal anders aus, aber das ist mir ehrlich gesagt egal.


Beim Nashorn ist das Horn für viele das Objekt der Begierde. Hauptabnehmer ist Vietnam. Wie erklärst du dir das?

Das Horn findet in der Chinesischen Medizin seine Verwendung und gilt dort bis heute als eine Art traditionelles Wundermittel. Es ist zwar per Gesetz verboten, aber es wird  trotzdem weiter konsumiert. Das Horn hat die gleiche Wirkung wie Nägelkauen. Haare oder Nägel essen hätte exakt den gleichen Effekt, wie das Konsumieren von geriebenem Nashorn.


Bei uns gibt es Gänsestopfleber, Leute essen Austern und wir schmeißen Hummer in  kochend heißes Wasser … Die Schillerlocke ist ein Haiprodukt … Wir sind nicht besser als die Asiaten, wir essen nur was anderes.  


Wie können wir den Blick auf die Tierwelt und die Umwelt ändern?

Das liegt wohl am Bildungssystem. Nachhaltigkeit müsste im Grundgesetz verankert werden und es müsste ein Schulfach sein und zwar ab der ersten Klasse. Es müsste Schul- und Studienfächer geben, die sich nebst Mathe, Wirtschaft, BWL und Jura auch mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz befassen. Und wir müssen aufhören, Tiere als Geldquelle zu sehen.   Es bleibt viel zu tun.  


Liebsten Dank für das schöne, offene Gespräch Hannes!


 

 

 

 

 

 

Foto: ZDF Markus Strobel



Foto: ZDF Markus Strobel


 






Im Gespräch mit Astrid M. Fünderich und Peter Ketnath

'Mein Mann und ich haben eine Zeit lang finnischen Tango getanzt'

'Musik ist wichtiger Bestandteil des Lebens. Ich genieße aber auch oft und ganz bewusst die Stille'

 

Foto: Marion Graeber


  

Im Gespräch mit Astrid M. Fünderich und Peter Ketnath

beim ZDF Pressetag in München.

Im Oktober 2017

Marion Graeber


Über Zivilcourage, Stuttgart, die Schwaben, Autos, den Arbeitsalltag, Entspannung, Musik und Tanz.


München


Peter Ketnath: München ist meine Heimatstadt. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Es ist schön hier. Mit 19 Jahren bin ich für ein gutes Jahr in die USA. Dann bin ich zurück gekommen und hab die Schauspielschule besucht. Nach drei Jahren Schwabing bin ich dann nach Berlin. Jetzt hab ich einen Koffer in Berlin. Lacht.


Und Sie wohnen in Stuttgart

Peter Ketnath: Ja, ich hab in Stuttgart eine Arbeitswohnung.


Wie lange sind Sie in Stuttgart? Wie lange dauern die Drehs?

Peter Ketnath: Jeder Block dauert fünf Wochen. Dazwischen hat man zehn Tage 'frei'. Da werden die neuen Drehbücher vorbereitet. Im Winter hab ich dann zwei Monate Pause. Ich hab allerdings auch schon mal für ein anderes Projekt ausgesetzt.


Da geht’s dann nach Berlin?

Peter Ketnath: Sowohl als auch. Als Schauspieler muss man immer da hin gehen, wo die Projekte sind. Das kann man sich nicht so aussuchen.


Astrid M. Fünderich: Mit einer Serie macht es schon Sinn, dass man am Drehort wohnt. Schließlich drehen wir insgesamt zehn Monate. Lächelt


Wie wichtig ist es Ihnen Teil eines Serienformates zu sein?

Peter Ketnath: Es ist ein Glückszustand. Man hat das sonst nur noch am Theater – dieses 'fest engagiert sein'.


Astrid M. Fünderich: Bei dieser Marktlage würde ich schon sagen, dass dies ein Sechser im Lotto ist. Lächelt. Das Gewerbe ist schon ziemlich hart.


Sie sind extra nach Stuttgart gezogen …

Astrid M. Fünderich: Ja, wir haben vorher in Köln gewohnt.


Kommen Sie gut klar mit den Schwaben?

Astrid M. Fünderich: Ich komme sehr gut klar mit den Schwaben. Es geht ihnen zwar ein gewisser grummeliger Ruf voraus und sie sollen schwer zugänglich sein, aber das kann ich überhaupt nicht bestätigien. Ich empfinde das ganz anders. Ich hab die Schwaben als sehr offen und herzlich empfunden. Von Anfang an. Wir fühlen uns echt wohl.


Wohnen Sie direkt in der City?

Astrid M. Fünderich: Nein, etwas außerhalb.


Und Sie Herr Ketnath?

Ja, ich wohne in der City.


Am Donnerstag, 16. November, 18 Uhr wird die 200ste Folge von Soko Stuttgart, unter dem Titel „Durchgeknallt“, im ZDF ausgestrahlt. Jo kommt zu einem Unfall, wechselt unfreiwillig die Seiten – wird Geisel. Wie war das?

Peter Ketnath: Ich mach das als „Jo Stoll“ ganz bewusst, lass mich mit der Geisel austauschen. Daraufhin befinde ich mich in einer außerordentlichen Situation die außergewöhnliches Fingerspitzengefühl erfordert.


Wie sind Ihre Gedanken in Sachen Zivilcourage?

Peter Ketnath: Ich war noch nie in so einer dramatischen Situation. Musste noch keine Erste Hilfe leisten, geschweige denn war ich Zeuge eines Gewaltverbrechens. Ich denke schon, dass man die Instinkte hat in Notsituationen zu helfen. In den einzelnen Situationen muss man dann abwägen, wie Hilfe aussehen kann – selbst eingreifen. Als Geisel würde ich mich wahrscheinlich nicht austauschen lassen. Ich würde wohl eher versuchen, den Geiselnehmer zu überwältigen oder, in einer gefährlichen Situation, ihn ziehen lassen, um dann aber alle wichtigen Details für die Polizei notiert zu haben. Zivilcourage ist wichtig. Eine der Säulen in der Gesellschaft. In jedem Bereich. Es ist wichtig, dass wir das nicht verlieren.


Astrid M. Fünderich: Ich war selbst auch noch nie in so einer Situation, aber da kann ich nur zustimmen. Zivilcourage ist wahnsinnig wichtig. Ich würde mir mehr davon wünschen. Auch einen größeren Zusammenhalt. Es gibt so viele Beispiele, wo einzelne Menschen anderen in einer Notsituation helfen und dabei selbst zu schaden kommen. Warum ist das so? Warum schließen sich Menschen nicht zusammen, um anderen zu helfen? Das verstehe ich überhaupt nicht. Ich war auch noch nie in der extremen Situation, helfen zu müssen, aber ich hoffe, dass ich das hinbekommen würde. Leute zu motivieren, in der Gemeinschaft, im Zusammenschluss Hilfe zu leisten.  


Hinschauen ist wichtig...

Astrid M. Fünderich: Ja, hinschauen ist wichtig.


Peter Ketnath: Man kann nicht immer erwarten, dass die Anderen das machen. Die Polizei kommt, aber oftmals eben durch Notrufe etwas verzögert.


Wie kann man Zivilcourage stärken?

Peter Ketnath: Schulungen wären wichtig. Was macht man wie in welcher Situation. Die Schule wäre hier ein guter Ort, um Aufklärung und Training anzubieten.


Auch auf dem Schulhof passiert viel.

Peter Ketnath: Ja, in der Schule bekommt man sie auch alle. Es wäre gut diese Themen in den Bildungsplan mit aufzunehmen.


Astrid M. Fünderich: In der Schule das Gemeinschaftsgefühl stärken. Das finde ich wichtig. Es gibt ein Schulprogramm vom Lions Club: Erwachsen werden – Lion's Quest“.  Da geht’s darum seine eigenen Gefühle, und die der Anderen zu erkennen. Gemeinschaft und Zusammenhalt zu leben. Konflikte zu formulieren, gewaltfrei austragen und wenn möglich auch ganz zu vermeiden. Ein tolles Programm, welches von allen Ministerien anerkannt ist. Man könnte das in viel mehr Schulen machen.  


In der Folge „Durchgeknallt“, sieht sich Jo in einer außergewöhnlichen Situation. Sein Porsche ist in Gefahr.

Peter Ketnath: Ja, das geht gar nicht. Das ist echt der Punkt, wo die ganze Situation kippt. Lacht.


Wie ist das für Sie im echten Leben?

Peter Ketnath: Ich fahr nur alte Autos. Lächelt.


Aber auch an denen kann ein Herz hängen

Peter Ketnath: Autos sind eine lustige Spielerei. Fahrbarer Untersatz. Aber man verbringt viel Zeit in seinem Auto und kann durchaus eine Bindung zur Haptik aufbauen. Lächelt.


Astrid M. Fünderich: Mein Auto wird nächstes Jahr 20 Jahre alt und ich hab es schon seit 18 Jahren. Also, ich wäre sehr traurig ohne dieses Auto.


Mein Magazin heißt StuttgarTango. Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

Astrid M. Fünderich: Ein bisschen. Eines unserer beiden Synchronstudios liegt über dem Tangoloft in der Stuttgarter Hackstraße. Ich hab da sogar schon mal ein Programm mitgenommen. Lacht. Mein Mann und ich haben eine Zeit lang mal finnischen Tango getanzt. Da wird ja richtig 'geschwoft'. Auch die Musik ist großartig. Sehr schräg. Lacht.


Hören Sie gerne Musik? Welches Genre?

Astrid M. Fünderich: Ich hab gar nicht wirklich eine Vorliebe für ein bestimmtes Genre. Ich entdecke immer zufällig Interpreten und Künstler und die höre ich dann. Bei den Jazz Open in Stuttgart hab ich Sebastian Studnitzky erlebt. Da kann ich mich im Moment gar nicht satt davon hören. Das ist eine sehr entspannende Musik für mich. Ich kann aber auch Techno hören, oder Klassik.


Kommt es auf die Lebenssituation an? Auf die Stimmung?

Astrid M. Fünderich: Ja, natürlich.


Peter Ketnath: Ich hab gar keine Zeit zum Musik hören. Lacht. Nein. Musik ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Ich bin auch breit aufgestellt, höre Musik je nach Gemütslage. Ich genieße aber auch oft und ganz bewusst die Stille.


Wie entspannen Sie?

Astrid M. Fünderich: Wenn ich es schaffe, versuche ich morgens 40/45 Minuten Sport zu  machen. Laufen und Yoga. Auch Krafttraining. Wenn ich nicht fit bin, mein Sportprogramm nicht machen kann, geht’s mir gar nicht gut. Es ist für mich total notwendig. Ich muss auch draußen sein. Ich brauch die Luft und die Natur.


Wie ist das für Sie?

Peter Ketnath: Vielleicht gar nicht erst stressen lassen, dann ist die Entspannung immer da. Lacht. Bewegung und Luft sind natürlich wichtig. Auch Wasser ist ein tolles Element.


Stuttgart als Drehort

Astrid M. Fünderich: Ich würde mal sagen, dass wir hier mit Soko Stuttgart wirklich eine Initialzündung gegeben haben. Mittlerweile wird in Stuttgart einiges produziert. Stuttgart ist interessant zu filmen. Stuttgart ist eine architektonisch spannende Stadt und hat viel zu bieten.


Peter Ketnath: Stuttgart ist eine starke Region. Finanzkräftig. Und Stuttgart ist noch nicht so abgefilmt, wie beispielsweise München, Berlin oder Köln. Da könnte also gut noch mehr passieren.


Wird Stuttgart unterschätzt?

Peter Ketnath: Ja, ein bisschen. Ich glaube, die Stuttgarter machen sich das Leben manchmal selber schwer indem sie immer nach Berlin und München blicken. Laut CNN ist Stuttgart ja eigentlich die 'Entspannteste Stadt der Welt'.






Foto: ZDF Markus Fenchel




 

 

 

 

Foto: ZDF Markus Fenchel



Lieben Dank für das schöne Gespräch! 







'Ich durfte mal einen Tangolehrer spielen. Da hab ich begriffen, wie unfassbar schwer das ist"

Stephan Luca


 

Foto: Marion Graeber


Architekt Richard Grimus (Stephan Luca) fährt eilig durch Kapstadts Straßen, um zu seinem Geschäftstermin zu kommen: Ein Einkaufszentrum, das er geplant hat, soll endlich in die Bauphase gebracht werden. Doch dabei sieht er erst viel zu spät einen Jungen (Likho Mango), der eilig auf die Straße gerannt kommt. Der kleine Keagan befindet sich auf der Flucht, denn er hat Abalone gefischt – eine seltene Meeresschneckenart, die auf dem Schwarzmarkt ein Vermögen bringt.  Als die Polizei anschließend nach Keagan forscht, deckt Richard den Kleinen und legt damit das Fundament zu einer ungewöhnlichen und gleichzeitig schwierigen Freundschaft. ZDF - Sonntag, 15. Oktober, 20.15 Uhr





Im Gespräch mit Stephan Luca

Marion Graeber

Im September 2017



Wann fand der Dreh zu „Kleiner Junge, großer Freund“ statt?

Ich war in den Monaten Februar und März in Kapstadt. Ich hatte eine Vorbereitungszeit und bin auch nach dem Dreh noch länger in Südafrika geblieben.


Was war das für eine Vorbereitungsphase?

Ich bin zehn Tage früher nach Südafrika geflogen. Ich hab den kleinen Jungen, Likho Mango kennen gelernt. Das war auch für den Film sehr entscheidend. Für die Geschichte. Wir haben eine schöne Bindung aufgebaut. Da entsteht ja auch was, wenn man Zeit miteinander verbringt. Länger geblieben bin ich, weil ich noch ein bisschen gereist bin. Ich war dann also insgesamt zwei Monate dort.


Wie war das mit Likho zu spielen?

Likho ist großartig. Ein ganz toller Junge. Er wurde über ein englisches Management und Castbüro in England gecastet. Er hatte noch keine so große Rolle. Kommt aus dem Township. Man merkte schnell, die Dinge, die Likho macht sind authentisch. Das ist unglaublich. Ein Beispiel, ganz gleich, wo wir waren, er hat sich in den Pausen immer hingesetzt. Man selbst fragt sich, o.k., wo ist ein Stuhl, wo könnte man gut sitzen … Likho setzte sich einfach hin. An Ort und Stelle. Lächelt.


Wie haben Sie sich untereinander verständigt?

Wir haben alle Englisch gesprochen. Das galt am Set. Wir haben mit einem großen südafrikanischen Team gearbeitet. Vom deutschen Team waren nur Regie, Kamera, Tanja Wedhorn und ich.


Wie war die Zusammenarbeit?

Die größte Sprachkombination hatten wir damals beim Dreh zu „Störtebeker“. Lacht. Wir haben in Litauen gedreht und, ich glaube, sechs Sprachen am Set gesprochen. Das war kunterbunt. Beim Dreh in Südafrika war unsere Setsprache auf Englisch. Ich hatte allerdings ein englisches und deutsches Drehbuch. Bei der Probe hab ich dann in englischer Sprache gespielt, um es auch für Likho einfacher zu gestalten. Beim tatsächlichen Dreh spielte dann jeder in seiner Sprache.


Oftmals braucht es keine Sprache, um sich zu verstehen

Das stimmt. Es ist auch eine Gefühlssache.


Wie würden Sie Ihre Rolle, Richard Grimus, charakterisieren?

Richard ist ein Workaholic. Von seiner Arbeit als Architekt getrieben. Sein Job führt ihn rund um die Welt und in dem was er tut, geht er voll und ganz auf. Sein Job steht für ihn an erster Stelle. Die menschliche Komponente, spricht man ihm nicht so sehr zu. Das ist die Fallhöhe, wo er sich als Figur befindet.


Wie sieht es mit seiner sozialen Kompetenz aus?

Das ist das Schöne an der Figur. Der Kern. Die Figur, dieser Mensch, kann sich verändern und verändert sich während der Geschichte. Anfangs stehen rein die geschäftlichen Belange in seinem Mittelpunkt. Doch plötzlich fängt er an sich mit dem Innenleben der Menschen zu befassen. Er denkt über die Menschen nach, für die er Gebäude plant und baut. Das fehlt ihm bis dahin. Sein Blick verändert sich. Diese Metapher finde ich gut – Der Architekt Richard, der über die Menschen nachdenkt, für die er baut.


Sie lernen im Film Keagan (Likho Mango) durch einen Unfall kennen. Fühlen sich verantwortlich. Werden unwillkürlich in das Leben des Jungen mit einbezogen. Was für eine Erfahrung war das?

Die Szenen im Township, die waren schon sehr besonders mit ihm. Die Familie von Likho wohnt inzwischen in einem Haus, ähnlich diesem, welches wir bespielt haben. Aber es ist Township. Realität und fiktive Geschichte überlagern sich. Likho ist ein grandioser kleiner, großer Junge. Südafrika ist bunt. Gerade auch Kapstadt. Kunstwerke sind quasi an Hauswänden. Ja, viele Gebiete entwickeln sich. Sind plötzlich hipp. Vergleichbar mit dem Meatpacking District in New York. Doch es sind zwei Welten. Du siehst Menschen am Straßenrand schlafen. Die Townships sind nah. Keagan muss sich irgendwie in seiner Welt durchschlagen. Da bleiben kriminelle Handlungen oft nicht aus. Er dealt mit Meeresschnecken.


Haben Sie diese Meeresschnecken auch mal probiert?

Es gibt eine Szene in einem Abalone Restaurant – dieses uralte und bekannte Restaurant wird es demnächst nicht mehr geben.   Die Meeresschnecken sind wahnsinnig teuer. Ich esse gern Fisch, aber die Meeresschnecken hab ich nicht probiert. Ist nicht so ganz meins. Lacht.


Sie waren schon mehrfach für einen Film in Afrika …

Ja, das ist das dritte Projekt in Südafrika. „Im Brautkleid durch Afrika“ und auch „Super-Dad“ spielten vor Ort. Nach jeder Produktion hab ich mir noch das Land angesehen. Ich reise gerne, wenn es zeitlich geht. Die Drehtage sind sehr eng und dann ist man bei dem Projekt sehr konzentriert. Wir kommen ja auch für den Dreh an atemberaubende Spots. Manchmal aber auch zu schmutzigen Hinterhöfen. Orte, die Touristen oftmals verborgen bleiben. Aber es ist sehr reizvoll für mich, bei Drehs im Ausland und auch in Städten, die ich nicht kenne. Ich schau mir gerne Land und Leute an, das interessiert mich schon sehr.


Sie sind sehr sportlich. Haben in diesem Sommer am Hamburger Ironman teilgenommen. Möcht Ihnen gern noch dazu gratulieren. Wie bauen Sie Ihren Sport auf Reisen ein? Das Wasser ist in Südafrika sehr kalt.

Ja, lacht, man muss mit einem Neopren Anzug ins Meer. Hab ich auch mal gemacht und war dann also mit einem Surfbrett unterwegs. Ich hab auch immer sehr gerne meine Laufschuhe mit dabei. Beim Laufen kann man so gut den Kopf ausschalten. Man kann herrlich laufen dort. Es gibt zwar keine richtigen Laufstrecken, man läuft mehr oder weniger oft am Straßenrand. Aber es ist einfach schön. Mit dem Rad war ich auch unterwegs.


Welche Disziplin ist Ihnen beim Triathlon die liebste? 

Schwimmen. Ich bin ja quasi als Schwimmer groß geworden. Das ist für mich im Verhältnis die schnellste und die einfachste Disziplin. Die meisten Triathleten kommen vom Radfahren oder vom Laufen.


Wie verläuft so ein Drehtag?

Man bleibt während den Drehtagen schon sehr konzentriert. Wir machen zwischendurch aber auch gerne Scherze. Ich mag das gerne. Das ist wichtig. Auch fürs Team. Diese Zeit muss immer auch da sein. Drehtage sind immer lange. Tagszenen, Nachtszenen. Auch Schwierigkeiten gibt es an so einem Drehtag genügend. Wetterwechsel, spezielle Lichtverhältnisse nutzen .. und manchmal ist es auch der Mensch an sich. Wir mussten gerade bei diesem Dreh zwei Tage wegen Magen-Darm-Grippe unterbrechen.


Hat es Sie auch erwischt?

Nein, zum Glück nicht.


Sie haben im Film so ein schönes, selbstgemachtes Armband von Keagan geschenkt bekommen. Haben Sie das noch?

Leider hab ich das nicht mehr. Hab das ganze Kostüm dort gelassen. Das Band hat gerade so die Drehtage durchgehalten. Lächelt.  


Lieben Dank für das wundervolle Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut, Sie heute persönlich in Hamburg kennen gelernt zu haben, nachdem wir vor drei Jahren bereits ein Telefoninterview führten. Dankeschön.



Foto: ZDF Anika Molnár



 

 

 

 

Foto: ZDF Anika Molnár





'Ich bin ein grosser Fan vom Tango Argentino. Der Tanz ist kraftvoll und weich zugleich'

Kai Schumann


Foto: Nadja Klier, Hannes Casper


Als 'Heldt' ermittelt Kai Schumann wieder als Bochumer Komissar Nikolas Heldt in 18 neuen Folgen der Krimi-Comedy. Im Präsidium geht es drunter und drüber: Ausgerechnet Heldt lässt sich Falschgeld andrehen. Seine heimliche Liebe, Staatsanwältin Ellen Bannenberg (Janine Kunze), entschließt sich, eine Stelle in Passau anzunehmen, und sein Chef, Hauptkommissar Grün (Timo Dierkes), rutscht in die Midlife Crisis. Als allerdings die Profilerin Julia Tietz (Ina Paule Klink) das Team der Kripo Bochum bereichert, wendet sich das Blatt und Heldt lernt eine Frau kennen, mit der sich Liebe endllich mal leicht anfühlen könnte. 


Im Gespräch mit Kai Schumann

Im September 2017

Marion Graeber



Hallo Herr Schumann, ich freu mich, dass Sie Zeit für mich haben und wir miteinander telefonieren können. Wo sind Sie gerade?

Wir drehen im Moment für 'Heldt'. Lacht. Wir drehen bereits an der sechsten Staffel. Eine Doppelfolge in Anlehnung an „Eine Leiche zum Dessert'.


Dann sind Sie im Moment in Köln?

Ja, ich bin gerade in der Nähe von Köln. Sie erwischen mich in meiner Drehpause.


Eigentlich wohnen Sie in Hamburg. Stimmt das?

Genau. Wenn ich arbeite bin ich aber immer dort, wo ich drehe. Mein Beruf ist ein Zigeunerberuf. Manchmal fällt es mir sogar schwer, die Frage nach meinem Wohnort zu beantworten. Lacht.


Das macht das Leben interessanter

Das stimmt


Was hat Sie denn am Drehbuch zu 'Heldt' gereizt?

Heldt hat das Herz am rechten Fleck. Er ist für Gerechtigkeit. Sorgt für Recht und Ordnung, ohne den starren disziplinarischen Regeln des Systems zu verfallen. Zudem ist er ein wilder, lustiger und liebevoller Mensch. Einer mit einem interessanten Charakter. Er ist ein Held unserer Zeit. Einer der viele Fehler macht. Er ist ein fehlbarer Held mit einer großen Liebe für die Menschen.


Wie viel Kai Schumann ist in Nikolas Heldt?

Nur die guten Seiten natürlich. Lacht. Wir sind uns schon ähnlich. In kleinen Momenten muss ich auch mal schmunzeln, wenn ich die Figur anschaue und mich tatsächlich selber darin sehe. Aber es ist ja auch so, dass man jede Figur, die man spielt auch zu seiner eigenen macht. Wir haben alle Anteile in uns. Nur unterschiedlich ausgeprägt.


Ist 'Heldt' auch ein bisschen 'Schimanski'?

Das ist der Vergleich von Journalisten und Zuschauern. Doch mit Schimanski kann man nichts vergleichen. Götz George ist der unangefochtene Gott dieses Genres, einer der Größten der vergangenen Zeit. Ich würde mich niemals mit ihm vergleichen.


Die Themen in 'Heldt' sind aktuelle. Welches Publikum ist Ihre Zielgruppe?

Ich hoffe, dass ich mit meinem Spiel ein breites Spektrum durch alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen erreiche. Ich glaube die Menschen sehen den Heldt gerne. Es geht nicht so brutal bei uns zu. Es passiert so gut wie nie ein Mord. Wir versuchen mit so wenig wie möglich Gewalt zu arbeiten. Und das machen wir ganz bewusst so. Wichtig ist es uns, die Menschen zu verstehen. Die menschlichen Abgründe zu erforschen. Einfach mal zuhören. Heldt kann gut zuhören.


Wie entspannen Sie nach stressigen Drehphasen?

Am besten entspanne ich durch das Nichtstun. Lacht. Ich geh schon auch gerne mal tanzen. Ich reise auch hin und wieder gerne. Aber ich bin auch total gerne zu Hause, da ich ja mit meinem Beruf schon so viel unterwegs bin.


Sie erwähnten gerade, dass Sie auch gerne mal tanzen gehen. Gefällt Ihnen der Tango Argentino?

Ich bin ein großer Fan vom Tango. Ich finde das so beeindruckend. Die Grazie der Bewegungen. Der Tanz ist kraftvoll und weich zugleich. Ich habe in der Schauspielschule Tango getanzt, danach hab ich das leider nie wieder verfolgen können. Leider. Aber meine Freundin tanzt sehr gerne. Wir wollen uns schon lange mal wieder dem Tanz widmen.  


Wie ist das mit der Musik? Was hören Sie gerne?

Ich höre meistens elektronische Musik. Ich bin ein Kind der 1990er, mit Techno und House aufgewachsen.


Haben Sie einen Wunsch für sich oder die Welt?

Frieden. Immer wieder nur Frieden. Dass alle Waffen von der Welt verschwinden und die Menschen in Frieden und Gleichberechtigung leben können. Frei, fröhlich und ohne Unterdrückung.



Lieben Dank, Herr Schumann. Das war ein sehr schönes Gespräch. Alles Liebe


 

Foto: ZDF Frank Dicks






'Der Tango ist für mich einer der faszinierendsten Tänze die ich kenne, wunderschön und emotional'

Matthias Koeberlin


Foto: ZDF Daniela Incoronato


Hauptkommissar Robert Marthaler von der Frankfurter Mordkommission wird fast gleichzeitig mit zwei Fällen konfrontiert. In einem Hotelzimmer im Bahnhofsviertel wird die Leiche einer Unbekannten gefunden. Sie wurde mit einem speziellen Schuss ins Auge brutal getötet. Zufall oder symbolischer Akt? Bevor Marthaler und der Forensiker Carlo Sabato von der Spurensicherung weitere Abklärungen machen können, tauchen der arrogante LKA-Beamte Axel Rotteck und sein junger Kollege Daniel Fichtner am Tatort auf und nehmen Marthaler den Mordfall ohne Angabe von Gründen aus der Hand. Charlotte von Wangenheim, die neue Chefin der Mordkommission bestätigt Marthaler und seinem Team, dass sie keinerlei Befugnis haben weiter zu ermitteln. Stattdessen soll Marthaler den plötzlichen Tod eines hessischen Landtagsabgeordneten untersuchen.

'Kommissar Marthaler - Die Sterntaler-Verschwörung'



Im Gespräch mit Matthias Koeberlin

Im September 2017

Marion Graeber


Was bedeutet Ihnen die Rolle des Kommissars Robert Marthaler, seit wann verkörpern Sie diese und wie charakterisieren Sie Ihre Rolle? Wie viel Matthias Koeberlin ist in Robert Marthaler? 


Mit der Figur Robert Marthaler wurde mir vor fünf Jahren die Möglichkeit gegeben einer äußerst spannenden Romanfigur ein Gesicht zu geben und Leben einzuhauchen. Ein Kommissar, der eigenbrötlerisch, stur und aufbrausend sein kann, der sich bis zur Selbstaufgabe in die zu lösenden Verbrechen stürzt und weder sich noch seine Mitmenschen schont. Marthaler ist ein positiv Besessener, der unter einer harten Schale seinen weichen Kern versteckt. Diese Zerrissenheit fand ich spannend.


Was ist, Ihrer Meinung nach, die Faszination am Krimi? 


Ich denke, dass das Böse eine vergleichbare Faszination, wie das Gute bei vielen Menschen hervorruft. Was bringt einen Menschen dazu, einen anderen umzubringen? Erkennt man das Böse im Gesicht eines Menschen? Die Tatsache, dass es uns schwer fällt eine Erklärung dafür zu finden, weshalb ein Mensch zu Taten fähig ist, die unbegreiflich erscheinen, birgt eine große Faszination und eine ungläubige Neugier das Böse zu verstehen. Ich denke, dass diese Faszination zutiefst menschlich ist.


Im Krimi geht es immer um Leben und Tod. Was ist Ihnen im Leben wichtig? 

Die gleichen Dinge, wie vielen anderen auch. Gesundheit, eine glückliche Familie, Freundschaften und das Gefühl sich in all diesen Irrsinn, der uns tagtäglich begegnet, treu zu bleiben und Glück zu empfinden.


Wie und wo tanken Sie persönlich Kraft?

Indem ich meine freie Zeit mit Familie und Freunden verbringen und mich Dingen widmen kann, die mich abseits meiner beruflichen Arbeit auch interessieren und für die oft zu wenig Zeit bleibt.


Hilft Ihnen Musik zur Entspannung? Welches Genre? 

Musik ist mein ständiger Begleiter. Da ich selbst immer Musik gemacht habe, umgibt sie mich auch in allen Lebenslagen. Musik brauche ich zum Abschalten, um mich zu motivieren, um die ganze Bandbreite der Emotionen zu untermalen oder abzufedern. Sie muss ein Gefühl transportieren. Das Genre spielt dann keine Rolle.


Mein Magazin heißt StuttgarTango. Darf ich Sie fragen, ob Sie Berührungspunkte zum Tango Argentino haben? 

Leider nein. Der Tango ist für mich einer der faszinierendsten Tänze, die ich kenne, wunderschön und emotional. Ich beschränke mich auf das Zuschauen und staunen und weniger auf das eigene Probieren. (lacht)


Haben Sie ein Lebensmotto? 

Ein wirkliches Motto habe ich nicht, aber ein großes Vertrauen in die Kraft der Toleranz, des Respekts und des Humors.




Vielen Dank, Herr Koeberlin



 

 

 

 

Foto: ZDF Daniela Incoronato


Foto: ZDF Daniela Incoronato






'Der Tango, der steht noch auf meiner Liste'

Chiara Schoras


Foto: ZDF Britta Krehl



Pubertät ist, wenn man trotzdem lacht. Die Pubertät - irgendwann trifft sie jeden. Wenn man mittendrin steckt in diesem hormonellen Chaos, erscheint einem die ganze Welt verrückt. Die eigenen bis dahin heiß geliebten Eltern mutieren zu peinlichen Wesen. Tja, und Eltern erscheinen die eigenen Kinder plötzlich als Monster.

Sechs Folgen "Das Pubertier - Die Serie", ab Donnerstag, 7. September, 20.15 Uhr



Im Gespräch mit Chiara Schoras

Im August 2017

Marion Graeber


Bald gibt es sechs Folgen „Das Pubertier“ im ZDF zu sehen. Wann hat dieses Projekt für Sie begonnen?

Wir haben im März dieses Jahres angefangen zu drehen.


Wie lange hat es gedauert bis alles abgedreht war?

Wir haben bis Ende Mai gedreht.


Die Serie spielt in Berlin?

Genau.


Also quasi vor Ihrer Haustüre ...

Ja, yippie yeah. Lacht. Ich bin vor 14 Jahren nach Berlin gezogen, weil ich damals ausschließlich jedes Projekt in der Hauptstadt gemacht habe. Als ich dann hier war, habe ich keinen einzigen Film mehr in Berlin gedreht. Erst im vergangenen Jahr ging es dann wieder los. Ein sehr schönes  ZDFneo-Projekt.


Ist ein Filmdreh in der Stadt in der man wohnt einfacher in den Alltag zu integrieren? Natürlich,  man dreht und kommt abends nach Hause. Auf diese Weise kann ein normaler Alltag stattfinden.


Sie haben eine 16jährige Tochter. Wie ist das mit der Pubertät bei Ihnen zuhause?

Wir sind aus dem Gröbsten raus. Lacht. Allerdings sind wir wirklich sehr entspannt durch diese Zeit der Pubertät gegangen. Wir haben viel miteinander kommuniziert, was sehr hilfreich war. Auch in unserer Serie gehen die Eltern relativ entspannt mit dem Thema um. Jan Maybacher, von Pasquale Aleardi gespielt, versucht alles gut und richtig zu machen. Er erkennt, dass seine Tochter zu einer Frau heranwächst. Er hat Angst, seinen Status zu verlieren. Bei Problemen nicht mehr gefragt zu sein.   In der Pubertät spielen die Hormone eben verrückt. Wir stellen fest, dass unsere Eltern doch nicht so perfekt sind. Nicht alles wissen. Das Bild unserer Eltern bröckelt. Es stellen sich Fragen, wie: 'Wer bin ich', 'wer sind wir'. Die Identitätskrise ist in vollem Gange. Ich finde in unserer Serie wird das sehr schön dargestellt, diese Angst, diese Schwierigkeiten zuzulassen. Carla Maybacher, von mir gespielt, geht ganz geschmeidig damit um. Sie kann sich auch gut in ihre Tochter hineinversetzen, weil sie ja selber eine Frau ist. Ich finde es schön, dass wir eine Familie darstellen, die nicht immer sofort auf Konfrontation geht. Jan und Carla zeigen, dass man mit den Schwierigkeiten in der Pubertät auch anders umgehen kann. Humorvoll. Bejahend. Es ist ja bekannt, wenn wir draufdrücken, unsere Kinder unter Druck setzen, suchen sie das Weite. Unsere Aufgabe als Eltern ist es doch, das auszuhalten. Wir dürfen nicht vergessen, dass uns unsere Kinder brauchen. Die Pubertiere befinden sich ja in einer schwierigen Phase.


Andere Kulturen, Menschen lassen uns oft unser eigenes Leben von einem anderen Standpunkt aus betrachten. Reisen öffnet uns die Welt. Reisen Sie gerne?

Ja, absolut. Wir sind ja nicht nur ein deutscher Haushalt, sondern auch ein italienischer. Ich bin selbst in zwei Kulturen aufgewachsen. Meine Mutter ist Italienerin. Wir haben viel Zeit in Italien verbracht. Das ist meine Geschichte – und meine Tochter mittendrin. Ich finde es tatsächlich auch wichtig, mit Kindern zu reisen. Ihnen andere Kulturen zu zeigen. Ihnen zu erklären, dass die Dinge in anderen Ländern und Kulturen anders funktionieren. Man hilft ihnen damit. Man bringt sie auch ein bisschen weg von ihren eigenen Problemen. Wenn wir unterwegs sind, weitet sich unser Blick. Das verschafft uns einen Abstand zu unseren eigenen Problemen.


Sie tanzen und machen Musik. Welche Rolle spielte die Musik in Ihrer Pubertät?

Eine sehr wichtige. Ich komme aus einem sehr musikalischen Haushalt. Meine Mutter hat schon mit fünf Jahren angefangen zu singen. Meine Cousinen und Cousins sind Songwriter. Musik war schon immer ein großer Bestandteil meines Lebens. Mit zwölf Jahren hab ich meine erste Jazzplatte geschenkt bekommen. Billie Holiday. Das war wow. Was total Neues. Meine Mutter hat mir diese Liebe zur Musik mitgegeben. Gerade in der Pubertät ist man so emotional. Da habe ich mich in der Musik von Billie Holiday gefunden.  


Wie haben Sie Ihre Drehpausen verbracht?

In unseren Drehpausen haben wir tatsächlich gesungen. Pasquale ist ja auch Musiker. Musik ist grundsätzlich Medizin.


Mein Magazin heißt StuttgartTango. Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino? Leider nicht. Der Tango, der steht noch auf meiner Liste. Lächelt. Tango ist so ein sinnlicher Tanz. Emotional. Schön. Dieses gemeinsame schwingen. Aufeinander aufpassen. Sich gemeinsam auffangen. Sich der Musik hingeben. Einer der schönsten Tänze, die es gibt. Auch die Musik berührt mich irrsinnig.    


Haben Sie ein Lebensmotto? Ich glaube es gibt etwas, was mich immer begleitet hat und das ist die Neugier. Neugierig zu sein, so offen wie möglich in Situationen zu gehen, das ist immer noch etwas was mich leitet und berührt.


Vielen Dank für das schöne Gespräch Frau Schoras. Alles Liebe.  





 

 

 

 

Foto: ZDF Britta Krehl



Foto: ZDF Britta Krehl








'Astor Piazzolla hör ich sehr gerne'

Michael Kessler


Pressefoto




Michael Kessler in „Sitzheizung gibt’s nicht“, ab 10. August, 22.15 Uhr zdf neo


Im Gespräch mit Michael Kessler

Juli 2017

Marion Graeber


 


Ihre Sendung startet am 10. August auf zdf neo. Wann wurden die Folgen gedreht?

Ich hab schon einige abgedreht. Ich war auch in Stuttgart. Hugo Egon Balder fuhr mit mir mit. Er spielte ja gerade Theater in Stuttgart.


Die Folgen sind also nicht nur in Berlin gedreht?

Nein, in der ganzen Bundesrepublik. Neben Berlin, beispielsweise in Hamburg, Köln und Stuttgart. Da wo die Prominenten sind, da komm ich hin. Lacht.


Man bekommt bei „Sitzheizung gibt’s nicht“, nicht nur Einblicke ins Leben Ihrer Mitfahrgäste, sondern erlebt auch eine kleine Stadtrundfahrt. Sie besuchen beispielsweise Restaurants oder auch mal einen Schuhladen.

Ja, mit Annette Frier war ich in einem Schuhladen. In Stuttgart gehen wir in die Markthalle.  


Stuttgart von der schönsten Seite?

Ja, klar, wir gehen auch Spätzle essen. Lacht.


Wie lange dauern die Folgen, wie lange wird gedreht?

Eine Folge dauert 30 Minuten. In jeder Folge werden zwei Gäste stattfinden. Also für jeden Gast so 15 Minuten. Ich finde das muss schnell und knackig sein. Dafür drehen wir allerdings relativ lang. Nämlich so drei bis vier Stunden mit nur einem Gast. Der weiß übrigens auch nie, mit welchem Auto ich komme und er weiß auch nicht, wo ich mit ihm hinfahre. Er steht irgendwo an einer Ecke und weiß nur, der Kessler kommt gleich und holt mich ab. Mehr weiß er nicht. Ja, und dann kommt der Kessler um die Ecke und die ersten Lacher sind schon vorprogrammiert, wenn mich meine Mitfahrgäste mit dem entsprechenden Auto sehen.


Ist die Tour festgelegt, hat mit dem Gast zu tun?

Ja, wir brauchen ja auch eine Drehgenehmigung und Parkplätze. Aber das Spannende ist bei der Sendung, dass es durchläuft. Wir haben die Kameras in den Autos und draußen. Es gibt wirklich keine Unterbrechung. Es ist alles fließend. Wir steigen aus, die Kameras mit uns. Wir gehen Kaffee trinken, die Kameras sind dabei. Und so weiter.


Und das Gespräch? Machen Sie sich vorab Gedanken, formulieren vor?

Das wird alles improvisiert. Ich geh völlig unvorbereitet da rein. Möchte nicht abfragen. Es geht nicht darum was mein Gast gerade für einen Film dreht, oder wo er Theater spielt. Ich will mich einfach nur nett unterhalten. Spaß haben. Es ist ein reines Entertainmentformat.


Sie lassen dem Gespräch also freien Lauf?

Ja, völlig. Das kann alle Wendungen nehmen. Wir fahren durch Städte, wir sehen Sachen. Eigentlich reden wir meistens über alltägliche Dinge. Klar auch über den Straßenverkehr, über das Autofahren an sich. Sehr lustig. Lacht.


Die Autos, mit denen Sie Ihre prominenten Gäste abholen sind alte Autos, Oldtimer?

Das ist unterschiedlich. Da möchte ich auch kein Prinzip haben, damit der Prominente nicht schon weiß, mit welchem Auto ich da komme. Annette Friers erstes Auto war ein VW Käfer. Dann haben wir ihr also einen VW Käfer hingestellt. Lacht. Es gibt aber auch ganz andere Varianten. Bei Cordula Stratmann - Da bin ich mit einem riesigen Jeep vorgefahren. Da sagte sie mir, da würde sie nicht einsteigen, sie fände das doof. Natürlich steigt sie aber doch ein. Lächelt.


Man sieht das auch bei Bastian Pastewka. Da kommen Sie mit einem Citroen, aufgrund seiner Leidenschaft für Louis de Funès Filme.

Ja, genau.


Wie fühlt sich das an in den älteren Autos?

Da ist ja nix mit Servolenkung und so. Ja, deshalb heißt es auch „Sitzheizung gibt's nicht“. Das ist zum Teil schon sehr unkomfortabel in diesen Autos. Auch sehr laut. Man muss noch richtig arbeiten. Ich bin kürzlich mit einem Goggomobil gefahren. Da musste man erst mal den Benzinhahn aufdrehen. Das ist so, als ob man Maschinist ist und Schwerstarbeit leisten muss. Das ist schon sehr aufregend. Mit Jorge González war ich in einer amerikanischen Limousine unterwegs, die aber alle zwei Minuten ausging. Und das auf allen möglichen Kreuzungen und Verkehrsknotenpunkten. Da lief mir das Wasser runter. Alte Autos sind für Überraschungen gut und Überraschungen dürfen in diesem Format stattfinden. Das ist ja auch das Spannende dann.


Auch für Sie.

Ich liebe das ja. Ich liebe Improvisationen und ich liebe es ohne doppelten Boden zu arbeiten und zu gucken was passiert. Sich treiben lassen. Das ist meist viel besser als sich was ausgedacht zu haben, was dann doch am Ende so nicht stattfindet.


Es ist eine Herausforderung

Ja, das ist es. Ich muss ja Multitasking machen als Mann. Lacht.


Die Gespräche sind immer mit entsprechender und passender Musik unterlegt. Bei Pastewka waren es die französischen Chansons. Darf ich Sie fragen was Sie persönlich gerne für Musik hören?

Ich höre inzwischen wahnsinnig viel Klassik, weil mich das am meisten entspannt und einfach großartige Musik ist. Ich höre aber auch viel Filmmusik. Und dann noch ein bisschen Pop und Jazz. Das war's. Mit Heavy Metal können Sie mich jagen, auch mit Rockmusik. Das ist alles nicht meine Abteilung. Ich bin also relativ klassisch unterwegs.


Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino?

Ja, mit Astor Piazzolla. Das hör ich sehr gerne. Sonst hab ich mit dem Tango nicht so viel zu tun.


Sie haben also noch keinen Tango getanzt?

Nein, ich war ja auch nie in der Tanzschule.


Das wäre vielleicht eine neue Herausforderung

Das stimmt. Ich könnte mal einen Tango Tanzkurs machen. Ich hab gehört, das ist sehr schwierig.


Und sehr schön

Ja, das glaube ich. Das sieht toll aus.


Sie gehen während des Drehs mit Ihren Gästen auch in Restaurants. Ist das auf die Lebensweise Ihrer Gäste angepasst?

Ja, das machen wir schon passend. Ich gehe beispielsweise nicht mit einem Vegetarier ins Steakhouse. Aber ich geh schon mal mit einem Steak-Esser in ein Veganes Restaurant. Da musste Guido Cantz mal durch. Aber ansonsten sind das ganz unterschiedliche Orte. Wo wir das Gefühl haben, da wird er schon was finden und sich wohl fühlen.


Bauen Sie auch andere Besonderheiten in die Fahrt mit ein?

Es gibt immer auch eine zweite Location, die wir mit rein nehmen. Manchmal aber auch nicht. Mit Jorge bin ich Bowlen gegangen. Mit Tim Mälzer Billard spielen. Dort, wo das Beste passiert, das kommt in die Sendung.


Wie gefällt Ihnen das Format, worauf darf sich der Zuschauer freuen?

Auf viel Spaß. Sehr viel Spaß. Viele Kollegen kenne ich ja auch gut, die da bei mir einsteigen. Das ist ein großer Vorteil, weil man sich sprachlich die Bälle zuspielt. Wie gesagt, es soll einfach nur Spaß machen.


Wir kennen diese Form der Interviewführung aus Ihrer Zeit der „Berliner Nacht Taxe“ und aus den USA mit „Carpool Karaoke“ mit James Corden.

Ja, wir singen aber explizit nicht. Das Auto ist einfach ein guter Ort, weil es ein kleiner begrenzter Raum ist, wo man dann irgendwann auch die Kameras vergisst. Das ist der Vorteil. Das kenne ich aus der „Berliner Nacht Taxe“ Zeit.


Ist es nicht schwer, ein Gespräch zu führen, ohne Augenkontakt, ohne Mimik und Gestik des Gegenübers zu sehen?

Nein, das muss nicht sein. Das kennt man ja vom Auto fahren. Beide schauen aus dem Fenster, sie sehen was um sie herum stattfindet. Die Gespräche plätschern so vor sich hin. Ich komme auch nicht in Verlegenheit. Irgendwas fällt mir immer ein. Ich finde es langweilig über die Vita zu reden. Das wissen die Leute sowieso. Darum geht es nicht. Es geht darum, sie anders kennen zu lernen.


Gibt es Wunschgäste?

Wir haben das so gemischt, dass Leute dabei sind die ich kenne und auch Leute, die ich nicht kenne. Beispielsweise Tim Mälzer. Wir kennen uns nur peripher, nicht gut. Aber das hat prima funktioniert. Das ist auch das Tolle, das so zu erleben.


Haben Sie ein Lebensmotto?

Ehrlich währt am längsten.




Lieben Dank für das schöne Gespräch Herr Kessler




Foto: ZDF André Beckersjürgen



 

Foto: ZDF Gunnar Nicolaus

 

 


Foto: ZDF Gunnar Nicolaus



 

 

 

Foto: ZDF Frank W. Hempel









'Ich habe mit Senta Berger Tango getanzt'

Günther Maria Halmer

 

Foto: Marion Graeber

 

 

Im Gespräch mit Günther Maria Halmer

Im Mai 2017

Marion Graeber

 

 

Wie lange schreibt man so an seiner Autobiografie?

An der Autobiografie zu schreiben, das hat zwei Jahre gedauert.

 

Ist es schwierig sich mit dem eigenen Leben auseinander zu setzen?

Man wacht tatsächlich des Öfteren nachts auf. Ist in Gedanken. Es muss einem ja Stück für Stück etwas einfallen. Dann denkt man darüber nach, was stimmt, was hat man eventuell vergessen, oder auch was hat man verdrängt. All das muss man dann sofort aufschreiben. Auch nachts. Lacht.

 

Man nennt Sie einen Widerborstigen – Hat man als Widerborstiger mehr vom Leben?

Ich glaube nicht. Ich glaube, dass man auf diese Weise viel Energie verliert. Wenn man geschmeidiger ist, das gleiche Ziel verfolgt, ich glaube das ist besser. Lächelt.

 

Doch Sie sagen, es sind die Verrücktheiten, die einen weiter bringen?

Ja, Verrücktheiten in Anführungsstrichen. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen. Ich hatte große, wichtige Gedanken, aber für die Kleinbürger waren diese Gedanken verrückt.

 

Auch Musik ist immer wieder Thema in Ihrem Buch. Elvis Presley beispielsweise. Was hören Sie heute?

Ich schalte gern das Radio ein. Höre Bayern1 oder Bayern3. Auch SWR1 oder SWR3. Ich geh aber auch gern in die Oper.

 

Haben Sie schon einmal Tango getanzt?

Ja. Doch. Schon ein paar Mal. Einmal sogar mit Senta Berger. Aber das ist schwer. Als Mann, diese Haltung, die man finden muss. Tango, das ist richtige Gestaltung 

 

 

 

Gerade noch bei Markus Lanz in seiner gleichnamigen Sendung, ist Günther Maria Halmer nun auf großer Lesereise. Mit seiner Autobiografie "Fliegen kann jeder" gibt der Schauspieler Einblicke in sein Leben. 

Mit Günther Maria Halmer ist ein deutscher Schauspieler auf Tour, der als Widerborstiger gehandelt wird. Ein Mann mit Ecken und Kanten. Einer, der es von Anfang an nicht leicht hatte. Als einziges Kind einer weichen und gütigen Mutter und eines strenggläubigen, konservativen Vaters wuchs er im bayerischen Rosenheim auf. Gemeinsam mit den Eltern der Mutter, seinen Großeltern, teilten sie sich eine Altbauwohnung. Halmers junges Leben war geprägt von den vorgegebenen Wegen und Zielen seines Vaters. „Spaß am Leben zu haben war nicht vorgesehen, und alles, was sich danach anhörte, oder einfach nur „sinnlos“ schön war, wie Musik, Tanz oder Kunst jenseits des Glaubens, war von vornherein suspekt. Leben muss wehtun, sonst ist es nicht richtig, und gegessen wird, was auf den Tisch kommt“, liest er eine Passage aus seiner Biografie. So waren die Erwartungen an den einzigen Sohn hohe. Wie die meisten Männer seiner Generation hatte der Vater sehr klare Vorstellungen davon, was ein ehrbares, achtenswertes Leben war. Ein promovierter Akademiker – das war für den Vater der Gipfel eines erfolgreichen Lebens. Eines Lebens, das er für seinen Sohn vorgesehen hatte. Doch es kam anders. Gebannt lauscht das Publikum den Ausführungen Halmers. Der Schauspieler liest mit starker Stimme. Er ist laut und über seinen starken Charakter sehr präsent. Sein etwas zerzaustes, graues Haar, passt zu seinem Sinn. Zu seinem Wesen. Zu seiner Einstellung zum Leben. Halmer ist ein Reisender. Im wahren und übertragenen Sinne. Anfängliche Berührungsängste seitens des Publikums wischt er schnell weg. Er ist nahbar. In der Kommunikation mit seinen Zuhörern. Nichts ist rein vorgetragen, vielmehr erzählt. Vieles, das eigentlich nachdenklich stimmend ist, trägt Halmer mit einer gewissen Leichtigkeit vor. Lässt seine Zuhörer schmunzeln, lächeln, ja lachen. Und sie danken es ihm. Halmer berichtet aus seiner Schulzeit. Vom Scheitern und wieder Aufstehen. Von der Suche nach dem richtigen Beruf, für einen Typen wie ihn, wie er selbst erklärt. Vom Vorstellungsgespräch in einer Bank, von seiner Zeit bei der Bundeswehr, einer prägenden Reise nach Kanada und von der Aufnahmeprüfung bei der berühmten Falckenberg Schauspielschule in München. Ohne Arroganz erläutert er seinen Beruf. Gibt Einblicke in die Welt des Schauspiels und des Schauspielers an sich. Nur am Rande erwähnt er den „Tscharlie“ aus Helmut Dietls „Münchner Geschichten“, die Günther Maria Halmer Kultstatus einbrachten, um nur eine von vielen Produktionen zu nennen.    Zwei Jahre schrieb Halmer an seiner Autobiografie. Auf die Frage, wie es sich anfühlt, sich mit seinem eigenen Leben auseinander zu setzen meint er, oft sei er des nachts aufgewacht. In Gedanken versunken hat er Verdrängtem Raum gegeben und bislang Vergessenes schnell notiert. Entstanden ist ein Buch, welches den Leser in das Leben des Günther Maria Halmer eintauchen lässt. Offen und in vielen Bereichen ins Detail beschrieben. Vielleicht sollte jeder ab und an seine ganz eigene Biografie schreiben. Für sich. Sehen wo man steht. Beobachten, was man will. Herausfinden, welcher Weg als nächstes einzuschlagen ist. Oder einfach um zu sehen, wer man eigentlich ist.   Und wer ist nun Günther Maria Halmer? Nun, er beschreibt sich wie folgt: „Wenn ich versuchen soll, mein Wesen zu beschreiben, dann kommt mir ein Tannenbaum in den Sinn. Dicht und dunkelgrün, mit einem festen, etwas rauen Stamm. Immer ein bisschen zu ernst, auch wenn ein paar bunte Kugeln daran hängen. Mit Nadeln, die stechen. Kein Linde, unter deren Schatten man süße Träume träumt. Einen Tannenbaum kann man nur sehr schwer umarmen. Er bleibt allein, und wenn er sich doch mehr Nähe wünscht, wird er notwendigerweise enttäuscht werden. Oder enttäuschen. Ein Tannenbaum hat nicht nur Nadeln, er  hat auch Wurzeln. Und dort muss ich ansetzen“. Und so sind es also diese Wurzeln, die er ausgräbt, um Antworten zu finden. Antworten auf sich und sein Leben. Schön, dass er diese mit seinem Publikum und seinen Lesern teilt.  

 

 

 

Lieben Dank für das Gespräch Herr Halmer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Götz Schubert

Im Gespräch zum Film "Der Chef ist tot"

 

Foto: ZDF Martin Rottenkolber

 

 

 

 

Ergänzendes Interview mit Götz Schubert zum ZDF Film

"Der Chef ist tot"

 

 

 

Wie charakterisieren Sie Ihre Rolle? Die Rolle des Michael Baumgartner.

 

Wir lernen einen Menschen in einer krisenbehafteten Zeit kennen. Er wird zu verschiedenen Entscheidungen gedrängt. Entscheidungen, die er in seinem Leben plötzlich treffen muss. Wir lernen auch einen Menschen kennen, der die Chancen in diesen zu treffenden Entscheidungen nicht erkennt und zu den falschen Mitteln greift. Diese Mittel sind für ihn nachvollziehbar, von außen betrachtet sind sie eher fraglich. Man möchte ihm gern helfen und sagen: "Schau dich doch mal richtig um und dann siehst du schon was los ist". Aber so ist das Leben. Es wäre ja immer sehr einfach, wenn alles mit Offenheit und mit den richtigen Mitteln angegangen werden würde. So wäre das Leben leichter.

 

Er ist in seinen Gedanken und nicht zuletzt in seinem Handeln beeinflusst durch eine drohende Scheidung und er ist auch eifersüchtig, dass er in "seiner" Firma nicht auf dem Chefposten sitzt. Wie stark prägt ihn das? Wie überträgt sich das in seinen Charakter, in seine Leistung, die er fürs Unternehmen bringt?

 

Das hängt alles absolut zusammen. Er hat eine private und eine berufliche Krise. Die Probleme trägt er mit sich. Jetzt geht es darum, ob er die Signale der Anderen versteht, mit seinem Gegenüber offen umgeht, ein Ohr für ihn oder sie hat. Aber das tut er eben gerade nicht. Wahrscheinlich hat er das aber auch die vergangenen Jahre nicht getan. Ich will ihm nicht unterstellen, dass er von Anfang an so in eine Beziehung gegangen ist, aber er kümmert sich nur um sich. Kreist um sich selbst. Er bekommt beispielsweise nicht mit, was bei seiner Frau im Argen liegt, geschweige denn bei seinem Sohn. Und im Beruf ist das nicht anders.

 

Trägt er die Schuld an der Misere?

 

Er ist nicht schuldlos. Er hätte die Zeichen einfach früher sehen und verstehen müssen. Man kann also nicht sagen, es liegt an den Anderen. Die Umstände sind hart.

 

Jeder kennt das, dass man sich auch mal verrennen kann. Was empfehlen Sie diesen Menschen? Wie kann man wieder zu sich finden und sich dann auch wieder öffnen?

 

Im besten Falle erst mal anhalten. Erkennen und sich eingestehen, dass hier gerade irgendwas falsch läuft. Man könnte sich beispielsweise ein Wochenende Zeit nehmen. Jeder muss für sich selbst wissen, was ihn auf dem Boden hält. Vielleicht an den Strand setzen, aufs Meer blicken.

 

Würden Sie das so machen?

 

Das wäre etwas, was ich machen würde.

 

Könnte man das auch vorsorglich machen?

 

Absolut. Manche gehen in solchen Situationen oder bei solchen Gefühlen auf Weltreise. Aber man kann das auch ganz klein halten. Sich Zeit nehmen, durch die Natur gehen.

 

Im Film kommen Schwächen und Bosheiten zum Vorschein. Jeder schaut nur nach sich. Ist das das Leben?

 

Das ist auch eine Wahrheit, mit der man umgehen muss und da helfen sicherlich zum einen Appelle an die Empathie der Menschen, an die Zivilcourage. Und man kann es, das ist fast ein christlicher Gedanke, versuchen, es zu leben. Nicht mit den gleichen Mitteln kämpfen, sondern respektvoll sein, Anstand wahren, Empathie empfinden, helfen - das kann die Welt in einem kurzen Moment schon en bisschen besser machen.

 

Sehen Sie das so ein bisschen als Botschaft des Films?

 

Ja, rechtzeitig die Notbremse ziehen. Nachdenken. Selbstverständlich ist das schwer. Das System ist oft hart. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Nöten und Ängsten der Menschen, das wär schon ein großer Punkt. Und da muss jeder an sich selbst arbeiten. Da kommt keiner und übernimmt das. Das ist anstrengend.

 

Ja, wenn man sich auf den Film einlässt, kann man große Gedanken daraus schöpfen.

 

Vom kleinen System, welches wir im Film haben, kommt man ins große System. An die großen Gedanken. Ja, das stimmt. Das ist es auch, was mich von Anfang an daran interessiert hat.

 

 

 

Lieben Dank für das schöne Gespräch, Herr Schubert     

 

 

 

 


'Musik, an die man lange nicht mehr gedacht hat, die erwischt einen dann voll und ganz.

Das ist dann gar nicht Kopf, das ist Bauch'

Dominic Raacke


 

Foto: Steffi Henn / Glampool


Der Sommer 1986 beginnt für die Erfurter Schwestern Catrin und Maja Streesemann verheißungsvoll: Endlich halten sie die Reiseerlaubnis für ihren ersten Urlaub am Balaton in den Händen. Bepackt mit zwei Rucksäcken, Proviant von Mutter Kirsten und den guten Ratschlägen ihres Vaters Karl machen sich die beiden jungen DDR-Bürgerinnen per Auto-Stopp auf in den Süden. Die Verheißung auf grenzenlose Freiheit fernab der DDR und  die Aussicht auf das ein oder andere romantische Abenteuer beflügeln ihre Fantasie. Am Balaton angekommen, lassen sie den Blick über die weite Wasserfläche schweifen, auf der Sportboote mit West-Touristen kreuzen, und sind sich sicher: Das wird der schönste Urlaub ihres Lebens.


Doch die beiden ahnen nicht, dass sie schon bald unter Beobachtung der Stasi stehen. Denn um Fluchtversuche von DDR-Bürgern zu unterbinden, betreibt die so genannte "Balaton-Brigade" im Ferienparadies Ausspähung in Badehosen. Während Catrin auf dem Campingplatz rasch neue Freunde findet – und mit dem sympathischen Rudi aus Mühlhausen auch einen Mann, der sich ganz offenbar näher für sie interessiert – ist die jüngere Maja magisch angezogen vom Glanz des schicken Luxushotels "Balaton-Residenz", in dem ausschließlich Westtouristen wohnen. Ab 80 D-Mark für eine Übernachtung – unvorstellbar für die jungen Frauen.


Doch das Schicksal hilft  und verschafft ihnen nicht nur Eintritt in die "Balaton-Residenz", sondern auch die Bekanntschaft des ungarischen Hotelchefs Tamás. Catrin verliebt sich gleich in den charmanten Ungarn, aber Maja ist es, die ihm bei der ersten Gelegenheit einen Kuss abnötigt. Ein erster Schatten auf dem innigen Verhältnis der beiden Schwestern. Unterdessen rollt aber längst weiteres Unheil an: Mutter Kirsten hat nach einem omi¬nösen Anruf aus Ungarn allen Anlass zur Sorge, dass die Reise ihrer Töchter die komplette Familie ins Verderben stürzen könnte. Unter einem Vorwand bringt sie ihren Mann Karl dazu, den Trabi anzulassen, um Maja und Catrin hinterherzufahren.


Kirsten sorgt sich weniger um den verderblichen Einfluss des Westens auf ihre Töchter, als um ein altes Geheimnis, das an den sonnigen Ufern des Plattensees an die Oberfläche zu gelangen scheint. Denn was außer Kirsten keiner weiß: Karl ist nicht der leibliche Vater von Catrin. Und Kirstens alte Liebe  Erik, der vor Jahrzehnten aus der DDR geflohen ist, macht selbst Urlaub auf dem Campingplatz, um endlich seine Tochter zu sehen......





Interview mit Dominic Raacke  

von Marion Graeber 

21. März 2017



Dominic Raacke:    

Sie sprechen Schwäbisch, das erinnert mich an meine Kindheit.

 

Wo haben Sie Ihre Kindheit verbracht?

 

In Ulm. Ulm ist toll, eine kleine Stadt, aber durchaus selbstbewusst. Ich mag die Ulmer, die haben eine gute Mentalität.

 

Meine Ex-Frau ist auch aus Ulm. Ich selbst habe meine Kindheit dort verbracht. Bin da eingeschult worden. Meine Schwester ist in Ulm geboren.

 

Ich war allerdings ein bisschen ein Außenseiter. Wir haben oben am Kuhberg gewohnt. Dort war der Campus der Hochschule für Gestaltung. Mein Vater war Dozent. Das war so eine eigene Welt und hatte mit Ulm nicht viel zu tun. Es war ein bisschen wie in einer Raumstation, sehr internationl, die Dozenten, aber auch einige Studenten kam aus aller Welt. Da wurde man von den richtigen Ulmer schon mal schief angeschaut.

   

Wie alt waren Sie zu dieser Zeit?

 

Von 5 bis 8 ... ich wurde in Ulm eingeschult. Geboren bin ich in Hanau. Da mein Vater Dozent und später Professor war, waren wir immer ein bisschen auf Wanderschaft.

 

Sie stehen Veränderungen also offen gegenüber?

 

Man hat nicht so die Verbundenheit zu nur einer Stadt. Ich bin mehr entwurzelt. Das hat für das Leben aber auch Vorteile. Ich finde das sogar entscheidend. Für einen Schauspieler sowieso. Es ist wichtig offen für Neues zu sein.



Foto: ZDF Guido Engels


 

Der Film 'Honigfrauen' spielt im Jahr 1986 in der ehemaligen DDR. Hatten Sie damals Berührungspunkte mit Ostdeutschland. Familie, oder Freunde dort?

 

Nein. Die DDR war für mich wie der Pluto, weit weit weg. Das war hinter dem Eisernen Vorhang. Mir ist auch eigentlich erst später aufgefallen, dass wir dem Osten gegenüber ganz schön ignorant waren. Diese Ignoranz hing allerdings auch mit der Politik und den Medien zusammen. Man nannte die Ostdeutschen ja „Brüder und Schwestern“, dabei waren uns die Franzosen und Italiener gefühlt viel näher.

 

Ich finde es schade, dass das so war. Ich bin froh, dass die Mauer gefallen ist und man sich begegnen konnte. 

 

Wenn Sie auch keine Kontakte nach Ostdeutschland hatten, sind Sie vielleicht das eine oder andere Mal die Transitstrecke nach Berlin gefahren?

 

Die Transitstrecke bin ich ein paar Mal gefahren, ja. In der DDR selbst war ich nie. Auf der Transitstrecke unterwegs zu sein fand ich eher unangenehm.

 

In der Zeit, als ich meinen ersten Film in Berlin gedreht habe, bin ich immer am Tiergarten joggen gegangen. In der Mitte meiner Tour hab ich eine Pause am Brandenburger Tor gemacht. Bin auf die Aussichtsplattform hoch, um über die Mauer zu schauen. Wo heute das Leben tobt war damals der Todesstreifen. Man blickte auf die Grenzsoldaten mit ihren Ferngläsern und den Hunden. Das war ein hartes Regime. 


 

Foto: ZDF Leo Pinter


 

Welchen Effekt hat der Film auf ein jüngeres Publikum. Geboren ab 1990. Was denken Sie?

 

Erst mal ist es spannend, sich selber in dieser Zeit zu sehen. Ich hab ja quasi meine Eltern gespielt. Das liefert einem einen ganz anderen Blick auf die Welt.

So ist es sicher auch für die jüngeren Zuschauer interessant sich die Frage zu stellen: 'Was für eine Welt war das in der meine Eltern jung waren?'



Foto: ZDF Leo Pinter


 

Der Film dreht sich um die beiden Schwestern Catrin (Cornelia Gröschel) und Maja (Sonja Gerhardt). Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein können. Die ihr Leben beginnen, die Liebschaften haben und auch Konkurrenz. Das in Verbindung mit der Historie - ein interessanter Stoff.

 

Die Geschichte, wie sich Ost und West in Badehose am Plattensee getroffen hat. Was haben sie geliebt, gelebt, gekämpft, gelitten, gehofft und gefeiert. Und drei Jahre später war die Mauer weg, wie auch die ganze Dramatik, um die Liebe und den Schmerz. Keiner hat ja mehr daran geglaubt, dass sich diese Grenze wieder öffnen würde.

 

Das ist doch irgendwie auch ein Lehrstück für uns, wie die Historie ganz eigene Wege geht.


 

 

 

 

Foto: ZDF Stefan Erhard


   

Sie spielen im Film den Erik Waller. Erik ist der Vater der 25jährigen Catrin. Sie weiß das allerdings nicht. Wie definieren Sie Ihre Rolle?

 

Ich hab ein bisschen gebraucht, um mich ihr anzunähern. Ich wäre sofort auf meine Tochter zugegangen und hätte direkt gesagt: Ich bin dein Vater!

Aber das Drehbuch hat das nicht erlaubt und deshalb musste ich mich eben dem Charakter von Erik erst nähern. Er ist eine ambivalente Figur, weil man nicht weiß, ob er gut oder böse ist. Aber genau das ist ja auch spannend.

Erik ist sehr egoistisch, weil er damals seine Freundin mit dem Kind sitzen gelassen hat, um in den Westen zu gehen. Und auch jetzt, wo die Ex Freundin sagt, er solle weg bleiben, sie in Ruhe lassen, kommt er trotzdem an den Plattensee, um seine Tochter endlich einmal zu sehen. Ich kann das verstehen. Er hat Bedürfnisse und bereut sein Verhalten. Er bringt eine ganze Familiengeschichte ins Wanken und setzt damit eine Lawine in Gang. Ich finde es gut, dass er das tut. Manchmal muss man auch etwas lostreten.

 

In einer Passage des Films sagen Sie den Satz: Es gibt Lügen, die uns beschützen können. Was halten Sie persönlich von dieser Aussage?

 

Ich würde versuchen immer die Wahrheit zu sagen. Mir fällt keine Situation ein, wo mich eine Lüge wirklich schützt. Lügen fangen irgendwann an zu stinken. Es ist schwierig langfristig mit einer Lüge zu leben.

 

Der Film ist mit Musik aus den 1980ern unterlegt. Welche Musik hören Sie gerne?

 

Ich habe mich ertappt, wie ich zur Musik mit gewippt habe. Man kann sich einfach nicht entziehen, 80ies halt, meine jungen Jahre. Ich glaube, dass auch die Jungen was damit anfangen können.

 

Zu hören waren beispielsweise Cyndi Lauper und George Michael ...

 

Ja, genau, „Time after Time“. Lächelt.

Musik, an die ich lange nicht mehr gedacht habe. Die erwischt einen dann voll und ganz. Das kribbelt im Bauch, herrlich.

 

Haben Sie mal etwas im Bereich des argentinischen Tangos gemacht?

 

Ich hab mal ein Hörbuch gemacht, wo es um den Tango Argentino ging. Das war jedoch bisher mein einziger Kontakt. In Berlin, da tanzen sie bei mir um die Ecke im Sommer immer unter freiem Himmel. Ich weiß nicht, ob ich der ideale Tango Tanzpartner wäre. Lacht.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Nein, ein Lebensmotto hab ich nicht. Don’t worry, be happy! Ich bin Optimist und glaube an das Gute im Menschen. 


     

Lieben Dank für das schöne Gespräch, Herr Raacke. Alles Liebe.




Foto: Steffi Henn / Glampool




Foto: Steffi Henn / Glampool


 

 

Foto: Steffi Henn / Glampool






Götz Schubert über Träume, den Tango und die Musik



'Mich muss Musik immer im Herzen erwischen'

Götz Schubert

 

 

Foto: Frank P. Wartenberg


Er ist mit Leib und Seele Schauspieler - Götz Schubert. Er hat bereits in vielen preisgekrönten TV Produktionen mitgewirkt. Nun ist er bald in dem ZDF Film "Der Chef ist tot" zu sehen. Bis es so weit ist, hier ein kleiner Auszug des Interviews.


Auszug

Interview mit Götz Schubert  

von Marion Graeber 

21. Februar 2017


Es heißt: „Es gibt so viele Wünsche im Leben, meistens traut man sich nicht, sie zu erfüllen. Und trotzdem, sollte man sie tun“.  Was sind Ihre Wünsche, gibt es einen Traum?


Nein. Sie erwischen mich gerade in einer Phase .... Die Momente genießen - Das wäre das, was ich Ihnen hierzu sagen kann. Mir geht es beruflich ganz gut. Ich bin in meiner langjährigen Beziehung an einem Punkt, der sehr schön ist. Wir haben uns gerade eine Auszeit genommen und waren unterwegs auf einer Reise. Auch mit meinen Kindern bin ich glücklich. Ich muss nicht auf den Mond fliegen, um glücklich zu sein.


Vielleicht tanzen Sie manchmal vor Glück? Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino?


Mir ist mal gesagt worden, man sollte als Paar nicht gemeinsam Tango tanzen, das würde nicht gut ausgehen. Wir haben mal einen Salsa Kurs zusammen gemacht. Selbst das war … lacht … Es gab sehr viele komische Situationen .. Lacht ... Leider gibt es sowas schon als Film. Darüber kann man auch sehr viel über eine Beziehung und über ein Paar erfahren. 


Welche Musik hören Sie?


Bei der Musik ist durchaus Tango mit dabei. Ansonsten geht es Querbeet von Jazz über Swing, Klassik und Pop. Ich bin auch ein Freund von Elektronikmusik.  Ich bin ein großer Fado Liebhaber. Mich muss Musik immer im Herzen erwischen. Dieses Sentimentale, das hat dann oft irgendwas mit mir zu tun. Das trifft mich. Ich liebe Musik, wenn ich unterwegs bin. Ich hab dann meine Kopfhörer auf meinen Ohren, höre meine Musik und betrachte die Welt. Sie gibt mir auch ein Gefühl von Heimat. Ich nehme dann sozusagen mein Zuhause mit in die Ferne, das mag ich.


Sie selbst sind dann in der anderen Welt eingebunden mit Ihrer Musik


Ja, genau


Haben Sie ein Lebensmotto?


Ein Lebensmotto gibt es nicht. Das ist vielleicht mein Lebensmotto.

 „Nur nicht zwingen, nur nicht zwingen, sonst geht es gar nicht“ – Das mag ich gerne.




Lieben Dank für Ihre Gedanken Herr Schubert





Das erweiterte Interview gibt es mit der Bekanntgabe des ZDF Sendetermins zu
"Der Chef ist tot"




'Ich habe ein einziges Mal in einer Rolle einen Tango getanzt. Das war ein Weihnachtsfilm und den Tango tanzte ich mit Erol Sander' 

Valerie Niehaus




"Sie haben ein Recht auf die Wahrheit!" Nach diesem Motto rollen Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll (Valerie Niehaus) und Kriminalhauptkommissar Mirko Kiefer (David Rott) als führende Köpfe eines Kompetenzteams des LKA Berlin aufgrund neuer Indizien ungelöste Kriminalfälle aus der Vergangenheit auf. Die Herausforderung bei dem neuen ZDF-Serienformat: Ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen wissenschaftlichen Ermittlungsmethoden, vergessenen Fällen und den Emotionen von Betroffenen, die endlich Gewissheit über Schicksalsschläge bekommen, so Produzent Joachim Kosack. "Die Spezialisten - Im Namen der Opfer", ab 8. Februar, immer mittwochs, 19.35 Uhr im ZDF.



Interview mit Valerie Niehaus  

von Marion Graeber 

8. Februar 2017


Krimis sind beliebt – wie erklären Sie sich die Faszination Kriminalfilm?


Ich hab viel darüber nachgedacht. Ich glaube, dass man es genießt, wenn ein Unrecht am Ende eines Films ins Recht gerückt wird. Des Weiteren, glaube ich das beruhigt. Gerade im Angesicht von so vielen unkontrollierbaren Dingen in der Welt. Wir fühlen uns dann wohler, wenn schlechten Menschen das Handwerk gelegt wird. Außerdem sind Kriminalfilme spannend. Das fesselt einen, man ist involviert und kann mitdenken.

 

Sie sind in vielen Rollen zu sehen. Oft in romantischen Komödien, jetzt als Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll in „Die Spezialisten“. Ist es das, was Ihren Beruf ausmacht – diese Rollenvielfalt?

 

Absolut. Ich bin dankbar dafür, dass ich in meinem Beruf so divers auftreten kann. Ich mag alle

Genres. Auch in meinem eigenen Fernsehverhalten oder beim Lesen lasse ich mich gerne durch verschiedene Genres treiben.

 

Krimis und gerade bei dem was wir bei den Spezialisten machen, das hat auch noch so ein paar andere Aspekte für mich. Als Rechtsmedizinerin beschäftige ich mich in unserer Serie mit Fällen, die schon eine ganze Weile zurück liegen. Wir haben immer auch historische Aspekte mit dabei. Das ist eine gute Kombination. Gerade mit den vielen bildlichen Mitteln, die wir im Fernsehen zur Verfügung haben.

 

Wie charakterisieren Sie Katrin Stoll?


Sie ist ein hingebungsvoller, disziplinierter Mensch. Gerade in Bezug auf ihre Arbeit. Aber sie kann definitiv besser mit ihren Leichen umgehen als mit den Menschen. Sie ist Einzelgängerin. Das eben auch zu dem Preis, dass man nicht so geübt ist, wie sich die anderen untereinander verhalten. In der Hinsicht ist Katrin überfordert.  Sie ist in ihrer Arbeit erfüllt und hat viel zu geben, aber wenn es darum geht Gespräche zu führen, ist es für sie nicht so einfach. Sie hat

auch nicht besonders viel Humor. Ich finde sie deswegen schon ziemlich witzig, weil Leute, die

gar keinen Humor haben schon so unfreiwillig witzig sind. Wenn Katrin einen Witz macht geht es immer nach hinten los und wenn sie keinen Witz machen will, ist es witzig. Sie hat so eine gewisse Unbeholfenheit, obwohl sie ganz souverän auftreten will. In diesem Spannungsverhältnis bewegt sich Katrin Stoll.


Mit einem kleinen Augenzwinkern – wieviel Valerie Niehaus ist in Katrin Stoll?


Lachen – Also, ich bin auch Einzelgängerin und dadurch, dass ich das auch selber bin, hat das Porträt auch was Eigenes. Ob Einzelgänger oder Gruppenmensch - man ist meist so, weil man so zur Welt gekommen ist. Das teile ich mit ihr. Doch es ist nicht ganz so extrem bei mir. Ich habe einen Beruf, der mich zu den Menschen bringt. Da unterscheidet uns doch viel und ich wage zu behaupten, dass ich mehr Humor habe, als Katrin. Ich glaube nicht, dass man als Schauspieler so weit weg von sich selbst ist. Jeder schaut mit seinen Augen. Der Schauspieler auch. Man geht als Schauspieler selten so vollkommen weg von sich. Lacht.


In der Serie „Traumhafte Zeiten“ ist das Mordopfer in einem Gebrauchtwagen zusammengepresst zu einem Würfel 26 Jahre später als Kunstobjekt ausgestellt. Was bedeutet Ihnen Kunst – unabhängig von diesem Würfel?


Mir bedeutet in der Tat diese Arbeit, die bildende Künstler machen, sehr viel. Es ist für mich eine Sprache.  Ob ich sie verstehe oder nicht verstehe, nachvollziehen kann oder nicht – diese Sprache eröffnet mir die Gedanken- und Gefühlswelten anderer Menschen. So ist es auch beim gemeinsamen Besuch einer Ausstellung. Wie nimmt der Andere die Kunst wahr? Dann die Gespräche, die man dazu führen kann. Das ist eine wunderbare Begegnung. Das sehe ich auch, wenn ich ins Konzert  oder ins Theater gehe, eine Film sehe, der mich bewegt.  Das alles sind Künste, die uns berühren können. Vor allem in Berlin, da habe ich tolle Möglichkeiten. Aber auch anderswo gibt es immer etwas, was man anschauen kann. Es ist immer besonders, was Menschen in einem von der Muse geküssten Moment erstellt haben.


Leben und Tod sind nah beieinander. Das wird einem auch anhand von Kriminalfilmen immer wieder bewusst. Was ist Ihnen im Leben wichtig? Haben Sie ein Lebensmotto?


Eigentlich gibt es das Lebensmotto ja oder nein. Dazwischen gibt es für mich nichts und ich glaube, es liegt viel Arbeit darin, etwas klar und einfach auszudrücken. Diese Klarheit ja oder nein anzustreben, das halte ich für sehr hilfreich. Also ja und nein – mein Lieblingslebensprinzip.


Ein Film ist immer auch mit Musik unterlegt. Hier beispielsweise „Personal Jesus“ von Depeche Mode. Passend zum Film. Passend in die Zeit. Welche Musik hören Sie gerne?


Ich bin als Schauspielerin den Künsten zugewandt. Meine Musiksammlung erstreckt sich über sehr viele Gebiete und geht weit zurück. Außerdem habe ich einen  15 jährigen Sohn zuhause, da bin ich von seiner Wahrnehmung zusätzlich beeinflusst.

Ich finde das an unserer Serie eine ganz tolle Sache. Es gibt die historischen Fakten, die eine Welt, den Zeitgeist und die Lebensweise der historischen Figuren vermitteln. Es wird gezeigt, wie Menschen damals ausgesehen haben. Die Musik, das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, wenn man Personen, Charaktere vorbereitet. Musik löst Sehnsüchte aus oder Erinnerungen. Was hat uns belustigt, was traurig gestimmt? Als Kind der 1970er Jahre kann ich mich an das Lied von Depeche Mode natürlich sehr gut erinnern. Des Weiteren haben wir in dieser Staffel eine „David Bowie Folge“ dabei dieses Jahr.  Musik spielt wirklich eine große Rolle und es ist interessant, was es auslöst, wenn man ein Lied von früher hört. Jeder hat da seine eigenen Erinnerungen. Jeder ist involviert mit seinem eigenen Leben. Dem einen bringt es schöne Zeiten zurück, dem anderen vielleicht ein trauriges Ereignis. Es steckt eine unglaubliche Kraft in der Musik.


Haben Sie schon einmal Tango getanzt?


Ich habe ein einziges Mal in einer Rolle einen Tango getanzt. Das war ein Weihnachtsfilm und den Tango tanzte ich mit Erol Sander. Das war ein sehr schöner Tango und das hat Spaß gemacht. Darüber hinaus leider nicht. Wer weiß, was in Bezug auf den Tango, noch vor mir liegt. Es ist auf alle Fälle eine schöne Sache, mit der Sie sich beschäftigen.


Ich genieße das



Lieben Dank Frau Niehaus für das schöne Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut.




 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: ZDF Richard Hübner



Foto: ZDF Richard Hübner




'Die Tanzszenen im Film, das war für mich extrem mitreißend'

Pegah Ferydoni



Foto: Stefan Klüter






Gemeinsam mit seiner Mutter Elvira (Gaby Dohm) reist Robert Hansen (Janek Rieke) nach Indien, um dort seine mittlerweile zweijährige Nichte Suri (Margarita Novopavlovskaya) bei deren Leihmutter abzuholen. Während Elvira der Gedanke, bald Oma zu sein, begeistert, handelt der pragmatische Robert eher aus einem Pflichtgefühl heraus. Von der Existenz des Mädchens hat er erst vor kurzem erfahren, als er die Unterlagen seiner tödlich verunglückten Schwester Anke sortierte. Nun glaubt er, Ankes letztem Wunsch gerecht werden zu müssen: Er will Suri nach Deutschland bringen und für sie sorgen.

Nach ihrer Ankunft in der heiligen Stadt Varanasi erfahren sie, dass das kleine Mädchen plötzlich verschwunden ist: Ganesh, der Ex-Mann (Amit Shrivastava) von Leihmutter Parvati (Pegah Ferydoni), hat das Kind entführt. Angeblich weil er Parvati, die einer niederen Kaste angehört und in ärmlichen Verhältnissen lebt, schützen will. Denn als Mutter eines blonden und hellhäutigen Mädchens, wird sie von ihrem Umfeld geächtet.

Nur widerwillig begibt sich der vorsichtige Robert auf die Suche nach dem entführten Kind. Doch als er Suri, das Ebenbild seiner verstorbenen Schwester, zum ersten Mal sieht, gibt es für ihn keinen Zweifel mehr: Er muss seine Nichte retten. Gemeinsam mit Parvati nimmt er die Verfolgung auf – quer über den Ganges. Von Roberts abenteuerlicher Reise weiß seine Mutter jedoch nichts. In der Sorge um ihren Sohn, findet sie bei dem deutschen Aussteiger Fluppe (Heinz Hoenig) Trost.

ZDF Sonntag, 5. Februar, 20.15 Uhr "Fluss des Lebens - Geboren am Ganges"




Foto: ZDF Simon Grohe




Interview mit Pegah Ferydoni  

von Marion Graeber 

30. Januar 2017




Haben Sie Indien das erste Mal besucht?

 

Ja, das war mein allererstes Mal. Aufregend.

 

Wie lange waren Sie in Indien?

 

Etwa sechs Wochen.

 

Wie haben Sie das Land, die Menschen erlebt? Wie war der Kontakt zu Einheimischen?

 

Ein Großteil unseres Teams waren Inder. Da hatte ich gleich mal Anknüpfungspunkte. Das waren Leute aus Großstädten. Aus der Filmindustrie.

 

Wie war Ihre Rolle angelegt, wie haben Sie sich mit Ihrer Rolle auseinandergesetzt?

 

Ich habe im Film eine Frau gespielt, die aus Varanasi kommt. Dort in den Slums lebt.  Ich habe mir gewünscht, dass ich mal eine einheimische Familie besuchen darf. Das hat auch geklappt und ich hab einen Tag mit  einer siebenköpfigen Familie verbringen dürfen. Sie haben später auch meine Nachbarn im Film gespielt. Bei den Dreharbeiten hatte ich weiterhin Kontakt. Das war schon sehr besonders für mich. Ich war schon in vielen Ländern unterwegs, aber ich hatte zuvor nie die Möglichkeit mit Menschen in Kontakt zu treten, die so wenig haben. In Indien ist die Armut schon krass. Es war für mich ein großes Privileg und eine Ehre, dass mich diese Familie zu sich eingeladen hat. Ihr zuhause ist ein Zelt am Gangesufer, mitten in den Slums. Sieben Menschen auf drei Quadratmetern. Sie wohnen auf dem blanken Boden. Sie haben mich eingeladen, mir gezeigt, wie sie kochen und Wäsche waschen. Sie haben mich ohne Vorbehalte teilhaben lassen.

 

Warmherzige Menschen?

 

Ja, ganz warmherzige Menschen.

 

 

 

 

 

Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey



Wie haben Sie sich verständigt?


Aufgrund meiner Muttersprache, Persisch, konnte ich ein bisschen Hindi verstehen. Ich hatte dann jeden Tag zwei Stunden Unterricht. So konnte ich mich etwas mit den Leuten unterhalten. Das war echt besonders.


Waren die hygienischen Bedingungen eine große Herausforderung?


Ja, das war eine Herausforderung. Varanasi ist eine der schmutzigsten und chaotischsten Städte. Es gibt kein Abwasser, keine Müllabfuhr. Alles wird an Ort und Stelle entsorgt. Man steht manchmal knöcheltief im Unrat. Das muss man schon ertragen können. Den Kopf ausschalten und angstfrei rangehen. Ich bin nicht krank geworden und hab auch keine Parasiten mit nach Hause genommen, obwohl ich Barfuß durch die Slums gelaufen bin. Das war auch wichtig, um meine Rolle verkörpern zu können. Berührungsängste abbauen und eintauchen.

 

Hatten Sie Angst vor der Reise?


Man hat so eine romantische Vorstellung von Indien. Dann kommt man dort an und alles ist so real. Da sitzen Menschen am Straßenrand und man weiß nicht, schlafen die da oder sterben sie.



Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey



Wie sind Sie dort mit dem Tod umgegangen?


Es war für mich sehr heilsam. Das Leben findet draußen statt und das Sterben auch. Nicht wie bei uns hinter verschlossenen Türen. Alles ist in Indien sehr öffentlich. Varanasi ist eine heilige Stadt. Ein gläubiger Inder träumt davon in Varanasi zu sterben. Die Toten werden durch die Straßen getragen hin zum Krematorium. Das erlebt man täglich. Wenn man viel Zeit am Ganges verbringt, sieht man, es gibt auch viele Tote am Ganges, am Ufer, im Wasser. Man bekommt das alles mit, aber es ist das Leben und der Kreislauf. Die Menschen die dort aufwachsen leben mit dem Tod. Er ist selbstverständlich. Kein Drama. Das war etwas, was ich als extrem heilsam empfunden habe.

Mit Trauer umgehen. Vergangenes Jahr, war ja auch so ein Jahr, wo viele Persönlichkeiten gestorben sind, ich Freunde verloren habe. Ich wusste nicht so recht, wie ich damit umgehen soll. Diese Erfahrung in Indien hat mir sehr geholfen.


Hat Sie das verändert?


Verändert nicht. Ich möchte behaupten, dass ich auch vor meiner Reise nach Indien eine bewusste Lebensweise hatte. Verantwortungsvoll mit Resourcen umgehen, ökologisch nachhaltig zu wirtschaften und zu denken - das hatte ich alles vorher schon. Aber auf emotionaler Ebene war das eine beeindruckende Zeit.


Sind Sie religiös?


Für mich ist Religion kein so großes Thema, eher Spiritualität. Das ist etwas was einem in Indien auf Schritt und Tritt begegnet. Auch in der Musik und in Klängen. Man ist umgeben von Ritualen. Das hat mich bewegt.


Klänge und Farben


Ja, es ist schon alles sehr bunt. Auch das Licht ist anders. Ich glaube auch, die Inder können Farben viel besser unterscheiden als wir. Detaillierter. Das war verrückt, ich wollte mir einen roten Sari kaufen. Der Verkäufer hat hundert rote Saris vor mir ausgebreitet. Ich sah keinen Unterschied.


Sie waren im Film und in Indien auch von Musik umgeben. Was hören Sie privat?


Ich höre generell gute Musik. Für mich ist gute Musik die Musik, bei der sich der Macher was gedacht hat. Wo ein Gefühl von Freiheit transportiert wird. Ein Wunsch. Das kann Klassik sein, Jazz, Weltmusik oder auch Pop. Ich bin ein großer Popliebhaber. Bei der indischen Musik, da gibt es auch so viele Unterschiede. Tanzmusik, aber auch sakrale Musik. Alleine die Tanzszenen im Film, das war für mich extrem mitreißend. Ich hoffe, dass sich das auf die Zuschauer überträgt. Das ist ein Lebensgefühl wenn man dort mit 400 Bewohnern zu dieser Musik tanzt. Da war ein Glanz in den Augen. Das hat mich sehr getragen.


Das geht tief?


Ja, sehr tief.


Haben Sie schon einmal Tango getanzt?


Ich durfte vor einigen Jahren für einen Fernsehfilm den Tango lernen. Ich sollte ihn innerhalb von 48 Stunden bühnenreif tanzen können. Ich hatte dann einen Crashkurs bei einem argentinischen Tangotänzer. Ich habe das große Glück, dass ich aus einer Tänzerfamilie komme. Meine Mutter ist ausgebildete Tänzerin und ich habe quasi das Tanz Gen in mir. Ich kann diese Dinge schnell aufgreifen und übersetzen. Der Tango – das war auch eine wundervolle Erfahrung.

Auch der Tango geht tief. Es steht eine ganze Philosophie und Haltung dahinter. Ein Lebensgefühl, eine Sehnsucht und auch die Erotik. Diese Reibung zwischen Dominanz und Anschmiegsamkeit, das finde ich schon sehr interessant.


Haben Sie ein Lebensmotto?


Das ist eine gute Frage. Ja, schon irgendwie. Ein Gedanke, der mich trägt ist es zu sagen „Keine Angst und keine Pläne – sehen was kommt, fließen lassen“.

Erstmal ja sagen, bevor man nein sagt. Sich voll und ganz reinwerfen. Ob sprachlich, im Tanz, in der Bewegung, im Film, auf einer Reise – sich voll und ganz reingeben. Das was man tut auch so meinen, ausfüllen und transportieren.


 

Vielen Dank für das interessante Gespräch Frau Ferydoni



Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey


Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey

 

Foto: ZDF Ankit Kumar Pandey

 

 

 

 




'Ich brauche die Musik, um für mich den Reset Button zu finden'

Jochen Horst



Foto: Max Sonnenschein




Jochen Horst absolvierte 1986 in Graz die staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst mit Auszeichnung (Summa cum laude) im Studienbereich Schauspiel und wechselte anschließend nach London, um am Lee-Strasberg-Institut unter Anna Strasberg zwei weitere Jahre sein Studium zu vertiefen.

Horst wurde 1986 mit dem O.E. Hasse-Preis als Bester Newcomer des Jahres ausgezeichnet und einem breiten Publikum in der Rolle des Sascha in der Fernsehserie 'Das Erbe der Guldenburgs' bekannt. 1996 erhielt er für seine Rolle in 'Balko' den Adolf-Grimme-Preis.

Er wirkte in internationalen Produktionen, wie beispielsweise 1990 in 'Die Entführung der Achille Lauro' mit Burt Lancaster und 1993 'Der Zementgarten' mit. Zusätzlich arbeitet er am Theater. Jochen Horst hat mit Anouschka Renzi eine Tochter namens Chiara. Heute ist er mit Tina Ciamperla verheiratet. Mit ihr hat er einen Sohn, Chazz.


Interview mit Jochen Horst  

von Marion Graeber 

11. November 2016




Sie leben zwischen Palma de Mallorca und Berlin. Wie fühlt sich das an?


Ich wohne mit meiner Familie in Palma, bin aber hauptsächlich in Deutschland unterwegs. Ich arbeite die meiste Zeit.


Ihre Familie begleitet Sie nicht?


Meine Frau und mein Sohn sind zuhause. Mein 13jähriger Sohn geht zur Schule und braucht einen Fixpunkt. Diesen hat er in Mallorca. Es ist wichtig, dass er ein zuhause hat, auf das er sich verlassen kann.


Wie oft können Sie zu Ihrer Familie reisen?


Wir sind im 21. Jahrhundert. Die meisten Väter in der Klasse meines Sohnes sind Kapitäne, fahren zur See oder sind irgendwie anders unterwegs. Kaum ein Vater arbeitet von 9 bis 17 Uhr. Wenn Sie sich umschauen – das ist in den meisten Familien so.


Familienstrukturen haben sich geändert?


Ja, es hat sich viel in den Familienstrukturen geändert. Mich wundert das, wenn Menschen mich fragen: „Dann siehst du deine Familie vier Wochen nicht?“ … Ich denk mir: „Auf welchem Planeten wohnt ihr denn?“


Hat das auch mit dem Beruf des Schauspielers zu tun?


Ich bin seit 35 Jahren in meinem Beruf. Also in unserem Beruf war das immer schon so. In anderen Bereichen war das damals noch ein Novum. Das hat sich heute geändert. Es sieht doch in den meisten Familien heute so aus.


Fixpunkt in den Familien ist also die Frau und Mutter?


Das Verhältnis zwischen meiner Frau und meinem Sohn ist viel enger. Das ist klar. Ich bin da nicht eifersüchtig drauf. Ich bin froh, dass er ein gutes Verhältnis zur Familie hat. Ich bin eben nicht der ständig anwesende Vater. Das geht leider nicht. Ich nutze die Zeit zuhause dafür umso intensiver.


Foto: Max Sonnenschein



Sie hatten nun über einen längeren Zeitraum in Köln ein Engagement. Wo wohnen Sie da?


Es gibt Theaterwohnungen.


Was ist für Sie der Unterschied zwischen der schauspielerischen Arbeit auf der Bühne und beim Dreh am Set?


Was mir mehr Spaß macht, das ist immer das Theater. Da komm ich her. Ich bin im Theater groß geworden. Gleich mit 18 Jahren wurde ich am Staatstheater Hannover vom Fleck weg engagiert. Damals spielte ich mit Maria Schrader. Bin dann erst nach diesem Engagement zur Schauspielschule gegangen, um den Beruf richtig zu erlernen.


Sie sagen also, Sie kommen vom Theater?


Ja. Das macht mir am meisten Spaß. Wenn ich abends von der Bühne nach Hause komme, dann bin ich gut gelaunt und voller Energie. Nach einem Dreh bin ich müde. Übers Drehen geb ich sehr viel ab. Es ist wahnsinnig anstrengend. Das darf man natürlich nicht sehen. Ich versuche das dann so leicht wie möglich zu machen – das zieht Energie.


Lieben Sie auch die direkte Interaktion mit dem Publikum?


Ich gehör nicht zu den Schauspielern, die jeden Abend das Gleiche machen. Für viele Kollegen ist das schwierig. Lacht. Die beschweren sich auch ab und zu. Aber ich brauch das, um mich wach zu machen. Ich denk mir immer neue Sachen aus. Bei 160 Vorstellungen musst du dir auch immer kleine Aufgaben stellen.  Auch das Publikum hat das Recht darauf, dass sich immer ein bisschen was verändert.


Sie improvisieren also?


Viele sagen, dass es improvisiert ist. Meine Kollegen beschweren sich, wie gesagt, oft. Ich liege in meinen Improvisationen auch manchmal falsch. Gehe in die falsche Richtung. Aber das ist der Reiz des Theaterspielens. Und es ist der Reiz für die Theaterschauspieler. Es ist eine Reise.


Und die Kollegen machen diese Reise mit ...


Ja, die Kollegen machen die Reise mit. Jeden Abend. Lächelt.


 

 

 

 

Foto: Max Sonnenschein




Gab es Alternativen zur Schauspielerei?


Eigentlich nicht. Ich wollte mal Fernfahrer werden. Das find ich immer noch interessant. Auch Pfarrer - eine Zeit lang. Und Zirkusclown. Zirkusclown – das hat sich lange gehalten. Die Schauspielerei hat ja auch mit Clownerie zu tun. Lacht.


Sie lieben also auch die komische Seite des Berufs?


Richtig gute Clown-Acts, das gibt es heute fast nicht mehr. Nur ne rote Nase auf der Nase, das reicht nicht aus. Es gibt nicht mehr viele, die das können. Ist leider eine aussterbende Form.

 

Ich habe gelesen, Sie reisen gern?


Ich bin eigentlich schon mit 20 Jahren ausgewandert. Ich glaub ich bin so oft in meinem Leben ausgewandert, wie andere umziehen. Es gibt nicht mehr viele Abenteuer im Leben zu bestehen. Wir leben ja immer sicherer. Wir können uns über die Medien der Illusion hingeben, dass wir Abenteuer erleben. Das hat mir nie gereicht. Das war nie Ersatz. Ich reise wahnsinnig gern. Es fällt mir schwer über einen längeren Zeitraum an einem Ort zu sein.


Was bedeutet das Reisen für Sie?


Ich schau mich gerne um. Bin interessiert. Ich wollte auch immer interessiert bleiben. Ich möchte nie an den Punkt kommen, wo ich sage – jetzt reichts. Ich hoffe, das wird nie passieren.

 

Gibt es einen Lieblingsort?


Ich bin immer ganz gern in arabische Länder gereist. Das ist ja leider im Moment schwieriger geworden aus offensichtlichen Gründen. Ich bin kein ängstlicher Typ, aber ich merke, wenn mich Gefahr umgibt. Dann werd ich vorsichtig. Ich hab keine Angst um mich, aber um meine Familie. Ich halte auch nichts von der Deutschen Mentalität „Jetzt erst recht“.  Ich höre auf meinen Bauch.


Kennen Sie den Tango Argentino? Sind mal in Buenos Aires gewesen?


Ich war in Venezuela und in Peru. Die anderen lateinamerikanischen Länder kenne ich noch nicht. Meine Frau ist eine große Tänzerin. Daher kann ich auch ein bisschen den Tango.


Mögen Sie die Musik? Welche Musikgenres hören Sie?


Ich bin eher so der klassische Musikhörer. Wenn ich den Tango höre, dann geht das für mich über das Bandoneon. Das find ich super. Das ist die einzige Form den Tango zu erklären. Das ist meine Ansicht, aber ich bin da nicht der Experte. Lächelt.

Bezüglich der Musik, geht es mir nicht darum, die aktuellen Charts zu hören. Ich brauche die Musik, um für mich den Reset Button zu finden. Um die Stimmung zu finden, die ich brauche, um beispielsweise auf die Bühne zu gehen. Ich hab da immer Musik mit dabei. Was genau, das variiert von den klassischen gregorianischen Gesängen von Mönchen über die Doors zu Justin Biber. Ich höre immer bestimmte Sachen.


Glauben Sie an Zufall oder Schicksal?


Ich weiß nicht. Manchmal denk ich darüber nach. Mittwochs denk ich dann nein, es gibt keine Zufälle und donnerstags denk ich dann, doch.


Haben Sie ein Lebensmotto?


Ein Lebensmotto zeigt nur Prinzipien auf. So möchte ich nicht leben.  


Was ist Glück?


Glück ist, wenn man in den Umständen leben kann, die man für sich haben möchte. Glück ist geliebt zu werden und auch zu lieben oder lieben zu können. Es ist, glaub ich schwer, glücklich sein zu können, wenn man alleine ist. Es sei denn, man hat einen Hund oder einen Vogel. Glück ist ganz sicher nicht von materiellen Dingen abhängig. Glück ist auch keine Langeweile zu haben. Glück heißt auch, sich selbst zum Lachen zu bringen. Das kann ich ganz gut. Lacht.


Sind Sie glücklich?


Ich würde sagen, ein Mensch, der konstant glücklich ist, ist ein Idiot. Ich glaube, das gibt es nicht. Da wird man irre. Es gibt Glücksmomente.

       

Aber Sie sind ein fröhlicher Mensch ...


Ich bin jetzt kein Spaßmacher. Kein Presenter. Kein Stand Up Comedian. Ich kann auch Witze nicht gut erzählen. Ich würde mich also nicht als Spaßmacher bezeichnen der in der Bar sitzt und Leute unterhält. Wer das so möchte, der sollte mich nicht einladen. Lacht.


Kennen Sie Ihr Wesen?


Nein. Überhaupt nicht. Ich überrasch mich immer wieder. Ich bin auch sehr überrascht, wie ich auf Dinge reagiere. Was es für Dinge gibt, von denen ich nichts weiß. Ich bin froh darüber. Ich bin auch noch relativ naiv. Vielleicht gehört das auch zum Glück. Nicht diese Abgeklärtheit. Das möchte ich auch gar nicht. Das wär vielleicht auch tödlich für meinen Beruf.


Gibt es Ziele, nächste Schritte, oder lassen Sie sich treiben?


Ich lass mich treiben. Ich plane nie länger als zwei oder drei Monate. Das mach ich seit 35 Jahren so. Das ist erlernt. Ich komme aus einem Elternhaus, wo das Gegenteil gelehrt wurde. Ich hab gelernt, dass das nicht funktioniert.


Sind Sie Einzelgänger oder Gruppenkind?


Ich war schon als Jugendlicher nie in Gruppen unterwegs. Bin lieber allein oder zu zweit. Da bin ich zu sehr Individualist. Ich reagiere auf Impulse. Möchte mich nicht mit fünf Leuten absprechen müssen. Es gibt Menschen, die können das. Ich find das furchtbar.


Wie ist das mit der Familie?


Mit der Familie ist das was anderes. Da maul ich dann auch mal. Lacht. Ich bin wie ich bin. Aber ich versuche es ihnen immer recht zu machen. Mit meiner Frau bin ich jetzt seit 14 Jahren verheiratet. Es kommt mir so vor, als sei unser Zusammentreffen erst vergangene Woche gewesen. Wir haben beide sehr schwierige Beziehungen hinter uns.


Foto: Max Sonnenschein



Was ist wichtig in einer Beziehung?


Sich Freiräume zu lassen.


Was möchte Ihr Sohn einmal beruflich machen? Gibt es dafür schon Anzeichen?


Mein Sohn macht sehr viel. Unter anderem ist er in der Schule in der Theatergruppe und auch in einem Jugendtheater. Ich hab meinem Sohn allerdings gesagt, dass ich nicht will, dass er ein schlechter Schauspieler wird. Das Publikum langweilen, das ist ein Verbrechen. Doch er ist schon seit vier Jahren schauspielerisch unterwegs und es macht ihm sehr viel Spaß. Ich sehe, wie er sich entwickelt. Wie er auch eine Direktheit entwickelt, die ich sehr spannend finde und die auch was verspricht. Er ist ehrlich und unkompliziert. Und das ist eine großen Kunst.


Wächst Ihr Sohn mehrsprachig auf?


Ja, in der englischen, deutschen und spanischen Sprache. Das ist heute wichtig.


Ist es schwierig ein Kind mehrsprachig zu erziehen?


Ja, das ist schwierig. Wir müssen immer darauf achten, dass es ausgewogen ist. Unser Sohn spricht mit meiner Frau in der deutschen Sprache, mit mir in der englischen und im sozialen Umfeld in der spanischen Sprache.


Ja, Sie haben einen englischen Background.


Mein Opa, der Vater meines Vaters, ist dem umgekehrten Weg ausgewandert. Aus den USA (Chicago) nach Deutschland. Mein Vater ist schon zweisprachig aufgewachsen. Ich auch.


Verfolgen Sie ein soziales Engagement?


Sie werden mich in keiner Partei oder Vereinigung finden. Ich versuche einfach in meiner kleinen Welt ein bisschen Ordnung zu schaffen, wo ich glaube, dass es nötig ist.


Sie haben einen Blog namens Fatcherry. Was verbirgt sich dahinter?


Fatcherry ist für mich im Grunde eine Fortsetzung von facebook. Für die Berichte, die ich gern machen möchte, für die auf facebook kein Platz ist. Wenn ich einen Film posten möchte, beispielsweise. Auf Fatcherry soll man sich Inspiration holen können. Dafür braucht man Zeit.

Ich selbst verbringe viel Zeit mit Fatcherry und ich bekomme so unglaublich viel Schönes zurück. Ich hab den Blog vor zwei Jahren gegründet und möchte ihn gern weiter ausbauen. Ursprünglich hatte ich vor, einen Kunstblog zu machen, dann hab ich mir gedacht, Kurzfilme mit aufzunehmen. Es entwickelt sich in verschiedene Richtungen. Ich hab halt viel zu erzählen. Lacht.


Sie schreiben auch ein Buch?


Ich bin an meinem zweiten Buch. Bin richtig arbeitswütig im Moment. Ich hab festgestellt, dass es kein ernst zu nehmendes Sachbuch gibt, das meine Kunst beschreibt. Das setze ich jetzt um.

   



 

 

 

 

Foto: Marion Graeber



Vielen Dank für das offene, intensive und wundervolle Gespräch, Jo




 


'Ich bin ein Tangobär'

Harald Krassnitzer


Foto: Marion Graeber

 


Wieviel Freiheit braucht eine langjährige Beziehung - und wieviel davon verträgt sie überhaupt? Dieser Frage müssen sich Doris (Jutta Speidel) und Simon (Harald Krassnitzer) nach 38  Ehejahren stellen. Denn obwohl die Eltern zweier Kinder noch immer glücklich miteinander sind, verliebt sich Doris in den sympathischen Arzt Johannes (Peter Kremer). Doch als sie Simon die Affäre gesteht, reagiert der unerwartet: Völlig ruhig und rational überlässt er Doris die Entscheidung, mit wem sie ihr künftiges Leben verbringen möchte. Damit stellt er nicht nur seine Frau und deren Geliebten, sondern auch Freunde und Familie auf eine harte Probe.

'Wenn es Liebe ist' - ZDF Herzkino - Sonntag, 6. Nov., 20.15 Uhr


 

Interview mit Harald Krassnitzer   

von Marion Graeber 

20. Oktober 2016

 

Wie ist das mit der Toleranz in einer Beziehung?

 

Das ist die entscheidende Frage. Wer hat ein verbrieftes Recht auf einen anderen? Keiner hat einen Eigentumsanspruch auf den anderen in einer Beziehung. Niemand ist Herr über die Gefühle des Anderen.


Eine Beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass ich eine Entscheidung treffe, mit jemandem zusammen sein zu wollen. Diese Person beeindruckt mich offensichtlich aus irgendeinem oder mehreren Gründen. Und ich werd einen Teufel tun, diese Gründe permanent zu domestizieren oder sie weg machen zu wollen. Ich find es doch viel spannender zuzuschauen, was daraus wird. Das Schöne ist doch, und da beginnt für mich Toleranz, zu sehen, wie sich jemand entfaltet. Und, wie man jemand innerhalb einer Beziehung dabei helfen kann, ohne ihn dazu machen zu wollen, was einem selber näher liegt. Somit hat Toleranz eine sehr hohe Bedeutung.

 

Zwei Leben die da zusammen kommen und ein jeder das Recht hat auf seine eigene Individualität innerhalb der Beziehung?

 

Ja, aber es gibt ein Komittment. Beide entscheiden ja zusammen sein zu wollen. Dafür hat man die Wahl zwischen mehreren Varianten. Das wird zu Beginn einer Beziehung geklärt.

 

Die Basis muss also stimmen?

 

Ja, die Basis muss stimmen.

 

Im Film wird ganz offen mit der Affäre Ihrer Frau Doris (Jutta Speidel) mit Johannes (Peter Kremer) umgegangen. Ist das der richtige Weg? Sollte eine Affäre offen kommuniziert oder doch lieber verheimlicht werden?

 

Sagen wir mal so, ich würde etwa Kinder in der Pubertät nicht an einen Tisch holen und sagen: „Hört mal zu, eure Mama hat was mit einem anderen Mann am Laufen, der sitzt im Übrigen auch hier. Was sagt ihr dazu?“

Im Film sind da erwachsene Kinder. Menschen, die eine gewisse Möglichkeit haben etwas zu reflektieren. Und dann find ich es gut, wenn man das offen macht  und mitteilt. Es ist kein Tribunal, sondern eine Entscheidung, die mitgeteilt wird. Man kann sich natürlich auch durch die Hintertür hinausschleichen. Einen Brief schreiben. „Es tut mir leid, war ne schöne Zeit mit euch, aber ich hau jetzt mal ab“. Man kann sich auch sagen, dass einem alles völlig egal ist und dann ist man einfach weg. Es gibt viele Möglichkeiten. Diesen Weg zu gehen, wie im Film aufgezeigt, find ich den spannendsten.

 

Diese Offenheit beeinflusst in jedem Fall nicht nur Simon und Doris, sondern vielmehr die ganze Familie. Gerade die Tochter Julia (Annika Blendl) findet durch die Situation ihrer Eltern einen Zugang zu mehr Selbstbewusstsein.

 

Ich glaube, dass das oft ein Thema für Frauen ist – Wie finde ich meinen Weg. Privat oder in der Gesellschaft. In vielen Bereichen stehen wir da noch ganz am Anfang, wie beispielsweise bei Themen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Frauen in Führungspositionen und so weiter, aber auch die Rolle einer Frau zuhause.

 

Wie gehen Sie persönlich mit Problemen um? Kann Musik Ihnen helfen? Haben Sie einen Bezug zum Tango Argentino?

 

Ich höre ich ihn gern und sehe auch gerne zu. Ich bin sozusagen ein Tangobär. Aber wenn, dann würde ich für mich tanzen, in den eigenen vier Wänden, oder vielleicht mal in unbeobachteten Momenten, weil ich das angenehm finde. Aber nicht in der Öffentlichkeit, das wäre mir unangenehm. Das ist sicherlich ein lustiger Anblick, mich Tango tanzen zu sehen. Lacht.

 

Ich würde Sie gerne Tango tanzen sehen

 

Ersparen Sie es sich. Lacht. Es gibt bestimmte Naturkatastrophen, die sollte man sich ersparen.

 

Wie beschreiben Sie für sich den Tango?

 

Der Tango ist eine Sprache. Eine Kommunikationsform. Ein Spiel. Ich sag mal, ein sehr lebendiges Schachspiel, ein Blitzschach, oder ein Strategiespiel. Es hat miteinander zu tun. Mit Führen und Gegenführen im besten Falle.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Nein, weil ich das komisch finde. Da legt man sich so einen Satz zurecht. Vielleicht am ehesten noch, was Peter Ustinov schon gesagt hat:

Es ist wichtig, dass du irgendwann mal drauf kommst, dass das, was wir da machen nicht die Generalprobe ist, sondern schon die Vorstellung.

Aber das würde ich nicht zwingend als Motto sehen.

 

Lieben Dank für das schöne Gespräch Herr Krassnitzer


Foto: ZDF Jaqueline Krause-Burberg

 


Foto: ZDF Jaqueline Krause-Burberg



Foto: ZDF Jaqueline Krause-Burberg










SOKO Stuttgart





Fotos: Marion Graeber



 

 

 

 


 

'Astor Piazzolla hab ich schon als Teenager geliebt. Mein liebstes Stück ist 'Oblivion', das extrem melancholisch und leidenschaftlich ist' 

Suzan Anbeh   

  

 

Foto: Uwe Hauth

 

 

Interview mit Suzan Anbeh    

von Marion Graeber 

10. März 2016

 

Es geht um den Tango, ihre Zeit in Paris, in Hollywood und in Berlin. Wir sprechen über Heimat, Musik und viele andere Dinge die bewegen.

 

Suzan Anbeh im deutschen Fernsehen: Im ZDF Herzkino ist Suzan Anbeh am Sonntag, 27. März, 20.15 Uhr in Rosamunde Pilchers "Schutzengel" zu sehen. Nach der Kurzgeschichte "The Birthday Treat". Als junge Frau hatte Kate gegen ihren kriminellen Ehemann Ted Kinnock ausgesagt. Da er ihr nach der Urteilsverkündung Rache schwor, wurde Kate ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Mit neuer Identität und ihrem mittlerweile erwachsenen Sohn Channing lebt Kate seitdem glücklich in Cornwall. Doch je älter Channing wird, umso mehr beschäftigt ihn die Frage nach seinem Vater. Fragen, die ihm seine Mutter nur ausweichend beantwortet.  

 

 

 

Interview: 

 

Sie tanzen Tango Argentino. Wann und wo haben Sie den Tango kennengelernt? Wie lange tanzen Sie schon?

 

Damals in Paris, 1991. Ich lebte in der Zeit bei Zingaro (Theatre  Equestre) und ich machte viel Tanz und Akrobatik und mein damaliger Freund und ich fingen an Argentinischen Tango zu tanzen aus Jux und Dollerei. 

 

Wo tanzen Sie? 

 

Leider tanze ich heute nicht mehr so viel. Wenn ich Zeit zwischen Arbeit und Kind finde, geh ich zum Ballhaus in der Chausseestrasse.

 

Foto: privat - Les toits de Paris

 

 

Sie leben in Berlin. Wie sehen Sie die Tangoszene dort?

 

Berlin ist ja bekanntlich die heimliche Hauptstadt des Tango, wussten Sie das ?  

 

Haben Sie den Tango schon einmal in Buenos Aires erlebt?

 

Nach Buenos Aires bin ich leider noch nicht gekommen. Das wär aber mal ein tolles Ferienziel. Mein Sohn hat sich allerdings in Griechenland verliebt...

 

Was bedeutet Ihnen Berlin? 

 

Ich freue mich jeden Tag in Berlin zu erwachen ! Ich bin ganz vernarrt in die Stadt. Gestern war ich in der Philharmonie.Violinen-Sonaten von Beethoven mit Igor Levit und Julia Fischer. Zum Niederknien. Ich spiele selbst leidenschaftlich Klavier.

 

Kennen Sie Stuttgart?

 

In Stuttgart hab ich zwei Mal gedreht. Ich finde es toll über die Arbeit Städte zu entdecken. Ich hab gedacht : Ach hier kann man bestimmt auch glücklich leben. Lächelt.

Ich wußte gar nicht das StuttgartTango-begeistert ist ... 

 

 

 

Foto: privat

 

 

Reisen Sie gerne?

 

Reisen sind immer eine Bereicherung, es tut gut andere Kulturen zu erleben. Es öffnet den Blick auf das Ganze und zeigt trotz verschiedener Kulturen , was uns im Kern alle verbindet. Ich fühle mich nie fremd in einem anderen Land. Und ich bin viel gereist. 

 

Haben Sie einen Lieblingsort?

 

Mein Lieblingsort ist meine Wohnung. Dorthin zurück zu kehren nach einer Reise ist immer schön. Am meisten hat mich das Okawango Delta in Afrika beeinduckt. Unser Planet ist von einer unbeschreiblichen Schönheit! Wir sollten ihn behüten wie einen Schatz.

 

Was ist für Sie Heimat? 

 

Der blaue Planet ist meine Heimat hier und jetzt. Und mein Sohn und meine Freunde sind Heimat, egal wo sie in der Welt zerstreut sind. 

 

Wie würden Sie den Tango für sich charakterisieren?

 

Tango beschreibt die Beziehung, Harmonie und Dynamik zwischen Mann und Frau so präzise wie kein anderer Tanz in meinen Augen.Wenn man Beziehungsprobleme hat sollte man unbedingt mit Tango anfangen!  Ob Mann oder Frau - man findet zu sich und feiert und spürt sich. Allein die Haltung einzunehmen gibt sofort Kraft und der Mann gibt nur mit seinem Finger am Rücken die Richtung an. Wenn man diese Haltung im Leben umsetzen kann, hat man eine gesunde Beziehung aus Kommunikation, Respekt, Nähe und Distanz (Raum).

 

Der Tango lässt sich auch als Frau in Jeans und Turnschuhen tanzen. Lieben Sie es klassisch oder modern? 

 

In Jeans würde ich Tango nicht tanzen, viel zu schade die verführerischen Waffen einer Frau nicht einzusetzen. Lächelt. Jeans ist nicht feinstofflich genug...

 

Sie lieben Astor Piazzolla - wann sind Sie das erste Mal mit seiner Musik in Berührung gekommen? Haben Sie ein Lieblingslied? 

 

Astor Piazzolla hab ich schon als Teenager geliebt. Mein liebstes Stück ist "Oblivion", das extrem melancholisch und leidenschaftlich ist (Hommage an A. Piazzolla, Gidon Kremer).  

 

Läuft auch zuhause Tangomusik? 

 

Bei uns zuhause läuft ständig Tango gemischt mit Mozart, Edvard Grieg, Miles Davis und Klezma und David Bowie. Jonathan (12) hört das auch gern. Und griechische Musik! Einmal die Woche treffe ich mich mit Paul Frielinghaus, der sehr gut Cello spielt. Dann spielen wir Hindemith oder Schubert am Klavier und am Cello.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?  

 

Mein Lebensmotto ist: "leben und leben lassen". Und "im unperfekten liegt die Schönheit" 

 

 

Foto: privat

 

 

Sie sind mit 17 Jahren nach Paris. War das ein schwerer Schritt - weg von zuhaus? 

 

Als 17 jährige hab ich mich auf den Weg gemacht Schauspielerin zu werden. Mittlerweile lebe ich von diesem Beruf seit 25 Jahren ... 15 Jahre davon in Paris auf Theaterbühnen. Dort wurde ich mehr als liebevoll empfangen. Alles war möglich und mir schlug viel Begeisterung entgegen. Ich war fleissig und bemühte mich perfektes Theater-französisch zu lernen. Meine Intendantin sagte eines Tages, ich solle nicht übertreiben. Meine Akzent sei doch so schön! Paradoxer weise war ich ein verwirrter Teenager mit der klaren Vision, dass dies der Weg war mich zu entwirren. Über das Rollen spielen meinen Kern zu finden... Dabei hab ich mich in die wildesten Abendteuer gestürzt. Dinge getan, die ich mir nie zugetraut hätte. Mir ging es nie darum im Mittelpunkt zu stehen. Davor hat es mir eher gegraut. Die Ensemble Arbeit hat mir dann die Augen geöffnet. Fruchtbare Arbeit funktioniert nur Ego-befreit. Das Bewusstsein hat leider nicht  jeder und dann gibt es immer wieder anstrengende Situationen. Die Zeit in Paris war eine goldene, lehrreiche, die mich tief geprägt hat.  

 

 

 

 

Foto: privat - Theater Paris

 

Bestehen noch Kontakte zu französischen und amerikanischen Schauspielkollegen? 

 

Bis heute sind mir viele Freundschaften geblieben. Wir verstehen uns als Familie, reisen zusammen mit unseren Kindern und besuchen uns regelmäßig wann immer es geht. Jonathan spricht Französisch und hat seine Freunde  dort. Auch in England und den USA sind große Freundschaften entstanden. Leider können wir uns nicht so häufig sehen.      Ich bin dankbar durch meinen Beruf so tollen Menschen begegnen zu können.  

 

 

Foto: privat - in Los Angeles

 

 

 

Was reizt Sie am deutschen Film? 

 

Deutschland hat mir noch mal ganz andere Möglichkeiten eröffnet und mir erlaubt  Beruf und Familie zu verbinden. Jonathan war überall mit dabei bis zu seinem sechsten Lebensjahr. Er hatte bis zu dem Datum schon zwei Mal den Globus umkreist. Als Schauspieler hat man in Deutschland die Möglichkeit verschiedenste Rollen zu spielen denn es gibt extrem viele Formate. Je verschiedener desto besser! Auffallend ist, dass die Franzosen respektvoller mit ihren Schauspielern umgehen, sie gar lieben und ihnen zur Seite stehen bis zum bitteren Ende... ansonsten ist jeder Dreh, egal wo, immer ein Abenteuer und jedes mal anders.   

 

 

 

Foto: ZDF Jon Ailes "Schutzengel" - mit Heiko Ruprecht

 

 

Haben Sie einen Lieblingsschauspielkollegen/kollegin?

 

Petra Schmitt-Schaller bewundere ich sehr sehr !  

 

Verfolgen Sie ein soziales Engagement? 

 

Soziale Engagements  sind mir wichtig und  auch, dass der Jonathan ein Gefühl dafür bekommt wie schön es ist, für andere dazu sein, etwas zu geben. 

 

Ihr Wunsch .....  

 

Ich wünsche mir für die Welt: Mögen sich alle von dem zerstörerischen Kleingeist ihres Egos befreien. Freude heißt die starke Feder in der Natur, Freude! Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr (Schiller).   

 

 

Foto: Uwe Hauth

 

 

 



 Herzlichen Dank liebe Suzan. Alles Liebe! 

 

 

 

 

 

'Wilsberg liegt mir schon sehr am Herzen. Mit dem bin ich ja schon so lange zusammen'

Leonard Lansink 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

Als Wilsberg kennen und lieben wir ihn. Nun ist er für's ZDF Herzkino "Familienbande" am Sonntag, 13. März, um 20.15 Uhr zu sehen. Ein Inga Lindström Film.

 

Es war kein leichtes Jahr für Eva (Gesine Cukrowski). Nach dem Seitensprung von Ehemann Carl (Siegfried Terpoorten), mit dem sie eine Anwaltskanzlei in Stockholm führt, versuchen die beiden, ihre Ehe wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Das ist leichter gesagt, als getan. Und nun ist auch noch Adoptivsohn Nils (Michelangelo Fortuzzi) kurz vor den Ferien von der Schule geflogen, weil er sich in den Schulrechner gehackt hat. Eva kann den Urlaub bei ihrem Vater Sven (Leonard Lansink) zuhause auf dem Bauernhof also kaum erwarten. Dieser liefert sich gerade einen Wettbewerb mit Landarzt Björn (Helmut Zierl) um ein Essen mit der anspruchsvollen Anna (Karin Düwel), hinter der beide Männer her sind. 

 

 

Interview mit Leonard Lansink   

von Marion Graeber 

01. Februar 2016

 

 

Sie spielen in dem Herzkino Fernsehfilm „Familienbande“ von Inga Lindström den Sven. Sie

sind Vater, Großvater, Schwiegervater und verliebt in Anna. Wie wichtig sind Ihnen

menschliche Beziehungen?

 

Das ist mir ganz wichtig. Ich hab ja ne Frau und bin ganz glücklich. Familie trägt man ja so

mit sich rum - da ist es natürlich besser, wenn man die mit Vergnügen rumträgt.

 

Sie sind bei Ihren Großeltern aufgewachsen. War das eine gute Zeit?

 

Das war sowas wie Eltern, nur älter. Großeltern sind oft gnädiger mit den Enkeln, als mit

den eigenen Kindern. Wahrscheinlich weil die mehr Erfahrung haben und das alles schon

mal mit ihren eigenen Kindern durchgemacht haben.

 

Sie spielen im Film auch einen Tierarzt. Haben Sie keine Berührungsängste in Bezug auf

Tiere?

 

Nein überhaupt nicht.

 

Auch nicht bei den großen Tieren?

 

Nein, ich hatte früher auch Pferde.

 

Reiten Sie?

 

Ja, früher viel. Bis ich mich am Sprunggelenk verletzt habe. Ich bin gerne und viel

geritten. Mit Pferden hab ich keine Probleme. Und Kühe sind ja nicht so richtig schlau. Pferde sind

auch nicht so richtig schlau, aber sie sind sozial netter. Das dürfen Sie gern sagen. Lacht

 

Im Film spielt auch ein Hängebauchschwein mit. War das gut zu trainieren?

 

So ein Hausschwein wäre optisch wahrscheinlich besser gewesen, weil alle hätten gedacht,

warum werden wir jetzt nicht Vegetarier. Aber das Hängebauchschwein war das Tier,

welches die Tiertrainerin dann irgendwie auch trainieren konnte.

 

Sind Sie Vegetarier?

 

Nein

 

War es möglich das Hängebauchschwein, wie einen Hund zu trainieren?

 

Ich glaube, das hätte lange gedauert, dem Hängebauchschwein diese Dinge beizubringen.

Das ist natürlich eindeutig mehr Arbeit. Da hätte man viel mehr Zeit investieren müssen.

Das Geheimnis dabei ist der Schneideraum, der das passend macht.

 

ZDF: Arvid Uhlig - Karin Düwel (Anna) und Leonard Lansink (Sven)

 

 

Sie leben in Berlin. Sind Sie Stadt- oder Naturmensch?

 

Ich lebe schon gerne in Berlin. Ist die größte Stadt in der Gegend. Das kommt mir schon

sehr entgegen. Aber in Wirklichkeit fahr ich schon auch gern mal raus.

 

Sie reisen gern?

 

Ja, ich war jetzt gerade in Kapstadt. Das war ganz prima, weil man dem grauen Berliner

Winter etwas entfliehen konnte. Von Minus 10 nach plus 30 Grad. Mir gefällt auch Istanbul

oder London. Aber für London ist im Moment natürlich auch nicht gerade die beste

Reisezeit.

 

Wo möchten Sie gerne hinreisen?

 

Ich war noch nie in San Francisco. Das sollte ich mal machen, alle schwärmen immer und

bekommen dabei feuchte Augen. Meine Frau auch. Sie war schon dort. Das sollte mir meine

Frau mal zeigen.

 

Wie erarbeiten Sie sich eine Rolle? Was ist der Unterschied für Sie zwischen einer Rolle in

einem Fernsehfilm und in „Wilsberg“?

 

Wilsberg liegt mir schon sehr am Herzen. Mit dem bin ich ja schon so lange zusammen. In

Familienbande gefällt mir meine TV-Tochter Eva – Gesine Cukrowski. Sie ist großartig, das

passte ganz gut. Wir kennen uns noch von „Der letzte Zeuge“. Das ist zwar lange her, aber

wir verstehen uns blendend. Es ist super mit ihr zusammen zu spielen. Marek Harloff

kannte ich vorher nicht, aber auch er ist ein super Kollege. Die Kinder waren auch prima.

Mir kommt das sehr entgegen, einen Charakter zu spielen, der so muffelig durch die

Gegend läuft. Aber man merkt im Grunde schnell, der ist ein ganz warmherziges Wesen.

 

Aber Sie persönlich sind überhaupt nicht muffelig

 

Ja, das ist aber beruflich bedingt. Eigentlich rede ich vor 11 Uhr nicht viel. Lacht.

 

Wie tanken Sie Kraft, haben Sie ein Hobby?

 

Wir haben ja einen Hund - mit dem muss ich ja üben, damit er wenigstens das kann, was

das TV-Schwein kann. In der Großstadt müssen die Tiere ja auch nett und freundlich sein,

sonst macht das den anderen Menschen keinen Spaß. Ja, und sonst bin ich mit meinen TVProjekten

ganz gut beschäftigt.

 

Mögen Sie Musik?

 

Ich hab mal Querflöte gelernt. Das ist aber auf  Dauer ziemlich eintönig und außerdem ein

nicht sehr wandlungsfähiges Instrument. Aber ich höre gerne Musik.

 

Foto: ZDF Thomas Kost - Wilsberg

 

 

Was hören Sie?

 

Ich bin Klassik Fan.

 

Kennen Sie Astor Piazzolla?

 

Natürlich. Er ist ja der Tangospezialist.

 

Mögen Sie Tango?

 

Ja hören, tanzen nicht. Harte Männer tanzen nicht.

Tango ist, die Frau geht dahin, wo der Mann hingeht. Ich sollte das mal lernen für eine

Rolle. Es war die Hölle. Ich hab nicht mal den Anfang verstanden. Es war sehr schwierig,

wenn man nie tanzt.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Möglichst lange, möglichst gut.

 

Verfolgen Sie ein soziales Engagement?

 

Ich bin bei der Krebsberatungsstelle in Münster Schirmherr. Freu mich, wenn die ein

bisschen mehr Geld zur Verfügung haben, als die sonst haben. Dafür sorgen wir dann so ein

bisschen.

 

Ein Wunsch

 

Wär schon schön, wenn alles ein bisschen netter wär.

 

 

 

 

Foto: ZDF Thomas Kost - Wilsberg

 

 

 

 

 

Lieben Dank für das schöne Interview, Herr Lansink. Alles Liebe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

'Wenn mein Mann und ich mal ganz viel Zeit haben, machen wir einen Tango Argentino Tanzkurs, weil ich das supergeil finde'

Anna Loos

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

 

Anna Loos über die Rolle der Helen Dorn - Gefahr im Verzug, Samstag, 5. März, 20.15 Uhr mit einem ganz persönlichen Blick auf den Tango Argentino.

 

Eine Bombe explodiert auf einem blebten Platz und tötet fünf Menschen. Die LKA Ermittlerin Helen Dorn (Anna Loos), die vor Ort war, um sich mit einem Mann zu treffen, ist unter den Verletzen und wird mit einem Knalltrauma ins Krankenhaus eingeliefert. Ein terroristischer Hintergrund ist wahrscheinlich, da kurz darauf ein Bekennervideo im Netz auftaucht.  

 

  

 

 

Interview mit Anna Loos  

von Marion Graeber 

20. Januar 2016

 

 

Was bedeutet Ihnen die Rolle und die Verkörperung der Helen Dorn? Wie charakterisieren Sie Helen Dorn?

 

Es gibt ja viele Tatort-Teams und auch die Polizeirufe. Beide Formate hab ich angeboten bekommen. Mein Mann (Jan Josef Liefers) macht ja auch einen Tatort.

Ich hab da lang überlegt. Also dieser Sonntagabend und der Tatort, das ist ja so eine Marke in Deutschland. Wie auch der Polizeiruf. Für die Leute gehört es einfach zum Sonntagabend.

Dabei sind nun nicht alle Teams meine Lieblinge. Ich finde es oft mittelmäßiges oder biederes Fernsehen. Ich suchte eine Herausforderung. Ich wollte etwas Neues.

Das ZDF hatte dann die Idee eine Krimireihe mit mir zu entwickeln. Mir war es wichtig, dass nicht nur ein / zwei gute Filme gedreht werden und dann die Luft raus ist. Ich wollte gerne, dass diese Reihe ständig fortschreitet, das bedeutet viel Arbeit. Das war sozusagen die Grundvereinbarung vom ZDF und mir. Und ich finde es großartig, dass Sie ihr Wort gehalten haben und mir auch Menschen an die Hand geben, Produzenten, Regisseure, Autoren, die das wirklich so vorantreiben. In die Richtung an die wir gemeinsam glauben. Es ist ein Krimi der in Moll spielt. Wir wollen mehr dieses Melancholische, eher graue Timbre haben. Auch die Hauptfigur, Helen Dorn, ist eher sperrig, sie lacht nicht und ist kein fröhlicher Mensch. Ihr Job nimmt sie mit. Auch wenn man es ihr nicht auf den ersten Blick ansieht, ist sie sehr emphatisch. Sie ist eine Figur, die privat und beruflich Probleme hat, kein Team-Player ist und sich nicht an Regeln hält.

Wir wollen die Zuschauer langsam an diese Figur gewöhnen. Wollen sie herausfordern, dass sie sagen „die schau ich mir jetzt an, weil die verstehe ich oder die will ich jetzt verstehen, sie interessiert mich“. Wir haben die Rolle absichtlich nicht als normale Kommissarin angelegt, sondern als LKA Beamtin. Wir leben heute in einer globalen Welt. Da geht es nicht nur um die tote Nachbarin. Die Kriminalfälle heute sind länderübergreifend. Dahin wollen wir Helen Dorn führen. Und auch den Zuschauer, so dass er Lust bekommt, diese Schritte mit uns zu gehen. Das ist unser langfristiges Ziel.  

 

Foto: ZDF Willi Weber - Anna Loos als Helen Dorn

 

 

Wie viel Anna Loos ist in Helen Dorn?

 

Nicht so viel. Lacht. Ich bin vom Typ her ganz anders. Ich würde sagen, ich hab keine soziale Störung. Ich lach gerne und bin ein sehr positiver Mensch. Ich mach gerne Spaß und liebe Menschen. Ich mag auch die Interaktion mit ihnen, wie generell mit allen Lebewesen. Da unterscheide ich mich schon sehr von Helen Dorn.

Es gibt im Film den Satz „Ich würd auch nicht gern mit mir arbeiten“. Ich würd gern mit ihr, Helen Dorn, arbeiten. Ich finde generell die Leute, die einen nicht sofort in den Arm nehmen, sondern erst mal anschauen und genau zuhören, sehr interessant.

 

Warum schauen wir gerne Krimi?

 

Das ist kein deutsches Phänomen. Krimis werden auf der ganzen Welt geschaut. Ich bin jemand, bin dem Fernsehen schon fast verloren gegangen. Ich schau gerne Serien, gerne Kinofilme - auch zuhause. Krimis, ich glaube das ist ein gutes Entertainment. Täter und  Opfer das sind immer Figuren die an ihren Grenzen unterwegs sind, spannende Charaktere im Wirbel sozialer Brennpunkte. Das hat immer eine Problematik und eine soziale Komponente. Außerdem kann bei einem Whodunit jeder Zuschauer Kommissar sein und das unterhält die Menschen.

 

 

 

Foto: ZDF Willi Weber

 

 

 

 

Im Krimi, auch in Helen Dorn, werden viele Themen angesprochen. Drogenkonsum, Terroranschläge, Korruption, Krankheiten, Vater- und Tochterbeziehung, Stalking usw … Kann ein Krimi allen Themen gerecht werden?

 

Man ist im Krimi in so viele Leben hineinversetzt. Wer handelt warum, wie? Das ist eine geile Form, vieles zu erzählen. Du hast die Hauptfiguren, das sind die Ermittler. Aber die eigentlichen Hauptfiguren sind ja all die Anderen um die sich der Fall dreht. Man hat die Betrachtungsweise der Ermittler und die der Anderen. 

Es geht schon in Minute drei los. Das Problem ist da. Das ist vielleicht spannender als sich in der ersten halben Stunde langsam an das Thema heranzutasten.

 

Und das eine Problem wird dann zum Schluss gelöst ….

 

Oder auch nicht. Ich glaube allerdings, dass es wichtig ist, dass es am Ende eine Auflösung gibt. Ob negativ oder positiv ich glaube, dass dies einen Zuschauer erleichtert. Nicht so wie in einem Sozialdrama, wo der Zuschauer mit einer unglaublichen Depression zurückgelassen wird. Das ist einfach nicht für jeden der Abschluss den er sich für seinen Alltag wünscht. Ich mag sowas, aber ich glaube der Zuschauer ist erleichtert, wenn er am Ende eine Lösung hat. Er weiß wer, wie, warum reagiert hat. Ob man es nun versteht oder auch nicht.

 

Mit dem Thema der Terroranschläge ist der Film sehr aktuell. Leider.

 

Ja, das stimmt. Das hat uns ein bisschen überholt. Als wir den Film konzipiert haben, da gab es Charlie Hebdo und die Pariser Anschläge noch nicht.  

 

 

Foto: ZDF Willi Weber

 

 

 

 

Wie verhalten Sie sich, fühlen Sie sich durch die Terrorgefahr eingeschränkt, oder haben Sie mehr Angst?

 

Naja, ich hab zwei Töchter, natürlich hab ich um sie Angst. Wobei ich eigentlich ein angstfreier Mensch bin. Aber seitdem ich meine Kinder hab, hab ich schon Angst. Aber das hat nicht direkt mit den Terroranschlägen zu tun.

 

 

Foto: ZDF Willi Weber

 

 

Eine ganz persönliche Frage: Mögen Sie den Tango Argentino?

 

Ich hab mal einen Kurs gemacht für einen Film und dann hab ich mit meinem Mann beschlossen, dass wir mal, wenn wir Rentner sind und ganz viel Zeit haben, einen Tango Argentino Tanzkurs machen, weil ich das supergeil finde.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

Ich mach mein Ding, egal was die anderen sagen

 

 

 

 

Lieben Dank für das tolle Gespräch. Ich hab mich sehr gefreut.

Alles Liebe für Sie und Ihre Familie.

 

 

 

 

 

 

 

 'Ich lach gerne - Ich finde das ist ein absoluter Lebensantrieb'

Gabriel Merz 

 

Pressefoto

 

 

 

 

Gabriel Merz starb vor zehn Jahren den Serien-Tod in der Soko Leipzig. Nun kehrt er zurück. Gemeinsam mit seinem Freund Marco Girnth ist er am Drehort. Im echten Leben unterstützen die beiden Freunde Bernadette Kowolik mit ihrer Akion „Hoffnung Spenden“. Das Interview hierzu ist unter „Kinderhilfe“ zu lesen.

 

 

Interview mit Gabriel Merz 

von Marion Graeber 

15. Januar 2016

 

 


Wo bist du geboren, wo aufgewachsen?

 

Ich bin in Stuttgart geboren. Im Marienhospital. Aber ich war nur ein Jahr in Stuttgart. Ich hab schlecht auf die Stuttgarter Luft reagiert und so ist meine Mutter mit uns in die Nähe von Freiburg gezogen. Schauinsland. Da gab es unser Haus und das Haus unserer Nachbarn. Einen Kilometer weiter entfernt dann erst der nächste Bauernhof. Natur pur.

 

Heute lebst du in Berlin. Bist du eher Stadtmensch oder fühlst du dich in der Natur wohl?

 

Optimal wäre es natürlich, wenn man so beides haben könnte. Wenn das eine in dem anderen möglich wäre. Als Kind ist es in der Natur toll. Aber wenn du dann Teenager bist, dann ist es halt total langweilig. Ich wollte dann eigentlich nur noch weg. Ich würde es auch immer vorziehen in der Stadt zu leben. Die Jahre auf dem Land haben mir gereicht. Lacht.

 

Sprichst du schon Berliner Dialekt?

 

Ich war damals total geschockt, als ich das erste Mal in Berlin war. Ich saß in einem Café, lauter coole Leute. Dachte bei mir, da kommt man ja nicht gegen an. Bis sie den Mund aufgemacht haben, da hab ich gehört, dass es Schwaben waren. Lacht.

Die einzige Möglichkeit von dem Schwäbischen Sing/Sang weg zu kommen war irgendwann, mir den Berliner Sing/Sang anzugewöhnen. Ich dachte damals ich spreche Hochdeutsch. Ich glaube das denken alle Schwaben. Weit entfernt. Lacht.

 

Du hast deine Teenagerzeit in Stuttgart verbracht?

 

Ja. Ich war 15 Jahre, als wir zurück nach Stuttgart zogen. Bin in Stuttgart-Vaihingen in die Waldorfschule gegangen. Mit 21 Jahren bin ich dann wieder weg.

Stuttgart hat zwei Seiten. Wenn man es negativ betrachtet hat es eine Kleingeistigkeit, ist spießig. Auf der anderen Seite ist es familiär und es gibt ein großes Vertrauensverhältnis untereinander. Meine Frau hat in der Vergangenheit immer wieder am Schauspielhaus Stuttgart gespielt. Heute sehe ich Stuttgart mit anderen Augen. Stuttgart hat sich schon gewandelt. Die Jugend hat mehr Möglichkeiten. Es gibt viele Cafés. Stuttgart hat ja auch eine tolle Musikszene. Ist heute eine Stadt mit Atmosphäre.

 

Stuttgart hat eine große Tangoszene. Tanzt du Tango?

 

Mit meiner Frau hab ich mal zwei Lindy Hop Workshops gemacht. Lindy Hop ist so ein bisschen spielerischer. Tango ist leider keine Option. Es hat so was Wichtiges. Tango reizt mich aber von der Musik her. Die ist toll.

 

Welche Musik hörst du noch?

 

Ich hör so quer durch. Aktuelles, Radio, Filmmusik, RnB, Soul, Sachen aus den 70ern und 80ern …Ich hab so viele Lieder auf meinem Laptop und entdeck immer wieder neue. Lacht.

 

Dein Weg zur Schauspielerei

 

Mit 16 hab ich mal ne Wette gemacht, dass ich entweder Sänger oder Schauspieler werde. Für den Sänger hat es nicht gereicht. Für den Schauspieler dann doch.

In der Waldorfschule macht man in der 12. Klasse ein Theaterstück. Da musste ich den Mephisto spielen. Das hat mir so Spaß gemacht, dass ich mich direkt an der staatlichen Schule für Schauspiel in Stuttgart beworben hab. Das Abitur hab ich dafür abgebrochen. Bin aber an der Schauspielschule hochkant rausgeflogen. Dann hab ich mir gesagt, ich gehe in den Regiebereich. Hab hospitiert am Stuttgarter Schauspielhaus. Gesangsunterricht genommen. Über den Gesangsunterricht bin ich nochmal zum Vorsprechen an andere Schulen. Hab eigentlich nur zwei staatliche Prüfungen gemacht. Eine in Frankfurt und eine in Stuttgart. Hab dann auch relativ früh schon an Workshops bei amerikanischen Lehrern teilgenommen. Das ist eine ganz andere Herangehensweise. Auf den Schauspielschulen wird man ja direkt auf das Theater vorbereitet. Ich wollte aber nicht nur Theater machen, sondern insbesondere auch Film und Fernsehen.

Mit 24 bin ich dann aber doch am Theater gelandet. Hab dann versucht zum Fernsehen zu kommen. Das hat aber ein bisschen gedauert. Das kann so ein frustrierend langer Weg sein. Ich war kurz davor aufzuhören. Aber es hat ja doch geklappt.

 

Was wäre die Alternative gewesen?

 

Zum Schauspiel – Regie und Drehbuch.

 

Du spielst viel in Krimis mit

 

Ja. Ich glaube tatsächlich hab ich immer schon dieses Räuber- und Gendarmding im Kopf gehabt. Das ist das Format, was ich am Kernigsten finde. Ich glaub das können die Deutschen echt am besten. Mich reizt auch dieser Thrillerbereich.

 

Wie wichtig ist dir Humor?

 

Ich lach gerne. Mach auch gern schlechte Witze. Ich finde das ist ein absoluter Lebensantrieb. Aber Humor hat ja auch immer damit zu tun, in welcher Verfassung man sich gerade so befindet. Da braucht man schon auch Entspannung dafür.

 

Du treibst Sport?

 

Im Moment ist mein Sport das Boxen. Boxen macht Spaß. Ist super cool, aber auch total anstrengend. Man kann sich sehr verausgaben. Ich mach das aus sportlichen Gründen, um fit zu sein. Was mir noch mehr Spaß macht, was ich aber gerade nicht praktizieren kann, wegen dem Wetter, das ist Volleyball. Volleyball, das könnt ich den ganzen Tag spielen.

 

Kommt dir die Sportlichkeit zugute? Machst du deine Stunts selber?

 

Schlägereien hab ich eigentlich immer selber gemacht. Hab ich auch gemocht. Kommt in deutschen Serien leider nur selten vor. Aber es passiert schon auch immer wieder mal was. Angebrochene Rippe und so. Actionfilme hab ich viel in der Jugend gemacht. Damals hab ich auch überlegt Stuntman zu werden. Fand ich geil.

 

Hast du ein Lebensmotto?

 

Nein, eigentlich nicht.

 

Dein soziales Engagement

 

Soziales Engagement ist ein schwieriges Thema. Wenn du beispielsweise in Afrika bist, siehst du, dass das soziale Engagement von vielen Leuten komplett versandet. Viele Kleider-, Sach- und Geldspenden kommen überall an, nur nicht dort wo sie gebraucht werden. Du läufst über riesige Märkte und siehst die alten Nike Sportschuhe die gespendet wurden und für 30 Euro an Einheimische verkauft werden.

Ich mit dem Verein „Hoffnung Spenden“ in Uganda. Das Tolle an dem Verein ist, dass es ein kleiner Verein ist. Bernadette hat ihn ins Leben gerufen. Sie ist ultra herzlich. Sie hat Straßenkindern ein Dach über dem Kopf gegeben. In ihrem Haus gibt es nur zwei Regeln: Es wird nicht geschrien und es wird nicht geschlagen. Das war für die Kinder schon eine Herausforderung. Aber sie sind ganz tolle Menschen geworden. Mit einer tollen Sichtweise. Diese Sichtweise findest du in der Bevölkerung nicht. Auch nicht in der Regierung. Gerade die Regierung hat leider kein Verständnis für die eigene Bevölkerung. Sie versuchen sich nur mit allen Mitteln ihren eigenen Status aufrecht zu erhalten. Mein Eindruck ist es, dass es bis zu 100 Jahre dauern kann, bis diese Länder von der Kultur her demokratisiert sind.

SozialesEngagement ist dann toll, wenn man wirklich weiß, dass es ankommt.

Es gibt hier in Deutschland ja so ein paar Läden, wo man an der Kasse aufrunden kann – aber wo das aufgerundete Geld hingeht – who knows? Es geht ja bei den großen Initiativen auch darum, den Apparat zu finanzieren.

Aber soziales Engagement ist grundsätzlich gut. Es gibt auch in Deutschland viele Bereiche, viele Kinder, die unterstützt werden können. Man muss nur genauer hinschauen, wo und wen man unterstützt.

 

Ein Wunsch

 

Am Ende geht es immer darum, ein Leben zu führen, in dem man sich selbst verwirklichen kann. Spaß hat. Ein Leben zu führen, in dem man mit Menschen zusammen sein kann, die man liebt.

 

 

 

Liebsten Dank, Gabriel! Alles Gute! 

 

 

 

 

 

 

'Ich wünsche mir, dass wir uns als Erdenbürger gut verstehen' 

Stefanie Stappenbeck   

 

Foto: Stefan Klueter

 

 

 

 

 

"Die 7. Stunde" ist ein neuer Vernau-Thriller mit Jan Josef Liefers und Stefanie Stappenbeck nach dem gleichnamigen Roman der Bestseller-Autorin Elisabeth Herrmann. Der Berliner Anwalt und Lebenskünstlers Joachim Vernau bekommt ein lukratives Angebot: Er soll die Jura-AG einer teuren Privatschule leiten und übernimmt die siebte Stunde. Was er anfangs nicht weiß: Ein Mädchen aus seiner Klasse hat vor kurzem Selbstmord begangen. Außerdem kommt Vernau dahinter, dass an der Schule, die in den Räumen einer ehemaligen Nervenheilanstalt beheimatet ist, Rollenspiele nach alten Krankenakten stattfinden. Und plötzlich wird eine seiner Schülerinnen Opfer eines Giftanschlags.

 

 

 

 

Interview mit Stefanie Stappenbeck 

von Marion Graeber 

06. Dezember 2015

 

 

Was ist für Sie die Faszination TV Krimi?

Beim Krimi schafft man es immer, wieder wichtige Themen durch die spannende Krimihandlung so zu verpacken, dass man unbedingt dran bleiben will. Man kann Geschichten erzählen, beispielsweise über Rechtsanwälte, Schulen oder Altenheime. Über alle Lebensbereiche, die uns täglich betreffen, oder uns auch nicht betreffen. Auf die wir aber neugierig sind. Wie bei „Die 7. Stunde“ im Eliteinternat.


Warum sind die Einschaltquoten bei den Krimis so hoch?

Wir sind ein neugieriges Volk. Wir mögen es gerne spannend.

 

Im Krimi geht es immer auch um Leben und Tod. Was ist Ihnen wichtig im Leben?

Meine Familie. Und mein Bemühen um inneren Frieden.Wir haben auf der Welt so viel Krieg, so viel Zerstörung und alles bricht scheinbar um uns zusammen. Ich glaube, wenn jeder Einzelne Frieden in sich trägt und mit sich selber macht, überträgt sich das auch in die Außenwelt.

 

 

ZDF: Conny Klein

 

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

Gut genug reicht – es muss nicht perfekt sein.

Das ist die berühmte 80/20 Regel. Sie kommt aus der Wirtschaft. Kann man aber in allen Lebensbereichen anwenden. Wenn man sich beispielsweise zu 80 Prozent gesund ernährt, oder wenn eine Beziehung zu 80 Prozent stimmt, ist das genug. Perfektion bedeutet Stress. Die 80/20 Regel soll vor übermäßigem Perfektionismus und Verausgabung schützen.

 

Wie war die Arbeit für „Die 7. Stunde“?

Es macht total Spaß eine Anwältin zu spielen, die einen ungewöhnlichen Hintergrund hat. Sie verhält sich ja auch oft nicht wie eine typische Anwältin. Und mit Jan Josef zu spielen,das ist sowieso eine einzige Freude. Lacht.

 

Kann man also trotz schwieriger Themen fröhlich sein am Set?

Ja, es geht immer um die Szene. Dass sie gut wird - und das mitLeichtigkeit, Humor aber auch Konzentration.

 

Wie viele Drehtage benötigt man für einen Film?

Vier bis fünf Wochen reine Drehzeit. Dazu kommt die Vor- und die Nachbereitung.

 

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor?

Das ist ganz verschieden. Ich betreibe intensive Drehbuchstudien. Schreibe mir dabei Fragen an den Rand. Beim nächsten Lesen haben sich die Fragen dann meistens schon erledigt, weil ich ja schon einmal durch bin. Lacht. Wenn ich Inspiration brauche, gehe ich manchmal auch zu Drehbuchcoachs. Drehbuchaufstellungen finde ich auch sehr hilfreich. Ich schau immer auf das Projekt und ermittle dann, was ich so brauche.


Wie stark werden Sie von Rollen beeinflusst? Am Beispiel der Anwältin Marie Luise Hoffmann in „Die 7. Stunde“?

Marie Luise war in den schwierigen Situationen, die der Film erzählt, nicht selber dabei. Ich bin also in der Rolle diejenige, die von außen beobachtet und versucht von außen zu helfen. Mich beschäftigt privat eher die Frage, wie können Situationen außer Kontrolle geraten? Wie kann es soweit kommen? Ich gleite da jetzt also nicht so ab. Das passiert eher, wenn man die Rollen spielt, in denen man mitten im Geschehen ist.


Wie tanken Sie Kraft?

Meistens tanke ich in der Ruhe meine Kraft. Ich bin eigentlich ein sehr hektischer Mensch. Erholsam ist für mich, was für andere Folter ist. Lacht. Lange Flugreisen beispielsweise. Da bin ich gezwungen mal sehr lange still zu sitzen. Das tut mir sehr gut. Wenn ich irgendwie kann, versuche ich mich auch immer wieder mal selber auszutricksen. Lege mir Telefontermine, so wie heute. Oder ich widme mich einem guten Buch oder der Zeitung. Und ich gehe spazieren - das ist ja das Allerschönste der Welt.

 

Wo gehen Sie spazieren?

Ich geh überall spazieren. In der Natur und auch in Städten.

 

Hilft Ihnen auch die Musik zur Entspannung?

Ja, Musik hören wir viel. Auch unsere kleine Tochter . Wenn Adele „hello“singt, singt unsere kleine Tochter „it‘s me“. Lacht. Musik spielt eine große Rolle für uns.

 

Ihr Mann ist Musiker. Welche Musik spielt er?

Alles von experimentalem Jazz bis Hard Rock. Wir hören zuhause sehr gern Singer/Songwriter Musik.  

 

Haben Sie Berührungspunkte mit dem Tango Argentino? Dem Tanz, der Musik?

Zu Argentinien schon. Dort hab ich eine der schönsten Reisen meines Lebens gemacht.    

Tango selbst hab ich noch nie getanzt. Aber das ist eine gute Idee. Sollte ich mal machen.  

 

Sie spielen in Kriminalfilmen, aber auch romantischen Komödien. Auch an der Seite von Stephan Luca in „Super Dad“, um nur ein Beispiel zu nennen. Was mögen Sie lieber, oder hat alles seine Berechtigung?

Ich glaube, es ist wie in fast allen Berufen. Je grösser die Bandbreite, desto mehr Spaß macht es. Von der überforderten Mutter bis zur eiskalten Anwältin. Vom Hippie zur Konzernchefin. Für mich ist die Hauptsache mit tollen Leuten vor und hinter der Kamera zu arbeiten. Ich habe für mich gemerkt, wenn das gegeben ist, ist die Rolle zweitrangig. Man holt auf diese Weise das Beste aus sich heraus. Auch für die Rolle.

 

 

ZDF: Conny Klein

 

 

Verfolgen Sie soziales Engagement?

Ja, ich engagiere mich unter anderem im Karuna eV für Kinder und Jugendliche. Auch für die Lungenkrankheit Lymphangioleiomyomatose (LAM) betreibe ich Aufklärungsarbeit. Und für „Plant-for-the-Planet“ – der Verein wurde von Kindern ins Leben gerufen. Das find ich ganz großartig. Außerdem spende ich Geld an verschiedene Organisationen, wie Greenpeace, Foodwatch und ein Schulprojekt in Indien. 

(Plant-for-the-Planet) ist eine Kinder- und Jugendinitiative, deren Ziel es ist, bei Kindern und Erwachsenen ein Bewusstsein für globale Gerechtigkeit und den Klimawandel zu schaffen und letzteren aktiv durch Baumpflanzaktionen zu bekämpfen Anm. d. Red.)

 

Ein persönlicher Wunsch …

Dass ich mich mit meiner tollen Familie privat und mit meinen tollen Kollegen beruflich weiter entwickeln darf.


Ein Wunsch für die Welt …

Dass wir uns als Erdenbürger gut verstehen und mehr an das denken, was uns verbindet, als an das, was uns trennt.

 

 

ZDF: Conny Klein

 

 

 

 

 

 

Herzlichen Dank für das schöne Interview. Alles Liebe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 'Bei uns in der Familie wurde immer sehr viel getanzt. Mein Vater hat mit mir Walzer getanzt als ich ganz klein war. Mit mir auf seinen Füßen'.

Katharina Böhm 

 

Foto: ZDF Michael Marhoffer

 

 

 

Katharina Böhm als Vera Lanz in "Die Chefin"  

 

Vera Lanz ermittelt weiter. Vier neue Folgen begleiten die zielstrebig-engagierte Kriminalhauptkommissarin und ihr Team bei der Auflösung fesselnder Mordfälle in und um München. Verkehrskontrolle im Münchner Umland. Streifenpolizisten werde nauf einen leeren, geparkten Geländewagen aufmerksam, der Blutspuren im Fond aufweist. Dann wird einer der Polizisten erschossen. Als der Kollege zurückschießt, flieht der Täter zu Fuß in den Wald. Am Tatort ist Vera Lanz mit einem Kollegen der Kripo Rosenheim konfrontiert: Ferdinand Preiß, mit dem sie unter ihrer Leitung den Fall bearbeiten soll. Kaum verlassen Vera und Trompeter den Tatort, geraten sie in einen Hinterhalt. Die Schutzweste rettet Vera das Leben Trompeter wird angeschossen und zusammen mit Veras Wagen entführt. Für Vera beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Ein anonymer Hinweis führt die Kommissarin in das verschlafene Örtchen Moosberg und auf die Spur des Lokal-Matadors und Jägers Stefan Meiwald. Ist Meiwald Trompeters Kidnapper? Während Vera in dem verfilzten Milieu des Dorfes ermittelt, kann ihr Meiwalds ehemaliger Jagd-Kollege Karl Schollmeyer wichtige Informationen liefern. Inzwischen werden Trompeters Überlebenschancen immer schlechter. Wird es der Kommissarin gelingen, ihren Kollegen rechtzeitig zu finden? Vier neue Folgen "Die Chefin" werden freitags, 20:15Uhr, ausgestrahlt.

 

 

 

 

Interview mit Katharina Böhm beim ZDF Pressetag in München 

von Marion Graeber 

07. Mai 2015

 

 

Krimis sind beliebt beim deutschen Publikum. Woran liegt das?


Ich glaube, dass man im Krimi sehr viel erzählen kann. Man kann das Drama, die Romantik und die Komödie erzählen. Das ist eine große Bandbreite. Man musst sich nicht festlegen. Einerseits ein bisschen feige, aber man kann eine große Masse an Menschen erreichen. Es ist für alle was dabei. Das Konzept funktioniert.

 

Wie war Ihr Weg zum Krimi?

 

Ich hab ja schon die „Nachtschicht“ gemacht. In Deutschland kommt man eigentlich am Krimi nicht vorbei, wenn man hier arbeiten will. „Die Chefin“ war ein großes Geschenk, ich war von Anfang an dabei und wir haben die Figur Vera Lanz gemeinsam entwickelt. Der Sendetermin für die ersten vier Folgen war eigentlich nicht für den Freitag, sondern für den Samstagabend, 21.45 Uhr, geplant. Manche Folgen sind doch ziemlich hart. Seit der zweiten Staffel laufen die Folgen, wie auch jetzt ab 8. Mai, am Freitagabend um 20.15 Uhr.

 

 

 

Foto: ZDF Michael Marhoffer

 

 

 

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rollen vor?

 

Bei "Die Chefin“ hab ich eine Polizeitrainerin an meiner Seite. Eine ganz tolle!

 

Haben Sie auch Schießtraining?

 

Ja, wir schießen auch.

 

Haben Sie dann auch einen Waffenschein?

 

Nein.

 

Ist die Polizeitrainerin mit am Set?

 

Ja, oft. Und auch andere Polizisten. Die helfen uns alle sehr. Wir versuchen authentische Szenen zu drehen. Wie halte ich eine Waffe, wie verhalte ich mich in bestimmten Situationen? …

 

Machen Sie das selbst, oder haben Sie dafür eine Stuntfrau?

 

Wir haben schon auch Stuntfrauen und Stuntmänner. Aber ich wollte das auch gern selber probieren. Was ich selbst machen kann, mache ich. Das macht ja auch Spaß, ist Teil des Berufs.

 

Wie lange dauert es, bis eine Folge abgedreht ist?

 

Zwölf Tage. Wobei es darauf ankommt, wie aufwendig eine Folge ist.

 

Wann wurden die aktuellen Folgen, die ab dem 8. Mai im ZDF ausgestrahlt werden, gedreht?

 

Die Folgen wurden im vergangenen Jahr im Sommer hier in München und auch im Münchner Umland gedreht.

 

Gibt es Freunde am Set?

 

Bernhard Schir ist einer meiner besten Freunde. Ich kenne ihn schon seit 25 Jahren. In „Liebe“ spielt er am Freitag, 15. Mai, 20.15 Uhr den Dominik Schneider.   

 

 

Foto: ZDF Michael Marhoffer

 

 

 

Sie sind derzeit in der Produktion für weitere Folgen?

 

Ja, wir fangen jetzt im Mai wieder an mit dem Dreh für weitere Folgen „Die Chefin“.

 

In der Folge „Die Treibjagd“ (ZDF, Freitag, 8. Mai, 20.15 Uhr) geraten Sie in einen Hinterhalt. Sie meinen daraufhin im Film, Sie hätten sich wie ein Anfänger verhalten. Doch Sie geben nicht auf. Wie wichtig ist es Ihnen, in scheinbar ausweglosen Situationen eben nicht aufzugeben?

 

Das kommt auf die Situation an. Im Film habe ich einen direkten Partner verloren. Einen Partner, mit dem ich eng zusammen arbeite. Er wird entführt. Das ist natürlich eine Katastrophe. Auch in anderen Situationen bin ich der Meinung, man muss pragmatisch und gradlinig sein.

 

Gerade im Krimi wird man sich bewusst, wie nahe sich Leben und Tod stehen. Was ist Ihnen wichtig im Leben?

 

Eine gute Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie zu haben. Dass man das, was man tut, mit Freude tut. Egal was es ist. Das ist leider nicht immer möglich, ich weiß. Ich hab auch schon Dinge gemacht, mit denen ich nicht glücklich war. Aber es hat keinen Sinn, sich auf das Unglücklichsein zu konzentrieren.

 

 

Foto: ZDF Michael Marhoffer

 

 

 

 

Foto: ZDF Michael Marhoffer

 

 

Foto: ZDF Michael Marhoffer

 

 

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Wenig Konjunktive!

 

Wie entspannen Sie?

 

Ich mache Yoga. (Erst seit kurzem.) Und beim Drehen bin ich schon sehr körperlich unterwegs.

Zum Ausgleich schau ich aber auch gerne Filme. Ich bin ein Filmjunkie.

 

Haben Sie einen Lieblingsfilm?

 

„Vom Winde verweht“, der gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Ich liebe aber auch „Wie im Himmel“ und „Bittersüße Schokolade“. Ich mag kleine Filme, aber auch die ganz Großen. Und ich liebe Serien. „Homeland“ verschlinge ich. Ich bin ziemlich breit gefächert. (Lacht)

 

Tanzen Sie gern? Mögen Sie den Tango Argentino?

 

Ich mag den Tango sehr gern. Bei uns in der Familie wurde immer sehr viel getanzt. Mein Vater hat mit mir Walzer getanzt als ich ganz klein war. Mit mir auf seinen Füßen. Meine Mutter selbst war Tänzerin. Ich selbst kann Tango leider nicht tanzen, aber ich finde den Tanz sehr schön. Ich liebe auch die Musik von Astor Piazzolla.

 

Diese Kombination aus Klassik, Jazz und dem traditionellen Tango?

 

Astor Piazzolla ist wundervoll. Aufgewachsen bin ich mit klassischer Musik. Meine Mutter war eine lange Zeit mit einem Jazzmusiker zusammen. Er hat hauptsächlich Freejazz gespielt. Das war anstrengend als Kind und Jugendliche. (Lacht) Das fand ich gar nicht toll. Heute stelle ich fest, Jazz höre ich mehr und mehr.

 

Kennen Sie Chet Baker?

 

„You don’t know what love is”, ist mein absoluter Lieblingssong. Ein Mann, so sehr vom Leben gezeichnet und doch diese weiche, zarte Stimme. Ich höre auch gerne John Coltrane, Miles Davis, Artie Shaw …

 

Wenn man etwas liebt, kommt man immer wieder darauf zurück. Meine Lieblingsplatte ist fast noch einfacher zu betiteln, wie mein Lieblingsfilm. „Songs in the key of life“ – Stevie Wonder. Die Platte ist von Anfang an meine Lieblingsplatte. Damals war ich zwölf.

 

Ein Wunsch

 

Ich habe derzeit ein Aupair Mädchen aus Nepal bei mir. Sie hat das Erdbeben dort hautnah miterlebt. Mein Wunsch ist es, dass viele Menschen die Nepal Hilfsorganisationen unterstützen.  

 

 

 

 

 

 

Herzlichen Dank für das schöne, offene Gespräch. Alles Liebe! 

 

 

 

 

 

 

 

'Wenn mich die Muße küsst, gibt es kein Halten mehr'

Emily Cole 

 

 

 

Interview mit Emily Cole  - Schriftstellerin 

von Marion Graeber 

22. April 2015

 

 

Was bedeutet es dir zu schreiben?

 

Wenn mich die Muße küsst, gibt es kein Halten mehr. Da ist es egal, ob sie mich morgens um drei aus dem Schlaf holt, oder ich während einem Spaziergang von ihr überfallen werde. Küsst sie, bleibt alles andere liegen. Dann zücke ich mein Notizbuch, wo immer ich bin, tippe hektisch ins Notizprogramm meines Handys oder setze mich zuhause mit meinem Laptop auf den bequemsten Ohrensessel, der je gebaut wurde (is wirklich so). Dann vergesse ich die Zeit, Hunger oder Durst und manchmal sogar meine Kinder (sorry Kinder). Schreiben bedeutet also Eintauchen in die Seelen meiner Probanden, in ihre Welten und Geschichten, abschotten vom normalen Leben. Hebe ich dann nach Stunden erstmals den Kopf um inne zu halten, befriedigt mich nichts mehr als dutzende vollgetippte Seiten vor mir liegen zu sehen.

 

Hast du schon als Kind/Teenager gern zur Feder gegriffen?

 

Ohja, mit großer Leidenschaft sogar. Ich habe noch unzählige, mit Schreibmaschine getippte Geschichten, Märchen oder Gedichte aus meiner Jugendzeit. So schlecht ich auch in Diktaten war, von Mathe gar nicht erst zu reden, in Aufsätzen war ich schon immer sehr gut. Schreiben begleitet mich also seit gut dreißig Jahren.

 

Was hast du damals geschrieben?

 

Als begeisterte Reiterin habe ich sehr viele Pferdegeschichten geschrieben. Von Geisterpferden, von Mädchen, deren Wunsch nach einem eigenen Pferd erfüllt wurde, von wilden Mustangs, die nur von der stolzen, unabhängigen und mutigen Reiterin gezähmt werden konnten. Ich habe aber auch eine etwas schaurige Ader, die ich ausgelebt habe. Mit etwa 14 Jahren habe ich ein ganzes Drehbuch zu einer Werwolf-Geschichte geschrieben.

 

Was war dein Berufswunsch nach der Schule?

 

Nun, nach der Grundschule wollte ich unbedingt und ausschließlich Reitlehrerin werden. Aber diese Idee schob sich von selbst in den Hintergrund, da ich erst gegen Staub allergisch wurde und dann, zu allem Übel, gegen Pferde. Ein herber Verlust für die Reiterwelt – ich wäre bestimmt eine gute Reitlehrerin geworden.

Mir war schon recht früh klar, dass ich ins Hotelgewerbe möchte. Es hat mir immer gefallen, in der Hektik eines großen Hotelbetriebs mit zu werkeln. Bereits als zwölfjährige habe ich bei guten Freunden meiner Eltern hinter der Theke stehen dürfen. Letztendlich habe ich das dann auch verwirklicht und meine Ausbildung in der Traube Tonbach gemacht. Ein harter Weg. So hart, dass ich bis jetzt stolz bin, ihn durchgehalten zu haben.

 

Wo bist du geboren und aufgewachsen?

 

Geboren wurde ich in München. Meine ebenfalls aus München stammende Mutter hatte darauf bestanden, dort zu entbinden und reiste zum errechneten Geburtstermin extra in die wunderschöne bayrische Hauptstadt. Allerdings saß sie dann dort geschlagene drei Wochen fest, da ich es nicht sonderlich eilig hatte, Mamas gemütlichen Bauch zu verlassen.

Aufgewachsen bin ich dann mit meinen Geschwistern und Eltern im schwäbischen Ehningen bei Böblingen. In einem riesigen Haus auf 13 Ar Grund – ich hatte eine wunderbare Kindheit.

 

 

 

 

 

Inwiefern haben dich deine Eltern künstlerisch gefördert?

 

Sie haben mir genug Papier und Farbbänder für meine alte Schreibmaschine zur Verfügung gestellt, damit ich immer alles für meine Geschichten hatte. Und natürlich mussten sie sich all die Geschichten stundenlang anhören. Meinem Dad haben sie wohl nicht sonderlich gefallen – er schlief regelmäßig beim Vorlesen ein (was er immer bestritten hat).

 

Hast du Geschwister?

 

Den besten großen Bruder, den man sich nur wünschen kann. Zehn Jahre älter als ich hat er mich mit erzogen, mich geprägt und mir Werte vermittelt, die für mich bis heute Gewicht haben. Allerdings war er auch ziemlich gemein zu mir und hat mich beim Versteckspiel jedes Mal vergessen zu suchen. Und als ich nach gefühlten Stunden aus meinem Versteck gekrochen kam, war er längst mit dem Mofa und seinen Jungs auf und davon gefahren.

Und eine große Schwester, die nicht unterschiedlicher sein könnte als ich. Ich sehe viel besser aus, bin intelligenter als sie, hab die bessere Figur und kann besser tanzen. Und ich kann besser kochen als sie. Und…. Ach Blödsinn. Lacht.

Neun Jahre älter als ich lebt sie in Portland/Oregon und hinterlässt eine große Lücke in mir, weil ich sie nicht so oft sehen kann, wie ich mir wünsche. Sie ist der einzige Mensch, mit dem ich wirklich streiten kann. Und der Einzige, den ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde.

 

Welche Hobbys hattest du als Teenie und welche Musik hast du gehört?

 

Ganz unmädchenhaft war ich schon immer aktiv mit Hammer, Stichsäge und Bohrmaschine unterwegs. Kein Stück Holz war vor mir sicher und wurde zu Hasenställen oder Steckenpferden verarbeitet. Die größte Freude kann man mir bis heute machen, wenn man mit dem „Komm, wir gehen in den Baumarkt!“ – Vorschlag bei mir aufschlägt. Lacht.

Musik, hm….Ich habe Boney M. gehört. Und natürlich die ganzen BeeGees Songs aus den Grease und Saturday Night Filmen. Nicht zu vergessen Cool and the Gang…hach, warn das noch Zeiten.

 

Gibt es etwas wo du sagen könntest  'damit bin ich aufgewachsen' ?

 

Mit aufgeschlagenen Knien, nach vom Zündeln im Wald riechenden Klamotten, atemlos vom Toben und Lärmen auf der Straße, mit Bauchmuskelkater vom Lachen, mit Tränen in den Augen vom Weinen um all die tierischen Filmhelden, mit bayrischem Schweinsbraten und Sonntagsausflügen mit der Familie – damit bin ichaufgewachsen.

 

Dein erstes Buch - wann hast du es geschrieben, wie kam es dazu und wovon handelt es?

 

Es war im Winter 2009. Beim Sperrmüll zusammen suchen fand ich meine alten Geschichten wieder. In einem zerdrückten Karton. Voller Spinnweben. Staubig – aber sie hatten nichts von ihrem alten Zauber verloren. Mit einem Glas Wein, einer Decke und dem Manuskript einer Geschichte, die ich mit 14 Jahren geschrieben hatte, setzte ich mich an den Kamin und begann zu lesen, dann die Zeilen in den Computer zu tippen, um sie zu erhalten. Tja, und dann erwachte die Geschichte plötzlich und entwickelte ein merkwürdiges, von mir kaum steuerbares Eigenleben. Ich korrigierte erst alte Schreib- und Grammatikfehler, dann schrieb und gestaltete ich holpernde Sätze um. Dann fing ein Film in meinem Kopf zu laufen an und Ryan, der Held meiner Geschichte „Jenseits der Scheinwerfer“ begann mir seine Geschichte zu erzählen.

Das tat er 24 Stunden am Tag. Fünf Monate lang. Er schwieg nur so kurz, dass ich feststellen konnte: Wow, ich habe einen ganzen Roman geschrieben. Noch ehe ich das Manuskript ausdrucken konnte, erzählte Ryan auch schon weiter. Und am Tag, als „Jenseits der Scheinwerfer“ in den Druck ging, tippte ich die letzten Worte meines Romans „Im Licht der Scheinwerfer“, dem zweiten Teil um Ryan und seine große Liebe Kate.

 

Findest du in deinem Lebensstil Unterstützung durch deine Kinder?

 

Meine 24jährige Tochter ist einer meiner schärfsten Kritiker. Sie liebt meine beiden ersten Romane und hat sie Probe- und Korrektur gelesen. Die zauberhafte, reine und ganz ohne Kraftausdrücke auskommende Liebesgeschichte um Ryan und Kate ist ganz nach ihrem Geschmack. Sie unterstützt mich, indem sie den Haushalt schmeißt, wenn ich mal wieder versunken in meiner Schreibecke arbeite. Leider mag sie die anderen Romane und Kurzgeschichten nicht. „Ich finde diese Geschichten doof, Mama. Die sind nicht nach meinem Geschmack. Aber ich bin trotzdem stolz auf dich.“

Mein Sohn hat mit 19 Jahren nur die Sorge, dass durch meine Schreiberei das Essen nicht rechtzeitig auf dem Tisch steht. Ansonsten ist er ebenso stolz auf mich, wie seine Schwester.

 

Erzähle von deinen aktuellen Projekten...


Im Augenblick arbeite ich an mehreren Projekten gleichzeitig. Zum einen schreibe ich an einer weiteren Episode für die Thrillerserie Complex West, meiner dritten für die Story um den unheimlichen Gebäudekomplex in Fishkill, New York und dessen merkwürdigen Bewohnern. Zum Anderen schreibe ich an meinem nächsten, großen Roman. So viel kann ich schon verraten: diesmal wird es sehr unheimlich, beängstigend, aber trotzdem, wie gewohnt mit einer Prise Liebe. 
 

 

 

 

 

 

 

 

Wie viel Emily Cole ist in Emily Cole?

 

Eine nicht leicht zu beantwortende Frage. Während Emily, die Schriftstellerin, gern in der Öffentlichkeit steht, die Aufmerksamkeit genießt und von Veranstaltung zu Veranstaltung saust, will die Privatperson Emily am Liebsten im Schmuddellook zuhause auf der Couch sitzen. Oder mit der Familie etwas unternehmen, möglichst ungestört.

 

Dein aktueller Roman 'Complex West' wurde von einem Autorenpool geschrieben. Von dir ist die erste Geschichte. Von wem und was handelt sie?

 

Meine Episode „Apartment 92“ aus der Thrillerserie Complex West handelt von einer jungen Frau, die in Complex West, einem abseits von Fishkill stehenden Gebäudekomplex, lebt. Sie ist Prostituierte und erlebt allerhand skurrile Dinge. Als wären all die abartigen Wünsche ihrer Kunden nicht schon schlimm genug, überfällt sie eines Tages ein maskierter Mann. Anfangs völlig verängstigt, erliegt sie dem Unbekannten. Und wider Erwarten stellt sich der Mann als wundersamer Retter dar.

 

Wie war das, mit einem Autorenteam zu schreiben?

 

Anstrengender, als erwartet. Im Vergleich zu einem Projekt, das man alleine anpackt, ist man ständig in Kontakt mit den anderen. Da kann es auch mal vorkommen, dass man mitten in der Nacht zum Hörer greift, um wichtige Details abzuklären. Da alle Geschichten um den Komplex in gewisser Weise zusammen gehören, und viele der Geschichten Fragen aufwerfen, die erst in einer anderen Geschichte aufgeklärt werden, ist der Kontakt zu den anderen Autoren unerlässlich.

 

Wie entstehen die Gedanken zu einer Geschichte?


Die Ideen zu einem neuen Roman treffen mich meist völlig unvorbereitet. Ich sehe etwas, höre ein Musikstück, lese in der Zeitung etwas oder mir kommt eine Idee, während ich mich unterhalte. Dann halte ich inne und denke über den Gedankenblitz nach, lasse eine Geschichte um den Gedanken entstehen. Oft verwerfe ich solche Ansätze ersatzlos. Aber meist muss ich den Overload im Kopf dann sofort aufschreiben. Ich habe dutzende Ideen-Pakete, die ich irgendwo notiert habe. Ich denke, so schnell werden mir die Romanvorlagen also nicht ausgehen.

 

In 'Complex West' waren Hauptfigur und einige Randbedingungen vorgegeben. Eine neue Erfahrung?

 

Was macht den Unterschied zur normalen Arbeitsweise aus?

 

Schreibt man seinen eigenen Roman, entstehen alle Charaktere und Handlungsstränge während dem Schreiben, oder beim Grübeln, Recherchieren und drüber sprechen. Man erfindet frei und springt zwischen den einzelnen Kapiteln wahllos hin und her. Alle Probanden sind wie eigene Kinder, sie werden aus deinem Herzen geboren, mitsamt ihrem Charakter, ihren positiven oder auch negativen Eigenarten.

Bei einem Gerüst, das vorgegeben ist, ist es völlig anders. Man bekommt eine bereits existierende Person, mit der man sich erst anfreunden muss. Auch die Geschichte mit ihren vorgegebenen Eckpunkten behandelt man im Prinzip wie einen Tannenbaum zu Weihnachten. Man bekommt ihn hingestellt und muss ihn nur noch schmücken.

 

Du liebst Krimis und auch Fantasy? Was ist der Reiz am Schreiben dieser Geschichten?

 

Im Vergleich zu mach anderem Autor lasse ich mich nicht auf ein Genre festsetzen.

Am Liebsten schreibe ich ja eine schöne Liebesgeschichte. Eine, in der meine Leser sich selbst wiederfinden, mitfiebern können, mitleiden und am Ende aufseufzend das Buch mit dem Gedanken schließen können: Hach, wie schön ist doch die wahre, endlose und reine Liebe.

Aber es macht auch Spaß und stellt eine wahre Herausforderung dar, mich auf eine Gruselgeschichte einzulassen. Wenn sich mir auch die Haare aufstellen und ich jedes Mal bei jedem kleinen Geräusch vor Angst zusammen zucke, sobald ich am Schreiben bin. Da grusel ich mich vor mir selbst. Lacht.

Krimis sind wieder eine andere Sparte. Man kann nicht einfach drauf los schreiben, sondern muss einen Plan erstellen mit Anfang, Werdegang, all den Nebengeschichten und dem Höhepunkt der Story. Man arbeitet organisierter, meist mit unzähligen Memozetteln und recherchiert viel.

Fantasy, beispielsweise mit Vampiren, ist nicht so mein Ding. Vor allem, weil die Beste mit  „Twilight“ eh schon geschrieben wurde – ich liebe sie.

 

Weißt du schon mit dem Schreiben der ersten Seiten, wo die Geschichte hinführt und wie sie endet? Oder lässt du dich treiben?

 

Die erste geschriebene Seite ist meist nicht die, welche im Buch dann die Nummer 1 trägt. Man beginnt irgendwo mittendrin. Entweder mit dem Schluss, weil eben diese Szene einem zuerst eingefallen ist. Aber egal, mit welchem Teil man zu Schreiben beginnt, ich weiß selten, wohin mich die Zeilen führen. Oft ändert sich die Geschichte auch und nimmt eine völlig andere Richtung.

 

Wie fühlt es sich an, von 'so vielen Menschen gelesen zu werden'?

 

Anfangs wollte ich meine Geschichten gar nicht veröffentlichen. Nachdem mein erster Roman vollendet war, drängte mich meine Tochter, ihn einem Verlag an zu bieten. Es hat Wochen gedauert, bis ich das Manuskript versendet habe, weil ich Schwierigkeiten hatte, mein „Baby“ einem Fremden zu überlassen. Mein erster Roman beinhaltet so viel von mir, meinen Gefühlen und Wünschen, dass es mir vorkam, als entblöße ich mich vor fremden Menschen, würden sie meine Geschichte lesen. Aber nach langem Überlegen und in mich lauschen habe ich sie dann doch veröffentlich. Es hat mich dann sehr gefreut, schnell Feedback von Lesern zu bekommen, die die Botschaft des Romans sofort erfasst und auch gemocht haben.Ein tolles Gefühl.

 

Wie wichtigist dir die Kommunikation und die Interaktion mit deinen Lesern?

 

Sehr wichtig. Ich schreibe zwar für mich selbst, weil es mir viel Spaß macht. Aber mittlerweile freut es mich, wenn mir Menschen schreiben, ich hätte sie mit meinen Geschichten positiv berührt, ihnen etwas Schönes mitgegeben. Dank den sozialen Medien wie Facebook oder Google+ nutze ich die Möglichkeit der Interaktion mit meinen Lesern. Früher konnte ich noch jedem einzelnen antworten. Aber jetzt habe ich oft dutzende Mails in meinem Postfach und komme kaum noch hinterher, allen zu antworten. Aber lesen tu ich alle, versprochen.

 

Was bedeutet dir Freiheit?

 

Eine so schwere Frage, dass mich kurz der Gedanke streift, sie banal und knapp zu beantworten. Was ich natürlich NICHT tue.

Freiheit bedeutet mir als Schriftstellerin, schreiben zu können und dürfen, was ich möchte. Ohne Zwänge, Termindruck oder Vorgabe. Schreiben zu können, wann immer ich will.

Als Mensch bedeutet mir Freiheit, hingehen zu können, wo immer ich will. Auch, um dort dann zu schreiben. Ich kann selbst entscheiden, wie ich lebe, was ich unternehme, wem ich meine Zeit widme. Freiheit bedeute, mich niemandem unterordnen zu müssen. Mich bei niemandem rechtfertigen zu müssen. Meine eigenen Entscheidungen zu treffen.

 

 

 

 

Bist du Stadtmensch oder liebst du die Natur?

 

Ich lebe auf dem Land. Was herrlich ist. Jeder kennt jeden, man kennt seine Nachbarn noch. Und den Bäcker an der Ecke. Schaue ich aus dem Fenster, sehe ich Wiesen, Felder und Wälder. Ich wohne am Waldrand, habe meine Ruhe und genieße das mit jeder Faser meines Herzens. Mit den Hunden spazieren gehen, die Sonne auf meinem Gesicht, der Geruch von Harz und feuchtem Moos im Wald – herrlich.

Aber ich bin ebenso gern in der Großstadt. Vielleicht, weil ich die Wahl habe. Leben würde ich dort nicht gern, auch wenn es sehr verlockend ist, aus der Tür zu treten und direkt am Puls der Stadt zu stehen mit all ihren Läden, Kneipen und Clubs.

 

Deine Lieblingsstadt ...

 

Nicht New York, oder San Francisco. Auch nicht meine Geburtsstadt München, wenn gleich sie wunderbar ist. Meine Lieblingsstadt ist eigentlich ein Dorf: Valldemossa. Ein bezauberndes Dörfchen in den Bergen des Tramuntanagebirges auf Mallorca, geprägt von kleinen Gässchen, voller Blumen und Töpfen voll mit Pflanzen, die die Bewohner an die Wände hängen. Alte Steinhäuser, kleine Innenhöfe mit alten Brunnen, in denen man gemütlich bei einem Kaffee die Zeit vergessen kann.

 

Dein Lieblingsplatz in der Natur ...

 

Im Wald ist es für mich am Schönsten. Sommer, Wärme und kein Zeitdruck sind drei Komponenten, mit denen ein Spaziergang im Wald zu einem wunderbaren Erlebnis wird.

 

Was bedeutetes dir zu reisen? Welches wäre dein liebstes Ziel?

 

Ich reise für mein Leben gern. Dabei ist es egal, ob es nur für ein Wochenende in eine schöne Stadt geht, oder ich für ein oder zwei Wochen ans Meer fahre. Anfang dieses Jahres waren meine Familie und ich ein langes Wochenende in Paris. Am Liebsten bin ich aber in Florida. Als Kind bin ich dort aufgewachsen, zwischen Mickey Mouse und den anderen Unterhaltungsparks in der Gegend um Orlando. Dorthin zieht es mich immer wieder. Aber ich reise auch gern zu meiner Schwester, die in Portland, Oregon, lebt. Ja, ich denke, die Staaten sind mein Lieblingsziel.

 

Welche Musik hörst du heut?

 

Mein Musikgeschmack entspricht ganz und gar nicht meinem Alter. Im Gegensatz zu Leuten um die Vierzig, die wohl eher auf Schlager und diesen Kram stehen, höre ich meist Techno oder dubstep. Gern auch mal Musik der Achtziger.  Beim Schreiben höre ich je nach Stimmung gern Klavierstücke, beispielsweise von Ludovico Einaudi oder auch Filmmusik mit viel Geigen.

 

Ein besonderes Erlebnis ...

 

Sechs Wochen mit dem Auto von der Ostküste der Staaten kreuz und quer bis rüber zur Westküste, um Land und Leute richtig kennen zu lernen. Das war toll.

 

Eine besondere Begegnung ...

 

Mir fällt spontan die Begegnung mit einer sieben Wochen alten Hundedame ein, die für mich sehr besonders war. Sie saß mit ihren Geschwistern in einem Zwinger auf Mallorca. Spontanverliebt habe ich sie mitgenommen und diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Sie begleitet mich bei Schritt und Tritt.

 

Hast du ein Lebensmotto?

 

Mach dir deinen Feind zum Freund, wenn du ihn nicht loswirst 

 

Ein Wunsch...

 

Ich wünsche mir, dass ich meine Kinder und die Menschen aus meinem inneren Kreis glücklich machen kann. Aus purem Eigennutz – denn dann bin auch ich glücklich.

Und ich wünsche mir einen Audi A3. Gut, das waren jetzt zwei Wünsche, aber ich habe Angst, dass mein altes „Kackfass“ in Kürze den Geist aufgibt. Man kann ja nie genug Wünsche haben, die einen antreiben. Lacht.

 

 

 

 

 

Lieben Dank, liebe Emily. Alles Gute. 

 

 

 

'Ich liebe meine Arbeit und meinen Beruf. Es ist ein Geschenk.'

Christine Neubauer

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

Interview mit Christine Neubauer in Berlin 

von Marion Graeber

03. März 2015

 

Sie sind in Bayern aufgewachsen und leben heute in Berlin und in Palma/Mallorca. Fühlen Sie sich in beiden Städten gleichermaßen wohl?


Mein deutscher Wohnsitz ist in Berlin. Mein Freizeit-, Wahl-, und Seelenwohnsitz ist auf Mallorca. Ich fühl mich sehr wohl in Berlin. Frei und herzlich aufgenommen. Doch ich bin viel zu sehr Südländerin, so dass mich unser oft schlechtes Wetter schon auch nach Mallorca drängt. Ich bin gern auf Mallorca. In Palma. In der Stadt. Ich bin ein absoluter Stadtmensch.


Sie reisen gern, sind gern in fremden Ländern?

 

Ja, ich hab von meinen Eltern sowohl das Reise-Gen, als auch die Verbindung zum Sport mitbekommen.

 

Sie haben mit Ihrem Papa als Kind Boxfilme angesehen? 

Meine Eltern sind absolute Sportfans. Ja, und Boxfans sind wir auch. Ich kann mich an einige Kämpfe erinnern. Besonders haben mir die Boxkämpfe mit Muhammad Ali imponiert und gefallen. Die liefen ja zeitlich versetzt und wurden bei uns mitten in der Nacht ausgestrahlt. Ich kann mich gut erinnern, wie ich da saß, in meinem Schlafanzug, mit einem Marmeladenbrot in der Hand. Lächelt.

 

Sport war Ihnen also immer schon wichtig? Welchen Sport betreiben Sie heute?

 

Also geboxt habe ich nie. Aber ich hab das Boxtraining zur Fitness gemacht. Sehr intensiv, damals auch mit Weight Watchers und einem Personal Trainer. Da ging es um das Abnehmen. Ich mach das jetzt immer noch, aber  in einer neuen Form, die ich selbst entwickelt habe. Nicht so extrem wie damals und nicht zur Gewichtsreduktion. Es nennt sich Boxpilates und ist eine Mischung aus dem Boxtraining und Pilatesübungen. Den Körper straff halten und Muskeln aufbauen steht im Fokus. Für die Psyche und zum Relaxen geh ich joggen.

 

Dann halten Sie sich mit Boxpilates und Joggen fit?

 

Man muss das abwechseln und voneinander unterscheiden. Das eine ist Fettverbrennung und das andere Muskelaufbau und Körperstraffung.

 

Welchen Sport haben Sie speziell als Kind gemacht?

 

Ich bin immer schon gelaufen. Meine Eltern sind auch Leichtathletikfans. Mein Vater hat im Kugeldiskus an Wettkämpfen teilgenommen. Ich hab geturnt. War in der Schule im Turnverein. Geräteturnen, das hab ich gern gemacht. Was ich Jahrhunderte schon nicht mehr gemacht habe, was ich aber glaube ich noch könnte, ist ein Rad schlagen und einen Handstandüberschlag. Lacht. Und Volleyball hab ich auch gern gespielt.

 

 

Foto: ZDF Christiane Pausch


 

Vielleicht tanzen Sie auch den Tango Argentino?

 

Nein, leider nicht. Aber der Tango verfolgt mich. Freu mich sehr, dass Sie so heißen. StuttgarTango. Ich hoffe, ich werde vielleicht noch in diesem Jahr den Tango lernen. Das ist für mich schon immer ein Traum. Tanzen Sie Tango?

 

Ja

 

Dann wissen Sie ja, dass Tango tanzen mehr als nur Schritte gehen ist … 

 

Ja, Tango tanzen ist mehr als nur ein Tanz. Tango tanzen ist Gefühl, Melancholie und eine liebevolle Umarmung.

 

Wo möchten Sie den Tango gern erlernen?

 

Am besten lerne ich das in Argentinien. In Buenos Aires. Der Auslöser wäre natürlich – Daumen drücken – ein Film. Ich hab auch schon für einen Film erfolgreich eine Salsa Nummer einstudiert. Der Tanz liegt mir im Blut und in meinen Hüften. Das ging relativ leicht. Die Tanzszenen kamen gegen Ende des Films, so hatten wir genug Zeit für das Training. Wir haben sogar Hebefiguren gemacht. Lacht.

 

Der Tango Argentino und seine Musik. Das liegt nicht jedem. Welche Musik mögen Sie?

 

Tangomusik ist natürlich immer sehr schwer. Man begibt sich voll in das Gefühl hinein. Da hat man nicht immer die Stimmung dazu. Lacht. Ich höre auch klassische Musik und Songs, die gerade so angesagt sind. Da gibt es vieles, was ich gerne höre. Wir hören aber natürlich auch viel Latinomusik. Sehr gerne auch Vinyl.

 

Wo finden Sie die Schallplatten?

 

Teilweise kommen sie von mir. Ich hab sie wieder entdeckt, weil ich sie hatte. Mein Lebenspartner, José ist absoluter Schallplattenfan. Wir sind aber auch viel auf Antik- und Flohmärkten unterwegs. Da haben wir schon sehr viele schöne Stücke entdeckt. In Spanien kommen besonders viele alte Julio Iglesias Platten zum Vorschein, die ich auch gerne höre. Da schwelgt man so komplett in einem schönen Gefühl.

 

 

Foto: ZDF Christiane Pausch

 

 

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Anzunehmen und dankbar zu sein, was das Leben für einen bereit hält. Vor allen Dingen Demut vor dem Leben. Auch wenn es mal schwer ist – es positiv sehen.

 

Sie sind drei Monate mit dem Auto durch Chile gereist. Ihre Erfahrungen ...

 

Wir sind vom Süden in den Norden gefahren. Haben beispielsweise Schlittenhunde im Schnee besucht. Der Süden wird ja gerne mit Bayern, Österreich und der Schweiz verglichen. Das ist für mich nicht so der Hype. Das kenn ich ja. Lacht. München, da ist Garmisch ja vor der Haustür. Am Schliersee, da bin ich oft mit meiner Oma gewesen.  

 

In Chile sind wir große Strecken gefahren. Ich musste über die Sandberge der Atacamawüste. Vorbei an lebensgefährlichen Abgründen. Über schmale Spuren. Große, beladene Lastwagen im Gegenverkehr. Aber das war eine tolle Zeit. Ich bin schon immer Fan der Atacamawüste gewesen - wollte sie durchfahren bis zum nördlichsten Punkt in den magischsten Ort der Welt. St. Pedro de Atacama. Dort, wo die Naturschauspiele zu Hause sind. Das Tal des Mondes (Valle de la luna), das Tal des Todes (Valle de la muerte) und die Straße der Dinosaurier. Fels-, Sand- und Salzformationen. Wir sind eine Woche geblieben. Ich hab dort auch mal gedreht und ich musste dort unbedingt wieder hin.

 

Foto: ZDF Christiane Pausch

 

 

 

Das Leben spüren, reisen, loslassen, was anderes tun?

 

Ja, das ist auch ein ganz berührendes Thema im Film „Franziskas Welt“, das bis in mein Privatleben geht. Ja, loslassen – wie Sie sagen.

 

Ich liebe meine Arbeit und meinen Beruf. Es hat für mich nichts Negatives arbeiten zu müssen. Es ist ein Geschenk. Doch man kann nicht einen Film nach dem anderen drehen. In den drehfreien Zeiten muss und kann man dann loslassen und hat die Chance andere Dinge im Leben zu tun. Und man kann Positives daraus ziehen.

 

Das gilt für alle Lebenslagen? Auch für schwierige Zeiten?


Man muss sich sich selbst stellen. Mit seinem Gefühl und auch mit der Verletzlichkeit und vielleicht auch dem Schmerz. Das annehmen. Nach einer gewissen Zeit kommen auch wieder kleine Lichtblicke und diese formen sich dann zu einer großen Chance. So sehe ich das in meinem Leben.

 

 

Foto: ZDF Christiane Pausch

 

 

Foto: ZDF Christiane Pausch

 

 

 

Wie beurteilen Sie selbst den Film „Franziskas Welt“?

 

„Franziskas Welt“ zeigt Themen auf, mit denen viele Menschen in Berührung kommen. Sich berührt fühlen. So ist ‚loslassen‘ ein übergeordnetes Thema. Auch Franziska muss loslassen. In ihrer Welt und in der als Pastorin. So hilft sie beispielsweise Karin (Michaela May) bei der Verarbeitung der Alzheimer Krankheit ihres Mannes.

 

Apropos Krankheiten und Leid – auch Sie verfolgen soziales Engagement. Bieten Hilfen an. Welche?

 

Ich bin Schirmherrin des Hörfilmpreises. Hier geht es darum, dass auch blinde und sehbehinderte Menschen Filme genießen können. Außerdem unterstütze ich die Christoffel Blindenmission. In der Zusammenarbeit mit RTL und dem Spendenmarathon wird eine von einem Erdbeben zerstörte Schule für blinde und sehbehinderte Kinder in Chile aufgebaut.

 

In Form von Patenschaften unterstütze ich privat die Organisation Plan International. Seit über zehn Jahren. Dort habe ich Patenschaften für Kinder übernommen. Ein zwölfjähriges Mädchen aus Paraguay und ein weiteres Mädchen aus Kambodscha. Ich habe beide Mädchen schon besucht. Auch einen indischen Jungen hab ich unterstützt. Er ist jetzt 22 Jahre alt und steht voll im Leben.

Bei den Patenschaften werden insbesondere die Kinder unterstützt. Schulbildung wird ermöglicht. Doch auch Projekte im Umfeld der Kinder werden berücksichtigt.

 

Veränderte sich Ihr Leben durch diese Erfahrungen?

 

Das Leben ändert sich, wenn man sich sozial engagiert und in diese Länder reist. Man sollte, und das muss ich jetzt auf bayerisch sagen, „man sollte und muss über seinen eingekastelten Raum hinaus schauen“. Einen Blick wagen.  

 

Sie malen. Ist die Malerei auch ein Instrument zur Verarbeitung von Erlebnissen?

 

Ich habe immer schon gerne gemalt. Wie auch mein Vater, der das aber nie aus seinen vier Wänden rausgetragen hat. Er arbeitet viel mit Holz. Ich hab mich immer schon gern künstlerisch ausgedrückt. Ich hab ja auch die Chance größere Pausen zu haben, wie beispielsweise in den vergangenen Jahren. So kann ich aber weiterhin ein künstlerischer Mensch sein. Ich kauf mir eine Leinwand und Bilder entstehen.  

 

Es sind viele Bilder entstanden. Das kam wie in Wellen und musste raus. Und das mach ich auch weiter so. Neben dem Sport hat mir das sehr geholfen. Es ist ein schönes Gefühl für mich, kreativ zu sein. Sein zu können.

 

Sie stellen Ihre Kunst auch aus?

 

Ich hatte bisher zwei Ausstellungen. Eine auf Mallorca und eine im Hamburg.

 

Was bedeutet Ihnen – gerade im Hinblick auf den Film „Franziskas Welt“ – Glaube?

 

Glaube – immer schon im Sinne der Menschlichkeit. Ich glaube an etwas über uns. Ob man das jetzt Gott, Allah oder Buddha nennt – ich glaube vor allen Dingen an die Menschlichkeit. Obwohl unsere Welt sehr viel Zweifel aufkommen lässt. Aber Glaube ist eben auch immer mit dem Zweifel verbunden.  

 

Ich glaube auch an Bestimmung. Das Leben hält Situationen für uns bereit. Diese müssen angenommen und im Sinne der Menschlichkeit behandelt, gelebt und verarbeitet werden.

 

Auch ein großes Thema im Film – das Alter und Krankheiten

 

Ich denke, dass Krankheiten natürlich immer auch mit dem Alter verbunden werden. Aber das muss nicht unbedingt sein. Das Alter vermittelt einem keine positive Vision. Aber Angst habe ich davor nicht. Auch nicht vor Alzheimer.  

 

Was vorbereitet ist, für mich in einer gewissen Weise bereit steht – das muss durchlaufen werden. Daran glaube ich.

 

 

 

 

 

Liebsten Dank für das schöne Gespräch, Frau Neubauer.   

Alles Liebe. 

 

 

 

 

 

René Ifrah verkörpert Dr. Antonio Alvarez in "Franziskas Welt" 

 

 

'Ich sehe alles, was ich in meinem Leben tue, als Teil eines gesamten Erlebnisses'

René Ifrah

 

 

Foto: ZDF Christiane Pausch

 

 

 

Im Gespräch mit René Ifrah  

Marion Graeber

03. März 2015

 

 

Du bist im Film "Franziskas Welt" mit der Pastorin Franziska liiert. Verkörperst den Arzt, Dr. Antonio Alvarez. Wie wichtig ist dir persönlich der Glaube? Bist du religiös?

 

Mir persönlich ist Glaube an etwas 'Größeres' sehr wichtig. Es hilft einem über so manch unausweichliche Hürde im Leben.

Religion an sich interessiert mich eher im historischen oder kulturellen Kontext. Sehr sogar, da Geschichte von Glaube oder Religion kaum zu trennen ist.  

 

Im Film siehst du dich mit Franziska der Herausforderung gegenüber, Privatleben und Beruf zu vereinen. Auch persönlich ein Thema für dich?

 

Weniger. Ich sehe alles was ich in meinem Leben tue als Teil eines gesamten Erlebnisses. Ich finde Trennungen oft zu anstrengend.

 

Franziska ist etwas älter als du. Altersunterschied in Beziehungen. Deine Meinung dazu...

 

Das müssen die Personen entscheiden, die sich darauf einlassen. Es wird sicherlich seine Vor- und Nachteile haben. Ich persönlich bin der Meinung, dass jeder selbst entscheiden muss, was ihn glücklich macht.  

 

Was bedeutet dir deine persönliche Freiheit und das Ausleben deiner Träume? In Anlehnung an den Film.

 

Eigentlich alles. Sowohl privat als auch im Film. Obwohl ich behaupten würde, dass meine Filmfigur etwas mehr Privatraum braucht, als ich persönlich. Es könnte sein, dass meine Figur eine Angst vor Nähe und privater Verantwortung hat.  

 

Franziska fährt in "Franziskas Welt" Motorrad. Hat eigens für den Film einen Motorradführerschein gemacht. Fährst du selbst auch Motorrad?

 

Ich liebe nichts mehr als Motorrad zu fahren. Gerade in Bezug auf Freiheit gibt es nichts, was mir mehr Gefühl an Freiheit vermittelt.  

Auch meine Mutter kann es kaum abwarten, bis es endlich wärmer wird. Wir machen gerne Touren ins Umland. Die anderen Verkehrsteilnehmer scheinen sich oft darüber zu amüsieren, wenn sie meine Mutter hinter mir jubelnd auf dem Motorrad sitzen sehen.

 

Musstest du auch schon mal für den Film Kurse belegen, weil die Filmrolle es verlangte?

 

Ja, ich finde das ist ein interessanter Aspekt des Berufes. Man darf Dinge erlernen, mit denen man normalerweise nicht unbedingt in Berührung kommen würde. Für diesen Film habe ich beispielsweise einen Segelkurs belegt. Für andere Produktionen musste ich auch schon Schwert- und Kampftraining machen, Sprachunterricht und so weiter.

 

Die Krankheit Alzheimer ist ein zentrales Thema im Film. Gibt es Ängste vor dem älter werden oder lebst du den Moment?

 

Ganz frei vor einer Angst vor dem Alter bin ich nicht mehr so sehr. Das muss ich gestehen. In dem Jugendwahn in dem ich aufgewachsen bin und in dem wir uns befinden verdrängt man solche Themen ja eher. Ich sehe das jedoch als problematisch an. Ältere Menschen werden in unserer Gesellschaft mehr und mehr als Unbequemlichkeit angesehen. Man geht ihnen und der Situation aus dem Weg. Ich finde das ist eine tragische Entwicklung und Aussage unserer Kultur.  

 

Um nochmal auf die Frage zurück zu kommen. Ich habe weniger Angst davor zu altern, als vielmehr davor, wie man als älterer Mensch wahrgenommen und behandelt wird. Älter werden ist ein unausweichlicher und wichtiger Bestandteil des Daseins und ich möchte mich auch auf diesen Lebensabschnitt freuen können. Soweit dies möglich ist.  

 

 

   

 

'Für mich ist Heimat immer ein Gefühl, das ich mit Menschen habe'

Michaela May

 

Foto: ZDF Christiane Pausch

 

 

 

 

Michaela May im Interview – Freitag, 20. März 2015

Marion Graeber

 

 

  

Sie hatten am Mittwoch, 18. März Geburtstag. Haben Sie diesen Tag schön verbracht?

 

Ja. Ich habe ein Klimaschutzreferat in Hannover gehalten und den Abend zuhause mit tollem Essen auf der Dachterrasse verbracht.

 

Hatten Sie die Möglichkeit die heutige Teil-Sonnenfinsternis zu sehen?

 

Ja, das haben wir hier in München gut gesehen mit Blick über den Dächern. Am Deutschen Museum standen viele Menschen. Von dort aus wurde es meines Wissens auch übertragen.

 

Ihre Berufswunsch: Schauspielerin und Erzieherin

 

Ich hab schon als Kind gedreht. Bin über’s Ballett zur Schauspielerei gekommen. Mir hat das von Anfang an wahnsinnig Spaß gemacht. Kindergärtnerin auch. Letztendlich hab ich dann die Ausbildung für beides gemacht.

 

 

Foto: ZDF Christiane Pausch

 

 

 

Wie wichtig ist Ihnen Heimat?

 

Für mich ist Heimat immer ein Gefühl, das ich mit Menschen habe, Menschen, die mich begleitet haben, bei denen ich mich geistig und mental zuhause fühle. Mir kommt es weniger auf die Stadt an. Das kann überall sein.

 

Was bedeuten Ihnen die Gegensätze Stadt und Natur?

 

Ich lebe auf dem Land und in der Stadt. „Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“. Aufgewachsen bin ich auch auf dem Land und in der Stadt und ich verspüre bis heute eine starke Lust auf Natur, Berge und Seen. Der Quell meiner Entspannung ist immer die Natur.

Doch ich brauche auch die Stadt. Die Nähe zu Theater, Museen und Freunden.

 

Sie entspannen auch bei Yoga?

 

Yoga hilft für die Beweglichkeit von Körper, Geist und Seele.

 

Wie stark sind Sie beeinflusst durch Ihre Rollen?

 

Jeder Film ist immer ein neues Leben. Man lebt durch die Rollen viele Leben. Man beamt sich rein in die Situation. Das beschäftigt einen stark, beeinflusst aber nicht mein eigenes Leben.

Ob Liebe, Krankheit oder Beruf – durch eine Rolle wird immer eine bestimmte Situation geschaffen. In Franziskas Welt geht es um die Krankheit Alzheimer.

Es ist mir wichtig, eine Nähe zu der Figur zu suchen, die ich darstellen soll. Ich versuche in das jeweilige Thema und Milieu einzutauchen. Ich schau mir die Situationen genau an, um die Authentizität möglichst hoch zu halten und Versuche mir dieses andere Leben überzustreifen.

 

Musik spielt bei gesunden und kranken Menschen oft eine große Rolle. Wie wichtig ist Ihnen Musik? Was hören Sie?

 

Ich bin mit den Beatles und den Stones aufgewachsen, die mich immer noch stark prägen. Aber ich hab durch meine Eltern auch einen Zugang zur klassischen Musik.  Ich höre sehr gerne Schubert und Bach. Aber auch ein bisschen Jazz. Lacht  - von den Beatles bis Hubert von Goisern.

 

Kennen Sie den Tango?

 

Es gab einen Film, in dem ich den Tango ein wenig gelernt habe. Das ist gar nicht so leicht. Kein einfacher Tanz, aber ein faszinierender Tanz. So unglaublich emotional. In Buenos Aires hab ich den Tango hautnah erlebt, das packt einen schon. Das hat eine enorme Erotik.

 

Ihr Lebensmotto

 

„Du hast keine Chance, aber nutze sie“, von Herbert Achternbusch.

Der Satz zeigt auf, dass wir alle endlich sind auf dieser Welt -  alle irgendwann sterben müssen. Wir sollten also das, was wir hier erleben können, was das Leben uns bietet, gründlich ausnutzen.

 

Ein Wunsch

 

Dass die Menschen miteinander auskommen. Frieden. Das Leben ist im Moment sehr beängstigend. Mein Wunsch ist es, dass sich Menschen annähern. Sich nicht bekämpfen. Im Gegenteil: Sie sollen sich unterstützen und gegenseitig helfen.

 

 

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

 

Soziales Engagement

 

Michaela May engagiert sich seit vielen Jahren für Kinder und Erwachsene, die  unter der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose leiden. Durch den Gendefekt produzieren die Betroffenen einen extrem zähflüssigen Schleim, der lebenswichtige Organe, wie Lunge, Bauchspeicheldrüse, Leber und Darm verstopft. Häufige Symptome sind chronischer Husten, chronische Lungenentzündungen, Verdauungsstörungen und Untergewicht.

Als 'Botschafterin der Hoffnung‘ vertritt Michaela May die Anliegen der Betroffenen in der Öffentlichkeit und unterstützt den Mukoviszidose e.V.

 

 

 

 

 

 

Tilo Prückner Schauspieler  

und  

Regisseur Bruno Grass 

   

Foto: Marion Graeber

 

 

Im Gespräch mit Bruno Grass und Tilo Prückner

Marion Graeber

03. März 2015 

 

Bruno Grass:

 

Gerade in Bezug auf das Thema Alzheimer soll der Film nichts verniedlichen. Es gibt komische Momente, aber wir haben es auch hinbekommen, dass er Tragik beinhaltet.  

 

Wir haben uns auch sehr intensiv mit Musik und Demenz auseinander gesetzt. Anfangs wussten wir gar nicht, was für eine große Rolle die Musik, auch in der Therapie, spielt.  

 

Die Drehtage und auch die ganze Organisation im Vorfeld ist heute sehr gut durchdacht. Am Set möchte man, dass alles gut gelöst und vorgearbeitet ist. Die Schauspieler sind unser größtes Gut.  

 

Tilo Prückner:

 

Und für uns Schauspieler ist es wichtig, dass der Regisseur eine Situation schafft, in der man befreit produzieren kann. Der Regisseur ist der Kommunikator für das gesamte Team.

 

Zum Thema Alzheimer sagt Tilo Prückner:

 

Wenn man älter wird, denkt man ja automatisch "Oh, jetzt geht's los". Ich hab auch früher mal Sachen verlegt, da war das kein Problem. Heute denkst du "Ohoh". 

 

 

 

 

 

 

Die Produzentinnen:  

Regina Ziegler, Gabriele Lohnert

 

Foto: Marion Graeber

 

 

 

 

Im Gespräch mit Gabriele Lohnert  

Marion Graeber

03. März 2015

 

Gabriele Lohnert: 

 

Es sind die menschlichen Werte, welche die Pastorin im Film "Franziskas Welt" umtreiben. Weniger die Religion. Sie ist eine Person, die man im Alltag an seiner Seite haben möchte und haben kann. Das ist im Grunde das Anliegen an die Figur.  

 

Der Film soll Hoffnung machen und einen wertschätzenden Zugang ermöglichen. 

 

 

 

 Lieben Dank 

 

'Wenn meine Familie mich beispielsweise am Set in Amerika besucht,  

dann ist für mich dort Heimat'

Henriette Richter-Röhl 

 

Foto: ZDF Simon Vogler

 

 

   

 

 

Interview mit Henriette Richter-Röhl 

von Marion Graeber

15. Januar 2015

 

Sie sind in einer Schauspielerfamilie aufgewachsen. Wie sind Ihre Empfindungen?

 

Ja, ich bin zwischen und mit vielen Schauspielern aufgewachsen. Meine Eltern, meine Tante, mein Onkel. Schauspieler gingen bei uns ein und aus. Ich hatte immer den Eindruck alle Erwachsenen sind Schauspieler. Es war mir gar nicht klar, dass es auch andere Menschen gibt. Ich dachte, dieses Leben ist die Normalität. In der Kindheit war ich oft mit meiner Cousine Anna bei den Theatervorstellungen mit dabei und nach den Vorstellungen in der Kantine. Das war unheimlich aufregend.

Doch irgendwann hat sich das auch gedreht. Das waren ja immer Erwachsenenstücke. Aber es war schon ein sehr lebhaftes zuhause, was wir da hatten.  

 

Dann war es für Sie klar, dass Ihr Weg Sie auch zum Schauspiel führen würde?

 

Es stellte sich nie die Frage.

 

Nie einen anderen Berufswunsch gehabt?

 

Nicht wirklich.

 

Ihre erste Rolle hatten Sie dann mit 15 Jahren

 

Ja, das war damals in ‚Praxis Bülowbogen‘. Ich hab eine Freundin zum Casting begleitet. Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht auch vorsprechen möchte. Die Freundin hab ich verloren, aber die Rolle bekommen. Das war ein unglaubliches Gefühl. Im Fernsehen mit zu spielen, das war Neuland. Meine Familie kam ja doch hauptsächlich aus dem Theaterbereich. Set-Erfahrung hatte ich nicht.

 

Was bedeutet Ihnen die Schauspielerei?

 

Die Frage ist interessant, weil sich das in den vergangenen drei Jahren ziemlich verändert hat. Die Schauspielerei ist ein ganz selbstverständlicher Bestandteil meines Lebens. Sie ist mir auch immer leicht gefallen. Was bin ich für ein Glückspilz, dass ich einen Beruf habe, der mich so glücklich macht und von dem ich auch noch leben kann.

Doch durch das Älter werden, das Muttersein, da fängt man an das alles auch mal zu hinterfragen. Da hab ich auch mal einen Moment mit mir gehadert. Aber ich denke, das ist mit Anfang 30 auch ganz normal und gesund. Man muss ab und zu einen neuen Blick auf sein Leben werfen und auch ab und an die Ansprüche an sich ändern.

 

 

 

 

Foto: ZDF Simon Vogler

 

 

 

 

Theaterarbeit / Filmarbeit. Was sind die Unterschiede?

 

Filmarbeit ist mir wahnsinnig geläufig. Da gibt es wenig was mich an die Grenzen bringt. Bei einer schwierigen Rolle, da weiß ich, wie ich mir die Rolle ‚holen‘ kann, wie ich sie spiele und wie ich bestehen kann.

Beim Theater habe ich im vergangenen Jahr im Stück ‚Don Carlos‘ die Rolle der Königin Elisabeth gespielt. Ich bin da ganz naiv reingestolpert. Plötzlich war ich auf der Bühne mit lauter Theatergrößen. Doch die Kollegen haben mich toll an der Hand genommen. Nach einer anfänglichen Unsicherheit bin ich dann über mich hinausgewachsen. Das war eine schöne Erfahrung. (lächelt)

Es ist ein Wunsch von mir geworden, mehr Theater zu spielen. Beim Theater musst du dein Handwerk benutzen. Kannst anwenden, was du auf der Schauspielschule gelernt hast. Die Sprache, den Ausdruck. Das ist beim Film oft gar nicht gefragt. Beim Film muss man eher klein spielen. Auf der Bühne, musst du alles einsetzen, was du hast. Da musst du dich sprichwörtlich ‚nackig‘ machen, sonst kommt das in der letzten Reihe nicht an.  Das ist eine ganz andere Arbeit.

 

Wie empfinden Sie als Theaterschauspielerin die Nähe zum Publikum?

 

Das war auch etwas ganz Neues. Der Applaus – da muss man sich erst mal daran gewöhnen. Das war mir anfangs schon fast peinlich.

 

Sie waren auch Frontfrau einer Musikband?

 

Ja, das ist aber schon lange her. Das war während meiner Schulzeit auf dem Gymnasium. Wir haben Rockmusik gespielt. Die Band gibt’s schon lange nicht mehr. Alle haben Familie und andere Berufe. Aber ich hoffe, dass es doch nochmal passiert und es die Möglichkeit gibt zu singen.

 

 

Foto: ZDF Simon Vogler

 

 

 

 

Wie kann man sich die Musik vorstellen?

 

Das könnte man vergleichen mit der Band ‚JULI‘. Das waren junge Texte. Ich hab gesungen, Anna hat Bass gespielt. Wir waren zwei schicke Mädchen und zwei schicke Jungs. (Lacht). Wir haben auch einige Bandwettbewerbe gewonnen.

 

Welche Musik hören Sie heute?

 

Ich bin da nicht so festgelegt. Mit den Charthits kann ich nicht so viel anfangen. Die Musik und die Texte von Sophie Hunger find ich ganz gut.

 

Kennen Sie den Tango?

 

Tango weniger. Mehr den Fado. Den Fado hab ich kennen gelernt, als ich in Portugal war. Das hat mir sehr gefallen.

 

Tanzen Sie?

 

Ich habe leider eine ausgeprägte Tanzhemmung (lacht). Ich schau mir die Tanzenden an und denke mir, warum machen die das? (lacht). Ganz schlimm auch, wenn ich im Film tanzen muss, da muss ich mir vorher richtig Mut machen.

 

 

Foto: ZDF Simon Vogler

 

 

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Nein. Aber ich versuche andere immer so zu behandeln, wie ich selbst auch behandelt werden möchte. Und ich bin dankbar. Lebe den Tag, den Moment.

 

Was ist für Sie Glück?

 

Glück. Was mich glücklich macht, ist meine Familie. Glück ist auch, wenn man in der Lage ist gute Gedanken zu haben. Das klappt ja leider an manchen Tagen so gar nicht. Klarheit, das macht auch glücklich.

 

Freundschaften am Set, gibt es die?

 

Lustig, dass Sie das fragen. Da hab ich auch kürzlich darüber nachgedacht. Doch leider halten die allerwenigsten Set-Freundschaften. Das geht meist über ein paar Jahre, doch dann verliert sich das wieder. Ich habe festgestellt, dass man doch immer wieder auf die Freunde aus der Schulzeit zurück kommt.

 

Sie haben in Soko Stuttgart mitgespielt. Wie finden Sie Stuttgart?

 

Total schön. Ich war verblüfft. Auch die Weinberge in der Stadt – das hab ich so überhaupt noch nie gesehen.

Aber ich war geschockt über die hohen Mietpreise der Wohnungen.  

 

 

 

Foto: ZDF Richard Hutchings

 

 

Sie tragen Ihre Haare jetzt kurz

 

Ja, die Veränderung stand an für eine Rolle. Aber ich hab tatsächlich auch darauf gewartet sie einmal abschneiden zu können. Das hat jetzt zudem zu meinem ganzen Innenleben gepasst.

 

Reisen Sie gern?

 

Ich dreh total gern in Österreich. Es ist ein sehr biederes Land, aber ich bin da so gern beim Dreh. Dort herrscht so eine Ruhe, Klarheit und Struktur. Die Leute sind so wahnsinnig anständig. Das gefällt mir bei der Arbeit sehr gut. Es ist sehr schön über die Arbeit in fremde Länder und an verschiedene Orte zu kommen.

 

Sie waren auf dem Traumschiff, wie war das?

 

Da hab ich leider nicht so gute Erinnerungen daran. Auf dem Traumschiff hab ich erfahren, dass ich schwanger bin. Seegang und Schwangerschaft – das war schwierig.

 

Wie und wo tanken Sie Kraft?

 

Kraft tanken – das ist für mich immer die Natur. Ein Wald, ein See. Egal bei welchem Wetter. Da komm ich zur Ruhe und kann mich entspannen. Es tut mir schon gut an die Natur zu denken, sie mir vorzustellen.

 

Wie gewinnen Sie Inspiration?

 

Ich gehe jede Woche in Berlin ins Theater. Da ist immer etwas dabei, was mich berührt.

 

Rollen vorbereiten

 

Das geht über das Studium des Drehbuchs. Der erste Drehtag ist immer etwas unsicher. Aber nach ein/zwei Drehtagen hat man die Figur.

 

Was ist für Sie Heimat?

 

Heimat ist für mich Familie.

 

Nicht an eine Gegend gebunden?

 

Nein, wenn meine Familie mich beispielsweise am Set in Amerika besucht, dann ist für mich dort Heimat. Heimat ist überall, wo meine Familie ist.

 

Sie sind Mutter einer siebenjährigen Tochter. Denken Sie Ihre Tochter fühlt sich auch dem Schauspiel nahe?

 

Ja, sie spielt so gerne Dinge und Szenen vor. Jetzt schon. Sie hat wirklich Talent. Auch die Schule, welche sie besucht, hat viele Angebote in dieser Richtung. Fördert dies.

Wenn es sie glücklich macht, hab ich da nichts dagegen. Dieser Beruf macht ja auch mich glücklich.

 

 

 

 Liebsten Dank für das sehr schöne Gespräch. Alles Liebe. 

 

 

 

 

 

 

'Die Menschenliebe ist Sinn unseres Daseins'

René Ifrah 

 

Foto: ZDF Simon Vogler

 

 

 

René Ifrah ist ein Mann mit Tiefe. In Deutschland geboren, wanderte er gemeinsam mit seiner Familie in die USA aus. Er lebt in Brooklyn/New York. Doch auch Deutschland und insbesondere Berlin spielen für den Künstler eine große Rolle. Seine künstlerische und schauspielerische Tätigkeit entwickelte sich früh. Der Weg in die Kunst ist mir schon in die Wiege gelegt worden, sagt er heute. Sensibel, zärtlich, nah und mit einer tiefen Wärme  zeigt er sich in Liebeskomödien, wie beispielsweise im ZDF Herzkino Eine Liebe in New Yorkund in  Das Geheimnis der Villa Sabrini.

 

Man spielt ja im Grunde immer sich selbst, sagt er im Interview. Genau das ist in den Filmen mit René Ifrah zu spüren.

 

Doch René Ifrah weiß: Der Mensch hat so unheimlich viele Facetten". Und weiter: "Was mir Spaß macht ist der Inbegriff des Menschen zu sein und zu spielen. So sind es nicht nur die Liebeskomödien, die der Schauspieler  mit seiner Präsenz bereichert. Neben "Soko 5113", "Alarm für Cobra 11" oder in Donna Leons Acqua alta, um nur einige zu nennen, spielt er auch in Kriminalfilmen, Serien und zahlreichen Filmproduktionen wichtige Rollen. In Deutschland, wie auch in den Staaten. Im Jahre 2004 erhielt er zudem den Grimme Preis für "bester Schauspieler - Film: Grüsse aus Kaschmir".  

 

Ob Beau oder Bösewicht René Ifrah spielt seine Rollen mit Leidenschaft und aus der Tiefe seines Herzens.

 

 

 

Interview mit René Ifrah 

Von Marion Graeber

14. Dezember 2014   

 

 

 

 

Du bist in Frankfurt am Main geboren und später mit deiner Familie in die USA ausgewandert. Wann war das?

 

Ich war zehn Jahre alt, als wir nach Brooklyn gezogen sind. Mein Vater ist Amerikaner. Während unserer Zeit in Deutschland hat er für die Alliierten gearbeitet. Mit ihm hab ich mich nur Englisch unterhalten. Mit meiner Mutter sprach ich Deutsch. Ich bin also zweisprachig aufgewachsen. Ich war aber auch oft in Sizilien, bei meinen Großeltern.

 

Hast du Geschwister?

 

Ja, zwei jüngere Schwestern. Sie sind beide in den Staaten geboren.

 

Welcher Sprache fühlst du dich näher?

 

In Deutschland fühlte ich mich schon der deutschen Sprache näher. Ich sprach zwar mit meinem Vater nur in der englischen Sprache, aber mein soziales Umfeld war ja ein anderes. Als wir dann in den Staaten waren, sprach ich dann eigentlich nur noch Englisch. Dazu kommt, dass in Brooklyn die deutsche Sprache eher verpönt war. Unser Viertel war jüdisch geprägt und ich wurde dort - eigentlich das erste Mal - mit der negativen Seite von Deutschland konfrontiert.  

 

Verschiedene Sprachen unterschiedliche Identitäten?

 

Nach der Pubertät hab ich gemerkt, dass man Seiten und Identitäten von sich nicht so einfach wegschieben kann. Nach der Scheidung meiner Eltern, da war ich so 17 Jahre alt, war ich in New York auf mich allein gestellt. Mit 22 Jahren hab ich über meine Cousine die Möglichkeit gehabt nach Berlin zu reisen. Ich hab dann mein Geld zusammen gekratzt und mir ein Zwei-Wochen-Ticket gekauft.

Doch ich hab gesehen, dass ich in diesen zwei Wochen nicht mal habe anfangen können, die Fragen, die ich an meine deutsche Seite hatte, aufzuklären.  Ich war neu in Berlin. Sprach inzwischen kein Deutsch mehr. Die Stadt und das Leben waren mir nicht vertraut.

Ich hab mich dann entschlossen, erst mal zu bleiben. Ich hab das Abitur nachgeholt (das amerikanische Abitur wurde nicht anerkannt) und mich in der  Universität eingeschrieben. Ja, und ich hab wieder Deutsch gelernt.

 

Hast du in Berlin auch gearbeitet?

 

Ja, gearbeitet hab ich auch. Mit der Schauspielerei hab ich in Amerika schon sehr früh angefangen. In Deutschland hab ich Ruhe und Sicherheit gefunden und konnte mich wieder auf mich und auf die Schauspielerei konzentrieren.  

 

Foto: ZDF Simon Vogler - Eine Liebe in New York mit Birte Hanusrichter

 

 

Der Entschluss Schauspieler zu werden ist schon in den USA gefallen?

 

Der Weg in die Kunst, das ist mir schon in die Wiege gelegt worden. Schon in meiner Kindheit wurden meine Leistungen im Bereich der Kunst immer sehr hervorgehoben. Und das ging schon recht schnell über das ach der ist ja süß‘ hinaus. 

Ich konnte Bühnenerfahrung sammeln und meine Eltern haben schon früh erkannt, dass dies mein Weg ist. Auch in der Schule gab es viele Möglichkeiten die Kunst zu leben. So haben mich meine Eltern ermutigt und gefördert. Mein Vater ist ja auch Sänger. Musiker.

In seiner Gegenwart ist es mir jedoch oft schwer gefallen, mich künstlerisch auszudrücken. Als ich 14 Jahre alt war hab ich mich dann erst mal dazu entschlossen Jugendlicherzu sein. (Lacht).   

 

Wie bewegst du dich heute in diesen beiden Welten und den Sprachen?

 

Es ist inzwischen so, dass ich zwei völlig getrennte Identitäten lebe. Als ich mit 22Jahren in Deutschland ankam, hab ich zwar eine ganze Weile gebraucht, um die deutsche Attitude zu finden - aber ich bin angekommen. Eine Streitkultur, das fehlt mir hier jedoch.

 

Wie siehst du New York?

 

New York hat schon einen Wandel durchlaufen. Generell das Land. Nicht nur zum Besten, wie ich finde. Es gibt zwar eine höhere Toleranz in Bezug auf anders denkende Menschen, was Rasse, Religion und sexuelle Neigung angeht doch damit sind auch Probleme aufgetreten. Die Frage ist, ob die Toleranz aus einem tiefen Verständnis heraus entstanden, oder vielleicht doch nur Political Correctness ist. Es ist so eine Vorsichtigkeit im Umgang miteinander zu spüren und das führt nicht mehr zu interessanten Auseinandersetzungen.

 

Wie siehst du das Leben in der Stadt?

 

Alle wollen in die Städte, um dort ein coolesLeben zu führen. Jetzt haben wir vor allem das gehobene Bürgertum in den Städten. Daraus resultiert, dass es keine Vielfalt mehr gibt. Keine Individualität, was das Stadtleben und die Kultur angeht. Die Preise sind hoch und es gibt fast nur noch Großkonzerne. Alles läuft über den Konsum. Die kleinen, individuellen Läden, die gibts nicht mehr.

 

Trotzdem brauchst du die Stadt?

 

Ja, ich bin schon ein Großstadtmensch, weil ich die Menschen so sehr liebe. Meine Lieblingsbeschäftigung ist es, mich in der Stadt einfach treiben zu lassen.

 

 

Foto: ZDF Simon Vogler

 

 

 

 

 

Wie ist dein Verhältnis zur Natur?

 

Ich bin gern in der wilden Natur. Was ich nicht mag ist eine angelegte Natur. Hier in den USA gibt es noch diese absolute Wildheit und Unbändigkeit.

 

Wo und wie kannst du Kraft tanken?

 

Kraft tanke ich schon auch in der Natur. Auch vom Alleinsein ohne einsam zu sein. Auch der Sport gleicht mich sehr aus. Man muss ab und zu an seine Schmerzgrenze gehen. Zum Leben gehört auch der Schmerz.

 

Welche Sportarten treibst du?

 

Ich laufe. Mannschaftssport mag ich nicht. Zweiersport geht noch. Boxen beispielsweise mag ich schon sehr. Auch Tennis. Bei der Arbeit, da bin ich jedoch ein sehr großer Teamplayer.

 

Tanzt du auch? Vielleicht den Tango Argentino?

 

Ich tanze nicht. Hab so den Eindruck, das ist eine Frauensache das Tanzen. Ich frag mich schon, warum mögen das die meisten Männer nicht. Ist das nicht cool genug? Ich weiß es nicht.

 

Aber den Tango mag ich, denn er erzählt eine Geschichte.

 

Erstaunlich auch, wenn ich eine Rolle spiele, in der ich tanzen muss, klappt das super. Es kommt aber auch auf die Musik an. Es gibt nicht viel Musik, die mich zum Tanzen bewegt.

 

Was bedeutet dir die Musik, welche Musik hörst du?

 

Das hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Ich hör zwischenzeitlich mehr Musik im Hintergrund. Auch Jazz mehr und mehr. Aber ich mag auch klassische Musik. Bin ein Kind der 70er Jahre und liebe die Musik mit der ich aufgewachsen bin. Auch Discomusik. Die Clubmusik in New York Anfang der 1980er.

 

Wie ist die Clubszene in New York?

 

Wir hatten eine tolle Clubszene in New York. Doch sie ist inzwischen tot. Leider. Viele gute Clubs haben geschlossen.

 

Du hast auch eine Wohnung in Berlin. Wie oft bist du in Deutschland?

 

Meine Zeit in Brooklyn und Berlin das ist so halb/halb.

 

 

Foto: ZDF Simon Vogler

 

 

Kennst du Stuttgart?

 

Stuttgart kenne ich, weil ich dort mal einen Film gedreht habe. Wir waren einen Monat in Stuttgart. Darüber hab ich mich sehr gefreut, weil ich so eine neue Stadt kennen lernen konnte. Es heißt ja, dass die Schwaben so absolut korrekt sind. Ich hab erfahren, dass die Stuttgarter unheimlich freundlich sind. Auch architektonisch hat es mir sehr gut in Stuttgart gefallen. Es gibt ein großes Kunst- und Kulturangebot das ist sehr bemerkenswert. Ich finde auch die Lage von Stuttgart sehr schön. Stuttgart hat auch einen sehr schönen Zoo. Ich liebe zoologische Gärten. Ich gehe in jeder Stadt, die ich besuche auch in den Zoo.

 

Hast du Lieblingstiere?

 

Ich glaube ich tendiere schon zu den größeren Tieren. Sie faszinieren mich. Diese graziöse Gewalt und Kraft von Elefanten, Giraffen und Raubkatzen. Ich mag auch Menschenaffen, wie Gorillas oder Uran Utas. Sie wirken auf mich oft menschlicher als der Mensch an sich. Unglaublich, dass wir wahrscheinlich die Ausrottung vieler dieser Kreaturen noch in unserem Leben miterleben werden.

 

Wie sind deutsche und amerikanische Filmproduktionen zu definieren, zu unterscheiden?

 

Sie sind sehr schwer zu vergleichen. Technisch gesehen, sind die Deutschen wirklich super gebildet und super geschult. Besonders die Kameramänner sind in Deutschland sehr gut. Doch der Ablauf innerhalb der Produktionen ist sehr unterschiedlich. In Deutschland hab ich das Gefühl, ist es persönlicher. Vielleicht auch, weil es kleiner ist. Es entstehen oft verblüffende Dinge und Situationen, die eigentlich nicht passieren dürften. An manchen deutschen Sets habe ich die Erfahrung gemacht, wird mehr Widerspruch erhoben. Es wird diskutiert. Das geht in den Staaten nicht. Aber ich finde das ja auch sehr sympathisch. In amerikanischen Produktionen kommt man nicht so nah an Menschen ran. Das ist Job und nach dem Job geht man in sein privates Umfeld nach Hause. Es ist generell eine ganz andere Mentalität.

 

Magst du die Arbeit in Deutschland?

 

Ich bin überaus froh über die Arbeit und die Möglichkeiten hier in Deutschland. Die Bekanntschaften, die Freunde, die schönen Gespräche am Set das ist sehr lebensbereichernd. Man erinnert sich letztendlich nicht so sehr an die Rolle, die man spielte, aber an die Erfahrungen, die man gemacht hat.

 

Ist das Schauspielerleben in den Staaten schwer?

 

Ja. In den USA gibt es wesentlich mehr Schauspieler als in Deutschland und die Entertainmentbranche ist dort eine richtige Industrie. Alles wird mit dem kommerziellen Auge betrachtet.

In Deutschland hingegen ist das Angebot begrenzt und es gibt weniger Schauspieler. Viele brauchen ein zweites Standbein.  

In den USA musst du für alle Rollen vorsprechen. Es kommt darauf an, was du für einen Namen hast und wie du aussiehst.  Entscheidungen werden oft von bis zu 20 Leuten gefällt. Die müssen sich alle einig sein. Bei 120 Castings im Jahr bekommt man dann mal zwei bis drei Rollen. Ich hab hier in den USA mehr zu tun. Habe in der Woche zwei bis drei Tage, an denen ich meinem Beruf nach gehe. Eine neue Rolle bearbeite, einstudiere und mich mit ihr auseinander setze.

Die Warterei in Deutschland, bis man eine Rolle angeboten bekommt, das hat mich oft verrückt gemacht.

Wichtig ist immer, dass man sich professionell verhält. Man bringt eine Leistung und das ist gut für das Selbstwertgefühl.

 

 

 

Foto: ZDF Simon Vogler

 

 

 

Welche Rollen hast du dir erst kürzlich erarbeitet?

 

Ich habe gerade für ein und dieselbe Produktion Jesus und Judas einstudiert. Hab einen Pakistani gespielt, einen Tierhändler und italo-amerikanische Cops. 

 

Ist es die Vielfältigkeit die reizt?

 

Was mir Spaß macht, ist der Inbegriff des Menschen zu sein und zu spielen.

Der Mensch hat so unheimlich viele Facetten. Man spielt ja im Grunde immer sich selbst. Verarbeitet seine Erfahrungen. Hat man Situationen nicht durchlebt, überlegt man sich wie würde ich mich verhalten?. Man findet sich in den Rollen auch oft selbst. Geht auf die Suche nach Innen. Wenn man das erfolgreich umsetzt hat man einen Zugang zu Dingen bekommen, die einem vorher nicht klar waren.

Der Mensch ist letztendlich immer auf der Suche nach sich selbst. Er setzt sich auseinander mit den Fragen warum bin ich geboren?undwarum muss ich sterben?. Er sucht nach Wahrhaftigkeit und nach Glück.

Die Menschenliebe ist Sinn unseres Daseins. So seh ich das. 

 

Kennst du dich, dein Wesen?

 

Ich glaube, man kann nicht sagen, dass man sich kennt. Ich bin auf der Suche. Das ist eine schwierige Frage. berlegt)

Mit jedem Lebensabschnitt werden neue Fragen aufgeworfen. Doch umso mehr Fragen du dir stellst, desto mehr neue Fragen entstehen. Das ist ja auch spannend. Wie fühle ich mich als Mensch, der eine Scheidung durchlebt hat?,Wie fühle ich mich als Mensch, mit einer Krankheit?. Ich kann nicht wissen, wie ich sein werde, wenn ich das durchlebe und erlebe. Du kannst nicht alles spielen, was du schon erlebt hast. Und manche Sachen hast du eben nicht erlebt. Man muss sich das dann vorstellen und mit Fantasie erarbeiten. So wäre das wenn ..

 

Was ist Glück?

 

Das Glück ist, mit sich selbst zufrieden zu sein. Allgemein. Soweit das geht. Dankbar sein, für die Momente des Glücks. Denn Glück ist kein Dauerzustand. Aber man kann zufrieden sein.

Eine weitere Definition des Glücks habe ich kürzlich gehört. Hat mir sehr gut gefallen: Finde etwas, was dir gefällt. Etwas, was du gerne tun möchtest. Wenn du es so gut machst, wie du nur kannst, dann ist auch das eine Form von Glück.

 

 

 

 

Liebsten Dank René, für das wundervolle und so intensive Gespräch.  

Von Herzen alles Liebe. Marion  

 

 

 

‚In drehfreien Zeiten, reise ich gern‘

Peter Ketnath




Foto: Marion Graeber

 

 

Er ist der coole Kommissar Jo Stoll, der in der "Soko Stuttgart" seinen so ganz eigenen Kopf hat. Mit Jeans, Dreitagebart und einem Shirt passt Peter Ketnath nicht nur die Rolle des Jo Stoll. Peter Ketnath passt auch gut in die Stuttgarter Szene. Doch der Schauspieler ist auch international unterwegs. Nachdem er in New York studiert und in Spanien und Portugal gelebt hat, führte ihn sein Weg zudem nach Südamerika. Auch dort sind Filmproduktionen entstanden. Heute lebt er in Berlin und Stuttgart. 

 

 

Interview mit Peter Ketnath

Von Marion Graeber

06. August 2014 

 

 

Wie gefällt Ihnen Stuttgart?

 

Stuttgart gefällt mir gut. Ich komme zwar eigentlich aus München, lebe aber seit Jahren schon in Berlin. Ich habe auch mal in Hamburg gewohnt - ich kenne deutsche Städte eigentlich ganz gut. Aber was Stuttgart angeht, da war ich ein recht unbeschriebenes Blatt. Ich finde es recht angenehm hier. Landschaftlich und architektonisch ist es wirklich sehr reizvoll. Die Lebensqualität ist gut, die kulturellen Angebote, das Nachtleben, es ist alles da.

Wenn Freunde und Gäste kommen, sind die meistens deutlich positiv überrascht. Stuttgart könnte sich zu einem echten Geheimtipp entwickeln. Es ist gerade viel im Aufbruch hier. Auch fernsehtechnisch wird Stuttgart gefördert, es entstehen interessante Projekte - das ist sehr ansprechend.  Stuttgart entwickelt sich ja gerade auch so ein bisschen zum Serienstandort, es kommen immer mehr Produktionen hier her.

 

Sind Sie Stadtmensch?

 

Ja, ich bin schon eher Stadtmensch. Ich bin beruflich viel unterwegs und auch viel in Städten, da fühle ich mich sehr wohl.  Stuttgart wächst ja gerade zu einer richtig großen Stadt heran und ich hab hier trotzdem die schöne Natur. Das gibt es nicht so oft in Deutschland. 

 

Wie und wo tanken Sie Kraft?

 

In mir selbst - da wo ich gerade bin. Ich muss nicht rausfahren oder auf eine einsame Insel gehen, um Kraft zu tanken.

 

Foto: ZDF Markus Fenchel


Wie kam es zu der Entscheidung Schauspieler zu werden? Was bedeutet Ihnen Ihr Beruf?

 

Das hat sich, auf viele Zufälle gestützt, als Bestimmung herausgestellt. Die Schauspielerei war natürlich immer auch eine Sache, die mich fasziniert und interessiert hat. Ich bin durch glückliche Umstände in jungem Alter, so mit 18/19 Jahren, mit dem Beruf in Berührung gekommen, habe dann meine ersten Erfahrungen gesammelt und es auch immer als den Hauptsinn meines Betätigungsfeldes empfunden.

 

Ihre Lust auf andere, fremde Länder - wie ist das entstanden?

 

Ich war immer ganz gerne viel unterwegs. Gerade in drehfreien Zeiten und ich habe so ein gewisses Faible für Sprachen. Ich habe dann auch mal ein halbes Jahr in Spanien verbracht, war in Portugal, in Zentralamerika und in Brasilien - eigentlich wollte ich gar nicht unbedingt nach Brasilien. Ich war dann aber doch ziemlich überrascht von dem Land. Es ist ganz anders als die gängigen Klischees darüber berichten. Ich habe drei Monate dort verbracht.

Auf der Berlinale  kam es dann zu einer Begegnung: Brasilianische Filmemacher suchten Schauspieler, die im besten Fall Portugiesisch sprechen konnten, oder auch Spanisch. Ja, so hat es sich ergeben, dass ich einen Film in Brasilien gemacht habe. Der Film lief sehr erfolgreich und war auch in Cannes. Darauf folgten viele andere Projekte in Lateinamerika. 

 

Sie sind also für neue Projekte stets offen?

 

Ja, offen bleiben. Sich ins kalte Wasser begeben und sich auf Neues einlassen. Das ist für mich auch das, was den Beruf ausmacht, deswegen hab ich die Entscheidung Schauspieler zu werden auch nie bereut. Man geht immer einen Schritt weiter. Fazit: Es war eine glückliche Vereinigung zwischen mir und meinem Beruf.

Ich seh das auch mit großer Demut. Das ist auch das Schöne an der Schauspielerei, dass man sich immer weiter entwickeln kann. Das ist der Plan - man kann den Beruf lebensbegleitend ausüben, bis zum Schluss.

 

Sind Sie auch mal mit dem Tango Argentino in Berührung gekommen? Mögen Sie die Musik?

 

Ja, ich mag die Musik sehr gerne, aber ich tanze kein Tango (lacht).   

 

Ist es Ihnen wichtig, offen für verschiedene Charaktere zu sein?

 

Das ist ein Privileg. Ich hoffe, dass ich das immer wieder machen kann. Bei Soko sehe ich da nicht so die Gefahr in eine Schublade gesteckt zu werden. Wir sind im Team und lösen Kriminalfälle, da wird der Einzelne nicht so festgelegt.

 

Welche Art von Musik hören Sie?

 

Ich habe in meinem Leben schon wahnsinnig viel Musik gehört. Im Moment höre ich eher passiv Musik (lacht). So lege ich im Moment keine Musik auf und genieße die Stille. Ansonsten höre ich gern für jeden Anlass was anderes. Es gibt für mich also nicht so eine bestimmte Musik, um gut drauf sein zu können. Ich höre aber Klassik bis Hip Hop – Querbeet. Es kommt dabei vor allen Dingen auf den Künstler an, weniger auf ein bestimmtes Genre.    

 

Gerne geh ich auch zu Livekonzerten oder mal in einen kleinen Jazzclub. Das find ich eine besonders schöne Sache – Livemusik. Da gibt’s in Stuttgart ja auch ein relativ großes Angebot.

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Nein

 

Was ist für Sie Glück?

 

Ich glaube, wenn man mit sich im Reinen ist, Gesundheit, autark in seinen Entscheidungen sein zu können und wenn man liebe Menschen um sich hat. Ich glaube, dann kann man schon glücklich sein.

 

Sie unterstützen ein soziales Projekt – ein Kinderhospiz in Stuttgart

 

Ja, da sind ein paar Sachen geplant.. Wir haben einen Kinospot produziert. Das ist eine gute Geschichte, wenn man positive Anregungen geben kann. Ich mach das gerne.

 

Zu Soko Stuttgart. Wie viel Peter Ketnath ist eigentlich in Jo Stoll?

 

Ich mag die Rolle wirklich gerne. Über die Jahre hatte ich auch die Möglichkeit den Charakter weiter zu entwickeln, was toll ist. Aber es ist und bleibt eine Rolle, die ich jedoch sehr gerne spiele.  

 

Wie bereitet man sich auf eine Rolle, wie die eines Kriminalhauptkommissars vor? Darf man da den ‚echten‘ Ermittlern schon mal über die Schulter schauen?

 

Ja, wir haben zu Beginn eine Art Grundtraining bekommen und uns auch mit Kriminalkommissaren unterhalten. Von den einfachsten Dingen ‚wie schießt man‘, bis zur psychologischen Führung eines Verhörs war da alles dabei. Ich habe aber auch jede Menge Fachliteratur gelesen. Doch mir ist es auch wichtig einen Schuss Individualität reinzubringen und möglichst frei von irgendwelchen Vorlagen den Stoll zu spielen. Durch die Dramaturgie sind wir ja eigentlich immer in einem festen Fahrwasser, aber ich hab zum Glück eine Rolle, wo ich die Grenzen immer ein bisschen austesten kann. Das macht Spaß.

 

Sie bilden mit ihren Kollegen bei Soko Stuttgart ein gutes Team

 

Ja, unterm Strich sind wir ein gutes Team. Ich glaube, man würde das sonst auch gar nicht so lange machen. Auch die Produktion selbst ist mit Herz gemacht. Die Leute (auch Gastschauspieler) kommen immer gern nach Stuttgart - uns eingeschlossen. Das ist so die Basis, glaub ich. Auch das ZDF an sich ist sehr froh über die Soko Stuttgart und unterstützt das auch sehr.

 

Geht’s bei Soko Stuttgart auch mal humorvoll zu?

 

Es gibt ja unterschiedliche Folgen. Die sind mal düster, aber auch mal humorvoller. Oft mit einem Augenzwinkern. Das heißt, dass man die Fälle ja nicht immer ganz so ernst lösen muss. Das geb ich der Figur auch immer gern mit auf den Weg.

Die Soko Stuttgart ist in jedem Fall recht erfolgreich im Ranking der Sokos. Gerade bei unserem jüngeren Publikum kommen wir gut an. Und das will schon was heißen – wir sind ja schließlich das jüngste Kind dieser Soko-Familie.

 

Wann geht’s weiter mit dem Soko Stuttgart Dreh?

 

Es geht schon Mitte August gleich wieder weiter.  

 

Foto: ZDF Markus Fenchel
Foto: ZDF Markus Fenchel
Foto: ZDF Markus Fenchel

 

 

 

 

 

Lieben Dank für das sehr schöne Gespräch. Alles Liebe 

 

 

 

 

 

‚Ich lebe von der Abwechslung‘

Stephan Luca

 

 

Foto: ZDF Rainer Servos

 

 

 

Foto: ZDF Rainer Servos

 

 

Foto: ZDF Rainer Servos

 

 

In der ZDF Komödie „Ein Reihenhaus steht selten allein“, glänzt Stephan Luca mit seinem heiteren-komischen Talent. Doch der Schauspieler lässt sich nicht festlegen. So gelang ihm im Jahre 2003 mit der Hauptrolle in „Held der Gladiatoren“ sein schauspielerischer Durchbruch.

Sein erster Auftritt am Ernst-Deutscher-Theater als männlicher Titelheld im Stück „Romeo und Julia“ brachte ihm den Friedrich Schütter Preis. Es folgten Engagements in Zürich und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Stephan Luca stellte sein schauspielerisches Können und seine Wandlungsfähigkeit in Filmen, wie beispielsweise „Sie haben Knut“, „Die Sturmflut“, „Geile Zeiten“ und „Störtebeker“ unter Beweis. Weitere Filme mit Stephan Luca sind etwa „Das Inferno – Flammen über Berlin“, „Die Lawine“ und „Im Brautkleid durch Afrika“, um nur einige zu nennen.  

 

 

 

 

Interview mit Stephan Luca - 3. Juli 2014 - Von Marion Graeber 

 

 

 

‚Stuttgart ist mein altes Zuhause‘

Stephan Luca

 

 

Foto: ZDF Rainer Servos

 

 

 

 

 

 

 

 

Moin Moin

 

Hat Sie der Norden fest im Griff, Herr Luca?

 

Ja, der Norden hat mich schon fest eingenordet (lacht). Ich bin Wahlhamburger, das geht auch schnell in die sprachliche Komponente über. 

 

Wie fühlt es sich an den schwäbischen Dialekt zu hören?

 

Das klingt in meinem Ohr nach Heimat. Stuttgart ist mein altes Zuhause. Darauf bin ich genauso geeicht. Mein Nord-Süd-Gefälle, das bleibt für mich immer bestehen.

 

Sie gelten als Dialektspezialist

 

Ich bin ein absoluter Dialektfreund. Als ich mit meinem Studium begonnen habe, hatte ich das Vergnügen mit einer Sprecherzieherin an der Hochschule hier in Hamburg arbeiten zu dürfen. Zu dieser Zeit war meine Sprache noch sehr schwäbisch angefärbt. Ich bin in der Anfangsphase sehr viel zwischen Hamburg und Stuttgart hin und her gereist. Da hat man schon gemerkt, wann und welches Wochenende ich in Stuttgart verbracht habe. Meine Sprecherzieherin hat sich teilweise beklagt, dass man den Montag bis Mittwoch nutzen musste um den schwäbischen Dialekt wieder abzuarbeiten. 

 

Was bedeutet für Sie Heimat?

 

Stuttgart ist mein altes Zuhause. So nenne ich das gerne. Es ist die Stadt in der ich aufgewachsen bin, in der meine Eltern leben, mein Bruder. Da sind Freunde, Schulkameraden, meine Jungsclique von damals. Da gibt es viele Verbindungen, wie beispielsweise zum Tennisclub – mein Bruder und ich haben quasi unsere ganzen Nachmittage auf dem Platz verbracht. Ich schwelge dann in Erinnerungen. Mein Abitur und auch meinen Zivildienst hab ich in Stuttgart gemacht. Doch mir wurde schnell klar, ich wollte raus in die große, weite Welt. Das fing schon so mit 17 Jahren an. Ich war immer schon sehr neugierig. Bin es heute noch.

Ich komme gerne nach Stuttgart, um meine Familie zu besuchen. Leider bleibt nie viel Zeit. Oftmals fahre ich zu Drehs weiter in den Süden, nach Italien. So ist meine Wahlheimat Hamburg tatsächlich mein Zuhause geworden. Das hat sich in den vergangenen 16 Jahren sehr stark bei mir etabliert. Und trotzdem – ich trag Stuttgart weiter in meinem Herzen.

 

Sie sind in Sindelfingen geboren. Sicher kennen Sie das Sindelfinger Freibad? (Ich war als Jugendliche oft dort zum Schwimmen). Welche Erinnerungen haben Sie daran?

 

Ich glaube, darüber hab ich tatsächlich noch nie in einem Interview gesprochen. Das Sindelfinger Freibad war mein Kindergarten. Ich war da mit meiner Mutter. Jeden Tag. Ich war Freibadbekannt (lacht). Der Bademeister war im Grunde mein bester Freund.

Ja, das Sindelfinger Freibad ist mir wirklich ein gut bekannter Ort. Ich erinnere mich auch noch an meinen ersten Sprung vom 10-Meter-Turm. Das war sehr schmerzhaft.

 

Wie sah das damals mit Ihrem Berufswunsch aus?

 

Auf das Abitur zugehend war da so eine Überlegung, die aus einer kindlichen Träumerei oder einer jugendlichen Fantasie entstanden ist. Ich wollte damals beispielsweise meinen Zahnarzt überreden, einen ‚Mutspiegel‘ zu installieren. Ich wollte immer zuschauen, was der Zahnarzt da so macht. Man schaut ja immer nur in diese Lampe, die einem so ins Gesicht strahlt. Viel reden kann man auch nicht. Ich hätte da gerne einen Spiegel gehabt, den man je nach Bedarf und Mut hätte auf und zu machen können. So hatte ich tatsächlich Lust den Beruf des Zahnarztes oder auch des Kinderarztes zu ergreifen. Aber die Idee ist mit einem mäßigen Abitur ziemlich schnell dem Realismus gewichen. Und da gab es schließlich auch unterschwellig immer den Wunsch und den Hang zur Schauspielerei. Ich hatte das damals nur nie laut ausgesprochen.

 

Ein paar Einblicke in Ihre Schulzeit

 

Ich hab die freie Waldorfschule Uhlandshöhe (Stuttgart) besucht. Ob Musik, Schauspiel oder all die anderen Kunstfächer – ich durfte dort eine sehr künstlerische Erziehung genießen. Das fand ich schon großartig. Ich hab gemerkt – da hab ich Lust drauf. Das war ein Raum, wo ich mich wohl fühlte.

In den oberen Klassen hatte ich wirklich beeindruckende Lehrer. Sie haben uns das Fach ‚Deutsch‘ so wundervoll näher gebracht. Literatur und Geschichte wurde uns mit einer unglaublichen Kraft und großer Dimension näher gebracht. Das war so reich an Bildern. Bei den Erzählungen lief bei mir immer sofort auch innerlich ein Film ab. Die Lust etwas darzustellen, Geschichtenerzähler zu sein – das ist für mich bis heute das was den Beruf des Schauspielers ausmacht.  

 

Literatur sichtbar machen?

 

Ja, genau. Das haben meine Lehrer par excellence gemacht. Die Art wie das vorgetragen wurde. Tolle Lehrer, denen ich viel verdanke.

 

Gab es in Ihrer Kindheit einen Film, der Sie in besonderer Weise beeindruckt hat?

 

Es gab schon einige Dinge, die mich als Kind fasziniert haben. Wir haben nicht so wahnsinnig viel TV gesehen, weil wir Kinder der Bewegung waren. Wir wurden immer angetrieben draußen in der Natur zu spielen. Sport war immer ein großes Thema. Aber wenn wir dann mal schauen durften, war das immer ein Aha-Erlebnis. Lange wach bleiben und mit den Eltern fernsehen. Das war ein Großereignis. So war ‚Ben Hur‘ der Einstieg in die große Welt der Kinos und der Kinofilme. Das war eine ganz große Nummer. Dass ich dann Jahre später selbst mal als Gladiator vor der Kamera stehen sollte – das war für mich großes Gefühlskino. (Held der Gladiatoren 2002; Anm.d. Red.)

 

Haben Sie weitere liebe Erinnerungen an Filme aus Ihrer Kindheit und Jugend?

 

Ja, da gab es auch Burt Lancaster in ‚Der rote Korsar‘. Ich war da oft auch durch meine sportliche Erziehung gern bei den turbulenten Filmen. Aber ich hab auch gern ‚Dick und Doof‘ gesehen. Die beiden Komiker fand ich einfach klasse. Von Bud Spencer und Terence Hill kann ich teilweise noch Dialoge auswendig. Damit bin ich groß geworden. Das ist eine Range von Komödie über Drama bis hin zum ‚Hau drauf Humor‘.

 

Ob Liebeskomödie oder Actionfilm – fühlen Sie sich in allen Genres zuhause?

 

Ich bin regelrecht froh, dass man nicht genau sagen kann, das ist doch der aus diesem oder jenem Film. Der Weg dorthin war nicht immer einfach. Das musste man sich erkämpfen. Da waren die ersten Anläufe schon auch mal niederschmetternd. Man entdeckt dann aber so einen sportlichen Ehrgeiz. Den hab ich bis heute. Da bin ich im Grunde immer noch Sportler. Aber in meinem Fach. Die Aufgabe ist, immer wieder die eigenen Komfortzonen zu verlassen und nicht immer bei dem zu bleiben, was man schon entdeckt hat. Neugierig bleiben, sich auf neue Dinge einlassen und die Abwechslung wagen. Das ist für mich der Beruf des Schauspielers.

 

Glauben Sie an die Liebe auf den ersten Blick?

 

Ich habe diese Liebe auf den ersten Blick erfahren dürfen. Auf unterschiedliche Art und Weise. Hab mich mal sehr verliebt – in einen Fiat 500. In Italien, da war ich 16 Jahre alt. Damals hatte ich aber nicht das Geld, dieser Liebe nach zu gehen. Später hat man sich ein bisschen was erspart und ist zur Liebe zurückgekehrt. Im menschlichen Sinne war das mal so und so. Ich kenne den Begriff. Er ist mir bekannt. (Lächelt)

 

Sie sind ein guter Sportler, ein sehr guter Skifahrer. Sie sind viel in Lech?

 

Ja, wir haben über das Zuhause und die Heimat gesprochen, und Lech, ja, wenn man da so ein Dreieck bilden würde, da ist auch Lech zu einem großen Stück Zuhause geworden.

 

Würden Sie sich als Stadt- oder Naturmensch bezeichnen? Oder brauchen Sie beide Welten?

 

Auch da leb ich von der Abwechslung. Ich merke schon auch (den vorangegangenen Film hab ich in Berlin gedreht) ich fahre gern in die Großstadt. In dieses Turbulente, in dieses teilweise auch Anstrengende.  Doch ich liebe Hamburg schon auch deswegen, da es noch diesen dörflichen Charakter gibt. Ein Dorf mit einem Hafen. Karl Lagerfeld hat mal ganz richtig gesagt ‚Hamburg ist ein Tor zur Welt, aber eben nur das Tor‘. Genau so sehe ich das auch. Ich mag das Großstädtische und ich mag die Turbulenz in der Stadt. Auch die Begegnung. Ich genieße aber genauso die Auszeiten und die Tage in den Bergen. Das ist für mich die größte Energiequelle.

 

Was ist für Sie Glück?

 

Zeit. Und weiter seinen Wünschen und Träumen nachgehen zu können.

 

Sie verfolgen auch ein soziales Engagement

 

Ich fühl mich da immer sehr geehrt, bei diesen Veranstaltungen teilnehmen zu dürfen. Ich mach das in einem kleinen Rahmen. Ich finde, umso weniger man macht, umso ehrlicher unterstützt man. ‚Kicken mit Herz‘ ist hier in Hamburg beispielsweise eine Veranstaltung, die bereits ins siebte Jahr geht. Da sind gerade erst über 100 000 Euro für die Hamburger Kinderherzstation zusammen gekommen. Das soziale Engagement startete für mich über den ‚Hamburger Weg‘, für den ich mich einsetze. 

Ich verdanke Hamburg viel. Werde als Hamburger wahrgenommen. Das ist mir eine große Freude. Ich habe durch das soziale Engagement viele Kollegen aus Film und Fernsehen kennen gelernt. In dieser Gruppe aufgenommen zu sein ist sehr schön.

 

Welche Musik lieben Sie?

 

Da wird man im Alter schwieriger. Das Radio ist bei mir nicht mehr wirklich in Betrieb. Mein Auto schaltet sich da ziemlich schnell auf meine eigene Playlist. Die allerdings ist sehr bunt. Ich hab da kein Stimmungsbarometer. Bin da so wie bei der Auswahl meiner Filme, die ich drehe – das geht in viele Richtungen. Ob Rock, Lieder aus den 80ern, Disco, Italienische Songs, bisschen Klassik und ein wenig Schlager. Manche wundern sich, aber bei mir passt relativ viel zusammen.

 

Vielleicht mögen Sie auch den Tango Argentino?

 

Ich hab zumindest eine kleine Ahnung vom Tango Argentino, denn ich durfte mal einen Tangolehrer spielen. Damals in Köln. Ich hab da begriffen, wie unfassbar schwer das ist. Eine wahre Lebensaufgabe. Eine Kunstform. Ich bin eher der Freigeist, wenn es um das Tanzen geht. Da verbinden sich bei mir viele Tanzstile in einem (Lacht).

 

Haben Sie ein Lebensmotto?

 

Nein, sowas hab ich gar nicht. Ich glaub ich hab mir an Silvester auch noch nie was vorgenommen, was man dann eh nicht hält. Ich verfolge eher humorvolle Dinge, die sich dann aus der Situation heraus ergeben. ‚Der Schwob wird erscht mit 40 gscheid‘, heißt es doch so schön.

 

Sie haben heute Geburtstag. Ich wünsch Ihnen alles Liebe!

 

Ja, das ist sehr nett. Vielen Dank.

 

Also kein großes Lebensmotto?

 

Ich behalte mir vor, nicht das große Lebensmotto auf meinem Arm tätowiert zu tragen. Meine Lebensphilosophie hat sich oftmals auch verändert. Doch mit einem Lebens-Wort könnten Sie mich verhaften (Lacht). Mein Lebens-Wort wäre ‚Neugier‘. Das ist, glaube ich die treibende Kraft um voran zu gehen, mutig zu sein, zu machen…..

 

Neue Wege gehen?

 

Ja, neue Wege zu gehen, die vielleicht auch ungewöhnlich sind. Auch in Bezug auf Reisen in fremde Länder. Vielleicht sogar dorthin wo kein Tourismus ist. Da geh ich gerne der Nase nach. Das geht auch mal in die Hose. Da ist nicht alles toll, aber ich kann zumindest sagen, ich hab es versucht…..

 

Welches Projekt verfolgen Sie derzeit?

 

Wir drehen im Moment in Hamburg „Warum ich meinen Boss entführte“ (Stephan Luca und Julia Hartmann in der NDR/ARD Degeto-Komödie. Buch: Barbara Jago, Regie: Peter Gersina). Oft genug ist man ja weit weg von zuhause. Das Ganze nun mal hier in Hamburg zu drehen macht mir sehr großen Spaß. Bis zum 14. Juli bin ich noch am Set, dann werde ich ein paar Urlaubstage mit meinem Vater verbringen. Vater und Sohn – da freu ich mich sehr drauf.

 

Gibt es bereits einen Ausstrahlungstermin für den Film?

 

Nein, den gibt es noch nicht.

 

Was können wir in nächster Zeit von Ihnen sehen?

 

Die Produktion, die ich davor gemacht habe,  wird am 10. Oktober ausgestrahlt. Ausstrahlungstitel: SAVING LIVES (AT). Drehbuch: Kirsten Peters, Regie: Ulli Baumann, Redaktion: ARD/Degeto, Stefan Kruppa.

Ich freu mich auch sehr auf den Kinofilm, der im September in die Kinos kommt. „Da muss Mann durch“. (Komödie, Regie: Marc Rothemund, Cast: Stephan Luca, Jan Josef Liefers, Wotan Wilke Möhring, Julia Jentsch)

 

 

Ich danke Ihnen sehr für das schöne Gespräch. Ich wünsche Ihnen alles Liebe

 

 

 

 

 

 

 

                         'Ich brauche städtische Kultur genauso wie ländliche Vielfalt'

                                                Thomas Maximilian Held 

 

Fotocopyright LAION.de

 

 

Auszug aus dem Interview mit Thomas Maximilian Held - Kinderhilfe  

 

Interview mit Thomas Maximilian Held

Von Marion Graeber

 

 

Thomas Maximilian Held ist deutsch-österreichischer Schauspieler und wohnt in Köln und in Graz/Steiermark. Er wirkte in mehreren Film- und Fernsehproduktionen, sowie Kinoproduktionen und Theaterstücken mit. Bekannt ist er außerdem durch die SAT1 Comedy-Serie 'Sechserpack'.

 

 

AUSZUG - INTERVIEW 

 

Sind Sie ein Morgenmensch?

 

Es geht. Dadurch, dass man als Schauspieler oft sehr spät nach der Vorstellung nach Hause kommt, schläft man gerne auch mal aus. Ich bin nicht abgeneigt, ein spätes Frühstück einzunehmen.  

 

Sie sind sehr sportlich. Beteiligen sich an verschiedenen Radrennen. Sind Sie im ständigen Training?

 

Ich bin leidenschaftlicher Rennfahrer. Im vergangenen Jahr habe ich ganz intensiv Triathlon Veranstaltungen besucht. Diese waren immer mit einem Charity Event, beziehungsweise einem sozialen Projekt verbunden. In diesem Jahr hab ich ein bisschen wenig Kilometer in den Beinen. Aber ich bin im Radsport und im Triathlon 'drin'. Sport ist eine Leidenschaft. Ich wohne in Köln - das bergische Land ist herrliches Trainingsland.  

 

Welche Rolle spielt für Sie die Aktivität und das Leben in und mit der Natur? Oder ziehen Sie das Stadtleben vor?

 

Ich brauche städtische Kultur und auch Multikulti. Genauso wie ich Ruhe und ländliche Vielfalt brauche, wie beispielsweise die einer Almwanderung. Das macht das Leben reich und schärft die Sensibilität was unseren Umweltschutz betrifft.  

 

Wie gut kennen Sie Stuttgart und die Region?

 

Stuttgart kenne ich von einem Dreh. Ich kenne zudem Ludwigsburg, wegen der besten Filmakademie, die es gibt.  

 

Tanzen Sie Tango?

 

Tango Argentino habe ich Ende der 90er Jahre mit meiner Schauspielkollegin, Annette Frier gelernt und vor ein paar Jahren hatte ich die Gelegenheit eine sehr schöne musikalische Romanlesung mit einem Tangoquartett in Marburg zu präsentieren. "Drei Minuten mit der Wirklichkeit", von Wolfram Fleischhauer....  

 

 

 

 

 Lieben Dank, Thomas Maximilian. Alles Gute für dich 

 

 

 

 

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